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Foto nordische Landschaft

22. Juni 2015

Von Stockholm nach Bandung mit Wilderness

Vom winterlichen Stockholm ins tropische indonesische Bandung: Die schwedischen Wilderness haben gute Gründe dafür! Die Dreampopsters zieht es nach Asien, weil sie dort bereits vor Jahren auf einer Tour die »bedingungslose Liebe und Begeisterung« des indonesischen Publikums für Musik entdeckt haben.Was für das Quartett, das aus der Vorgänger-Band Penny Century hervorgegangen ist, eine einschneidendes Erfahrung und eine große Inspirationsquelle war. Diesem Erweckungserlebnis zollen die Vier mit ungewöhnlichen Tönen Tribut: Der sehr feine Track »Bandung City Rockers« startet mit schwedischen Voice-Samples, nur um die verträumten Synthies um so wirkungsvoller in Szene zu setzen. Und anschließend lässt man die exotisch angehauchten weibliche Vocals auf lautmalerische Abenteuer-Fahrt ziehen. Das könnte in bombastischen Ethno-Kitsch ausarten, tut es aber erfreulicherweise überhaupt nicht! Auf eine angenehm unaufdringliche Art verschmelzen hier unterkühlte skandinavische Euphorie und südlich flirrendes Melodrama. Wecken unbestimmte Sehnsüchte. Leichtigkeit und sanfte Melancholie sind hier händchenhaltend auf Strandspaziergang und schauen sich dabei so innig in die Augen, dass uns allein vom Zugucken warm ums Herz wird. »Möge dieser Song noch endlos weitergehen«, denkt man und schluckt. Gottseidank tut er das nicht: Denn aufhören, wenn es am schönsten ist, das ist die wahre Kunst!

Das neue Wilderness-Album »VALLUNDSET 1924« erscheint übrigens beim Indie-Label Colorcode Records aus Bangkok. Die Band hat bereits die beiden EPs »WILDERNESS« und »THIS WORLD IS NOT OURS« herausgebracht. »Bandung City Rockers« macht jedenfalls Lust, via Soundcloud in das restliche Werk der Band hereinzuhören! Aktuell touren die Vier übrigens durch Südostasien!

14. Juni 2015

Kings of Black Metal 2015 – Highlights: Watain, Carach Angren

Tatort: märchenhaftes Alsfeld
Tatverdächtige: (internationale) Black Metaller
Tatzeit
: wieder eintägig
Tat-Zeugen
: Dresscode: 99,9% Black

Das Kings of Black Metal im idyllischen Alsfeld (ehemals in Gießen) hat inzwischen einen festen Platz im Festivalplaner – auch international. Obwohl das Festival nun wieder eintätig ist, und nicht wie im Vorjahr Freitag und Samstag, reisten für den 25. April 2015 sogar Fans aus den USA, Chile, Brasilien, Mexiko und Kanada an. Hinzu kommen europäische Metalheads, vor allem aus Skandinavien, die das einzig pure Black Metal-Festival in Deutschland anlockt. Das Line-Up war ebenfalls international aufgestellt; in der nahezu ausverkauften Stadthalle rockten, im Anschluss an die Opener Deathrow (IT):

Der Countdown läuft …
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12. April 2015

Lichtblau schwebende Welten mit We Float

Ein Bandfoto, das stutzen macht: Drei Frauen, ein Mann. Üblicherweise ist die Sache umgekehrt: Die hübsche Sängerin, eingerahmt von ihren männlichen Bandkollegen. Bei We Float, dem Projekt um die norwegische Bassistin Anne Marte Eggen, sind die Dinge etwas anders: Filip Bensefelt ist für die Sektion Rhythmik zuständig, Dazu gesellen sich die sensible Pianistin Fanny Gunnarsson, der zurückgenommene Bass von Eggen und die schlafwandlerisch entrückte Stimme von Linda Bergström. Und jetzt denken wir mal eine halbe Sekunde darüber nach, warum das denn so ist: Dass die Band-Kombination »drei Männer, eine Frau« die Norm ist und die Kombination »drei Frauen, ein Mann« die absolute Ausnahme. Und darüber, was uns an Kreativität und Möglichkeiten verlorengeht, nur weil die Dinge eben so sind, wie sie sind. We Float jedenfalls sind nicht nur in Sachen Geschlechter-Stereotypen Grenzgänger: Das Quartett erkundet hier ohne jegliche Scheu vor puristischer Genretreue die Grauzonen zwischen sanften Electronica, coolem Jazz und poppiger Empfindsamkeit. Benannt haben sich die Vier übrigens nach einem PJ Harvey-Song. Und um die etwaige Verwirrung komplett zu machen: Anne Marte Eggen, die Jazz am Konservatorium in Malmö studiert hat, ist noch in verschiedenen Nebenprojekten aktiv, darunter im experimentellen Jazz-Quartett Kvalia and in der Folkjazztruppe Ljom. Bunter denken und bloß nicht nur in eine musikalische Richtung schauen, so könnte die Devise lauten!

