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Foto nordische Landschaft

09. Februar 2015

Atemlos mit A Projection

Fort, fort mit der Besinnlichkeit, heute wollen wir so lange abtanzen, bis uns die Puste ausgeht! Mögen sich die Macher des Hamburger Indielabels Tapete Records gedacht, in deren Repertoire sich jede Menge ruhige Töne finden. Aber dieses Mal ist flotte Atemlosigkeit und unbekümmerte Jugendlichkeit angesagt, denn man hat die junge Stockholmer Indierockband A Projection unter Vertrag genommen. Diese Nachwuchskräfte haben gerade die Aufnahmen zu ihrem Debütalbum »EXIT« abgeschlossen und blicken selbstbewusst zurück in die glorreichen Tage des britischen Wave und pflegen dabei eine angenehm rotzige Punk-Attitüde. Und sind zudem dem dem melodienverliebten, synthieverliebten Powerpop nicht abgeneigt! Ihre feine Single »Young Days« hört sich jedenfalls so an, als hätten ihre Landsleute Peter Bjorn And John ihren Überhit »Young Folks« auf Speed geschrieben!

Klar, dass die sechs Jungs von A Projection die Welt in Schwarz-Weiß-Ästhetik sehen und ihre unbändige Lebenslust bevorzugt zur Dämmerstunde ausleben, wenn die Dinge so interessant zwischen verschiedenen Zuständen schwanken! Die Schweden punkten hier mit unbedingter Dringlichkeit. Man muss hier einfach mittanzen! Man könnte leicht vergessen, dass dieser Track viel zu präzise auf den Punkt gebracht ist, um ein reines Zufallsprodukt zu sein! Diese Leichtigkeit braucht Disziplin. Und dann trotzdem so zu klingen, als hätte man diesen Track in einer kurzen Nacht eben mal aus dem Ärmel geschüttelt – Chapeau! Die Single »Young Days« wird Ende Februar veröffentlicht. A Projection kommen aus diesem Anlass drei Gigs in Deutschland. Es könnte sich lohnen, hinzugehen!

27.02.15 Oldenburg – umBAUbar
28.02.15 Hamburg – Hit The North @ Astra Stube
23.05.15 Berlin – Schokoladen

20. Dezember 2014

School ‘94: Der bessere Britpop kommt aus Göteborg

Den guten alten Zeiten muss man nicht notgedrungen nachweinen, aber die 90er Jahre waren ein sehr feines Jahrzehnt für den Britpop. Was Herr Morrissey heute so von sich gibt, das muss man nicht alles mögen. Aber man darf solchen nahezu vergessenen Heroen wie den Sundays und ihrem zeitlosen Album »READING, WRITING AND ARITHMETIC« nachtrauern. Und deren wunderbaren Sängerin Harriet Wheeler. Um so aufmerksamer stellen sich nun die Ohren beim Hören der jungen schwedischen Band School ´94 hoch. Beim Quartett aus Göteborg um Sängerin Alice Botéus stehen nervöse, hochpräzise und melodische Indie-Gitarren im Mittelpunkt. Die so klingen, als seien die Nachwuchskräfte Ender der 70er irgendwo bei Johnny Marr um die Ecke aufgewachsen. Und da ist natürlich die helle, empfindsame Stimme von Botéus, die nicht wenig an die von Wheeler erinnert. Die Schweden changieren auf ihrer ziemlichen Eindruck hinterlassenden Debüt-EP »LIKE YOU« gekonnt zwischen Gefühl und Härte. Zwischen Schnoddrigkeit und Verträumtheit. Zwischen Verspieltheit und Trotz. Und so fühlt sich Jungsein doch irgendwie an: Denn was School ´94 kaum kaschieren, ist ihre ungeheure Euphorie über das eigene Spiel. Alles ist möglich, man muss es nur ausprobieren. Und einfach loslegen!

