Home
Foto nordische Landschaft

02. Juli 2015

Weniger ist mehr mit Wolfrunner

Manchmal könnte man zu dem Schluss kommen, dass jeder, der eine Gitarre halten und drei Akkorde spielen kann, sich heutzutage Singer-Songwriter nennt. Und auf der Bühne melancholisch in sich hineinmurmelt und die immer wieder die gleiche Mär von den bösen Hindernissen bejammert, die das Leben ihm (oder ihr!) in den Weg legt. So weit, so unendlich langweilig und banal. Vielleicht ist einfach nur in Vergessenheit geraten, dass gute Singer-Songwriter (früher hießen sie noch Liedermacher!) im besten Falle wunderbare Geschichtenerzähler sind. Vielleicht hat es sich einfach noch nicht herumgesprochen, dass Andeutung und Geheimnis die Zuhörer sehr viel mehr in den Bann ziehen als jede dick aufgetragene öffentliche Seelenschau. Und deshalb horcht man bei Wolfrunner auf. Weil hier weniger mehr ist. Weil Patrik Backlund zwar scheinbar Alltagsdinge erzählt. Aber dahinter steckt dann Gehaltvolleres. Erfahrungen, die tiefer gehen. Hier muss man schon genau hinhören. Und mit simpler Klampferei hat der Musiker aus Nordschweden mit derzeitigem Wohnsitz in der Hafenstadt Umeå nichts im Sinn: Seine nur scheinbar scheinbar reduzierten Songs sind komplizierter und vielschichtiger aufgebaut, als es zunächst den Anschein hat. In den vergangenen zwei Jahren ist Patrik Backlund mit INVSN getourt, dem neuen Projekt von Dennis Lyxzén (ehemals Refused)). Als Wolfrunner hat Backlund die neue EP »SAFEWORD BUDAPEST« herausgebracht, auf der er hörbar seine sanftere Seite auslebt. Der fein reduzierte Track »On Nine« gefällt besonders gut!

27. Juni 2015

Hel(l) aktuell XVII: Tuska 2015, Freitag: Mein erstes Mal


Endlich angekommen hier in Norden Europas. Heute beginnt das Tuska Festival in Helsinki. Vom 26. bis zum 28. Juni 2015 wird es laut um das alte Gasometer in Suvilahti. Einen der Opener in den Clubs am Donnerstagabend, Turmion Kätilöt im Tavastia, verpassen wir, da zu wir zu geschlaucht von der langen Anreise sind.

In Helsinki selbst sehen wir nur unwesentlich mehr schwarzgekleidete, böse dreinschauende Menschen als an den Tagen ohne Festival. Nach gemütlichem Schlendern durch die Stadt und einem Besuch im Hellsinki Rock Shop (unbedingt mal reinschauen, auch online) beginnt der Festival-Freitag für uns mit Ghost Brigade, die wir uns auf der Inferno Stage anschauen.

Ghost Brigade (FIN)



Kompletten Beitrag lesen …

22. Juni 2015

Von Stockholm nach Bandung mit Wilderness

Vom winterlichen Stockholm ins tropische indonesische Bandung: Die schwedischen Wilderness haben gute Gründe dafür! Die Dreampopsters zieht es nach Asien, weil sie dort bereits vor Jahren auf einer Tour die »bedingungslose Liebe und Begeisterung« des indonesischen Publikums für Musik entdeckt haben.Was für das Quartett, das aus der Vorgänger-Band Penny Century hervorgegangen ist, eine einschneidendes Erfahrung und eine große Inspirationsquelle war. Diesem Erweckungserlebnis zollen die Vier mit ungewöhnlichen Tönen Tribut: Der sehr feine Track »Bandung City Rockers« startet mit schwedischen Voice-Samples, nur um die verträumten Synthies um so wirkungsvoller in Szene zu setzen. Und anschließend lässt man die exotisch angehauchten weibliche Vocals auf lautmalerische Abenteuer-Fahrt ziehen. Das könnte in bombastischen Ethno-Kitsch ausarten, tut es aber erfreulicherweise überhaupt nicht! Auf eine angenehm unaufdringliche Art verschmelzen hier unterkühlte skandinavische Euphorie und südlich flirrendes Melodrama. Wecken unbestimmte Sehnsüchte. Leichtigkeit und sanfte Melancholie sind hier händchenhaltend auf Strandspaziergang und schauen sich dabei so innig in die Augen, dass uns allein vom Zugucken warm ums Herz wird. »Möge dieser Song noch endlos weitergehen«, denkt man und schluckt. Gottseidank tut er das nicht: Denn aufhören, wenn es am schönsten ist, das ist die wahre Kunst!