We Float haben vor wenigen Tagen ihr Debütalbum »SILENCE« vorgelegt, auf dessen blauen Cover sich die großen Walfische tummeln. Die Band hat sich vom Wasser und dessen tiefen Geheimnissen inspirieren und kreiert im sehr feinen Track »Mysticeti« eine lichtblau schwebende Welt voller Geheimnisse. Klingt dabei puristisch und schwelgerisch zugleich. Ist ausufernd nachdenklich, aber mit weit ausgebreiteten Flügeln so. Verleitet zum schlauen Träumen. Schwelgt in präzisen Tagträumen und entzieht sich mühelos allen vorschnellen Vereinnahmungen. Dieser Band exakt passende Etiketten überzustülpen, das sollte man tunlichst unterlassen. Sondern lieber mit ihr abtauchen in sanfte, unbekannte Tiefen.

28. März 2015

Im eleganten Zwielicht mit Death And Vanilla

Manche Kinderbücher hinterlassen bleibenden Eindruck: Dazu gehört unbedingt Maurice Sendaks Klassiker »WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN«. Das junge Malmöer Trio Death And Vanilla jedenfalls hat sein Debütalbum »TO WHERE THE WILD THINGS ARE« genannt und kreist elegant und geheimnisvoll um die Zeit nach dem offiziellen Schlafengehen, wenn die Dinge in der Dunkelheit plötzlich eine ganz neue Form annehmen können. Wenn die Nachttischlampe aus ist, kriechen die interessantesten Schatten aus den Ecken! Und nehmen uns vielleicht mit auf die interessantesten Reisen zwischen Tag und Traum! Genauso verhält es sich mit den Dreien aus der südschwedischen Hafenstadt, die einen schwebenden, angenehm verhuschten Dreampop pflegen, der schlafwandlerisch durch Schattenwelten gleitet. Ein Windhauch Psychedelik hilft hier dabei, dass wir auf angenehme Weise den Boden unter den Füßen verlieren. Und darüber schwebt die engelhaft zarte Stimme von Marleen Nilsson, die von ferne an Mazzy Star erinnert. Im sehr feinen Track »California Owls« halten Spielzeugsounds, 60ies-Pop-Ästhetik und schwarze Twin-Peaks-Romantik ganz einträchtig Händchen. Wenn hier zum Schluss die Vöglein zwitschern, so sind diese unbedingt rabenschwarz. Und die nicht enden wollende Melodie lockt: Komm doch mit, komm doch mit ins Unterholz, wo die festen Wege enden und phantastische Dinge passieren können! Death And Vanilla spielen den Soundtrack für Roadmovies, die im urbanen Zwielicht oder unter dichten Nadelwäldern spielen, wo vom hellen Himmel nur noch eine Andeutung übrigbleibt. »TO WHERE THE WILD THINGS ARE« kommt im Mai heraus und könnte bei den Alben des Jahres 2015 durchaus eine Rolle spielen!

Death And Vanilla – 'California Owls' from fire records on Vimeo.

18. März 2015

Auf dem Weg ins neue Jerusalem mit David Ahlén

Wenn ein Musiker so unterschiedliche Künstler wie Palestrina und My Bloody Valentine als seine Vorbilder nennt, stellen sich die Ohren schon einmal erwartungsfroh hoch. Wenn man dann noch liest, dass dieser Sänger als Sohn eines Priesters in einer Mennonitengemeinde aufwuchs, in den 90er Jahren Mitglied einer Folkrock-Band war und sich nun dem ebenso schwärmerischen wie bescheidenen Kammerpop zugewandt hat, dann lauscht man in David Ahléns zweites Album »SELAH« doch sehr aufmerksam. Und lässt sich von Falsettstimme und Gitarre gerne in ruhigere Gefilde entführen. Wo Verlangsamung, Ernsthaftigkeit und Innigkeit noch immer geholfen haben. Minimalistisch geht es hier zu, wenn sich der Sänger angenehm zurückhaltend mit Glaubensfragen auseinandersetzt. Für den normalen Konfirmandenunterricht aber eignen sich diese eigenwillig-sanften Töne dennoch nicht, die erfreulich kitschfrei daherkommen. Jesus muss hier ein bärtiger Waldschrat mit Gitarre sein, der in einem abgelegenen Pfarrhaus auf Gotland lebt. So wie David Ahlén selbst, der inzwischen in Visby wohnt und das Album auf seinem eigenen Label Mishkan herausgebracht hat. Via Bandcamp kann man diesem ruhigen, aber gleichwohl schwärmerischen Tönen lauschen. Und sich dabei daran an die Zeiten erinnern, als in den 70er Jahren die Jesus People die Rolle der harmlosen Spinner mit Leben erfüllten. Hymnen singen ist aber definitiv besser als anderen Leuten eins auf die Mütze zu geben. Der feine Track »Linger« jedenfalls ist von eigentümlicher Romantik und unterkühlter Üppigkeit. Möge die Harfe in der Popmusik bald eine größere Rolle spielen!

 
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