In Tracks wie »Clouds Aside« strebt man nach dem ganz großen Gefühl, ohne dabei zu dick aufzutragen. Wagt sich an herrliche Harmoniegesängen und lässt die die Gitarren dazu lärmen. »Nothing ist safe«, singt Botéus hier, und bringt damit die Dinge auf den Punkt. Aber natürlich wollen wir auch tanzen, und das lassen uns die Schweden mit dem schwer wave-inspirierten »So Long« und einem Bass, der Bäume zerlegen könnte. Aber mit am besten gefallen tut hier der Track »Head Over Here«, das superlebendig, hoch animiert und irgendwie sehr glücklich daherkommt. Ach, diese schwerelosen Spannungsbögen soll den Vieren mal einer nachmachen! Der Debüt-EP (ist bei Cascine erschienen) kann man zur Gänze via Soundcloud lauschen. Kann schon sein, dass wir 2015 noch von School ´94 hören werden!

14. Dezember 2014

Willkommen zurück, Tiger Lou!

Willkommen zuhause, Tiger Lou! Lange genug hat es gedauert. Die letzten Lebenszeichen eines der prägendsten schwedischen Indiepop-Musikers der Nuller-Jahre stammen aus dem Jahr 2008, als das sperrige Album »A PARTIAL PRINT« erschien. Auf dem sich Rasmuss Kellerman dunklen und experimentelleren Tönen widmete, während das Publikum bei den Live-Auftritten unbedingt das melancholisch-leichtfüßige Sahnestückchen »Oh Horatio« hören wollte. Seitdem: Funkstille. Umso freudiger überrasch ist die Polarbloggerin jetzt, dass Tiger Lou endlich zurück ist. Einen ersten Vorgeschmack gibt es mit dem filgranen, grenzwerttraurigen und auf erwachsene Weise verträumten Track »Homecoming #2«. Unbedingt hören, dann weiß man erst, wie sehr man diesen Musiker in den vergangenen sechs Jahren vermisst hat! Ein Konzeptalbum ist in Arbeit, verrät er. Über das Thema des Nachhausekommens. Teils fiktional, teils hochpersönlich. Irgedwie glücklich und dann doch wieder traurig. Tiger Lou klingt nach all den Jahren sehr wie er selbst, und das ist eine gute Nachricht!

Im kommenden März gibt es erste Gigs in Hamburg, Leipzig und Berlin. Was hat Rasmus Kellerman in der Zwischenzeit erlebt? In einem Interview mit Nothing But And Passion gibt es eine ausführliche Antwort. Herr Kellerman verdient sein Brötchen mit einem Bürojob. Verschiedene musikalische Projekte haben sich zerschlagen. Er ist mittlerweile Vater von zwei Kindern. Aber beim improvisierten Zusammenspiel mit den ehemaligen Bandkollegen bei der Geburtstagsparty von Freunden vor eihem Jahr hat der Funke wieder gezündet. Und es hat sich alles richtig angefühlt. Sagt Rasmus Kellerman. Und nun wird es Zeit, wieder an das Vergangene anzuknüpfen. Mit leidenschaftlichen Songs voller sanfter Härte. Die vom Sehnen und vom Vielleicht-Irgendwo-Ankommen handeln. Große Freude!