Das neue Wilderness-Album »VALLUNDSET 1924« erscheint übrigens beim Indie-Label Colorcode Records aus Bangkok. Die Band hat bereits die beiden EPs »WILDERNESS« und »THIS WORLD IS NOT OURS« herausgebracht. »Bandung City Rockers« macht jedenfalls Lust, via Soundcloud in das restliche Werk der Band hereinzuhören! Aktuell touren die Vier übrigens durch Südostasien!

14. Juni 2015

Kings of Black Metal 2015 – Highlights: Watain, Carach Angren

Tatort: märchenhaftes Alsfeld
Tatverdächtige: (internationale) Black Metaller
Tatzeit
: wieder eintägig
Tat-Zeugen
: Dresscode: 99,9% Black

Das Kings of Black Metal im idyllischen Alsfeld (ehemals in Gießen) hat inzwischen einen festen Platz im Festivalplaner – auch international. Obwohl das Festival nun wieder eintätig ist, und nicht wie im Vorjahr Freitag und Samstag, reisten für den 25. April 2015 sogar Fans aus den USA, Chile, Brasilien, Mexiko und Kanada an. Hinzu kommen europäische Metalheads, vor allem aus Skandinavien, die das einzig pure Black Metal-Festival in Deutschland anlockt. Das Line-Up war ebenfalls international aufgestellt; in der nahezu ausverkauften Stadthalle rockten, im Anschluss an die Opener Deathrow (IT):

Der Countdown läuft …
Kompletten Beitrag lesen …

12. April 2015

Lichtblau schwebende Welten mit We Float

Ein Bandfoto, das stutzen macht: Drei Frauen, ein Mann. Üblicherweise ist die Sache umgekehrt: Die hübsche Sängerin, eingerahmt von ihren männlichen Bandkollegen. Bei We Float, dem Projekt um die norwegische Bassistin Anne Marte Eggen, sind die Dinge etwas anders: Filip Bensefelt ist für die Sektion Rhythmik zuständig, Dazu gesellen sich die sensible Pianistin Fanny Gunnarsson, der zurückgenommene Bass von Eggen und die schlafwandlerisch entrückte Stimme von Linda Bergström. Und jetzt denken wir mal eine halbe Sekunde darüber nach, warum das denn so ist: Dass die Band-Kombination »drei Männer, eine Frau« die Norm ist und die Kombination »drei Frauen, ein Mann« die absolute Ausnahme. Und darüber, was uns an Kreativität und Möglichkeiten verlorengeht, nur weil die Dinge eben so sind, wie sie sind. We Float jedenfalls sind nicht nur in Sachen Geschlechter-Stereotypen Grenzgänger: Das Quartett erkundet hier ohne jegliche Scheu vor puristischer Genretreue die Grauzonen zwischen sanften Electronica, coolem Jazz und poppiger Empfindsamkeit. Benannt haben sich die Vier übrigens nach einem PJ Harvey-Song. Und um die etwaige Verwirrung komplett zu machen: Anne Marte Eggen, die Jazz am Konservatorium in Malmö studiert hat, ist noch in verschiedenen Nebenprojekten aktiv, darunter im experimentellen Jazz-Quartett Kvalia and in der Folkjazztruppe Ljom. Bunter denken und bloß nicht nur in eine musikalische Richtung schauen, so könnte die Devise lauten!

We Float haben vor wenigen Tagen ihr Debütalbum »SILENCE« vorgelegt, auf dessen blauen Cover sich die großen Walfische tummeln. Die Band hat sich vom Wasser und dessen tiefen Geheimnissen inspirieren und kreiert im sehr feinen Track »Mysticeti« eine lichtblau schwebende Welt voller Geheimnisse. Klingt dabei puristisch und schwelgerisch zugleich. Ist ausufernd nachdenklich, aber mit weit ausgebreiteten Flügeln so. Verleitet zum schlauen Träumen. Schwelgt in präzisen Tagträumen und entzieht sich mühelos allen vorschnellen Vereinnahmungen. Dieser Band exakt passende Etiketten überzustülpen, das sollte man tunlichst unterlassen. Sondern lieber mit ihr abtauchen in sanfte, unbekannte Tiefen.

 
Seite 6 von 46« Erste...345678910...Letzte »