23. November 2014

Schlimme Mode, müde Augen: Iceland Airwaves, der Sonntag

Nach vier Tagen intensiver Live-Musik auf dem Iceland Airwaves Festival von Mittags bis Spätnachts beginnen die Kräfte am Sonntag langsam zu schwinden. Aber diese Luxusprobleme werden am besten in der Jugendherberge KEX bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf Meer und Berge ignoriert. Und neben Meer- und Leutegucken bietet das nachmittägliche Musikprogramm hier in entspannter Atmosphäre noch so manche musikalische Entdeckung und modische Verwirrung. Dass die 80er Jahre in all ihrer Scheußlichkeit zurück sind, ist in der isländischen Hauptstadt in diesem Jahr schon mehrfach negativ aufgefallen. Aber dass nun eine der schlimmsten Verirrungen, nämlich diese Gaukler-Jogginghosen für Männer samt unsäglicher Muster wiederkommen müssen, war nun wirklich nicht nötig. Damals hatte jeder echte Müsli-Softi nichts Dringenderes zu tun, in diesen Hosen im Park herumzustehen und zu jonglieren! Um zu demonstrieren, was für ein befreiter Gaukler er doch ist! Der Sänger von Royals aus Reykjavík jedenfalls trägt dieses Ungetüm mit Stolz und fröhnt ansonsten einer überkandidelten und mächtig sahnelastigen Version des gemeinen Elektropop mit rumpelstilzhaften Untertönen. Das klingt so schlimm, dass es schon wieder gut ist. Nach dem Gig schlage ich dem Duo vor, es möge sich doch bitte für den Eurovisoion Song Contest 2015 als Vertreter Islands bewerben, was die beiden irgendwie lustig finden. Wir umarmen uns und scheiden als Freunde. Leider sind diese Schlunze so faul, dass sie bislang noch nicht mal Musik auf ihre Website hochgeladen haben. Vielleidht schaffen sie es ja is nächstes Jahr!

Kunterbuntes Kleidungswirrwarr zwischen Orient, Okzident und russischen Matrioschkas gibt es übrigens bei der schwedischen Elektronic-Dance-Jüngerin Zhala, die den eigenen Stil als Cosmic Pop beschreibt und damit nicht ganz falsch liegt. Man wird nur das Gefühl nicht los, das man hier eine Art musikalische Wahrsagerbude auf der Kirmes betreten hat, in der alles geheimnisvoll funkelt und glitzert. Was in diesem Dunkel Gold oder Talmi ist, lässt sich nicht so genau entscheiden. Aber die Schwedin schafft es, dass wir vor lauter Funkelflitter undWahrsagerinnen-Exotik irgendwann leicht glasige Augen bekommen wie Mogli bei der Begegnung mit der Schlange. Uff!

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14. September 2014

Flundra, oder: Das knuspelt und knirscht und kakaphoniert

Googelt man Flundra, dann landet man zunächst bei einem Abtropfgestell von Ikea. Ob dies nun Zufall oder sardonischer Scherz ist, wollen wir an dieser Stelle offen lassen. Denn mit schnöder Alltagstauglichkeit hat das so gar nichts zu tun, was die musikalischen Flundra im Sinn haben: Die Schweden wollen lieber verwirren und setzen auf sperrige, fast schon verstörende Töne. Das knuspelt und knirscht und kakaphoniert, wenn die beiden Bandmitglieder Mathias Nirstedt und David Danell zum Generalangriff gegen den Schönklang blasen. Unbequem ist das, was was das Duo und seine Freunde mit zwei Schlagzeugen, Bass, Synthie und einigen verirrten Gitarren hier in ihrem Hexenkessel brauen. Man muss sich auf eine Reise in durchaus verstörende, aber ungemein soghaft wirkenden Klangwelten einlassen.

Am besten ist es wohl, wenn man sich mit geschlossenen Augen in einen abgedunkelten Raum stellt und einfach rhythmisch zu zucken beginnt. Und sich diesen Merkwürdigkeiten hingibt, in denen Psychedlik, Geisterbahnsounds und anarchische Electronics plötzlich zu kuscheln beginnen. Sowieso ist die Lokomotive als musikalisches Leitmotiv massiv unterbewertet: Den mit Tracks wie »Lokomotiv (Om man känner sig lycklig)« begibt man sich auf interessante Nebengleise und findet sich überraschend in postgrungigen Kreisen wieder. Sicher ist hier gar nichts! Traditionalisten ist von Flundra wegen möglicher unerwünschter Nebenwirkungen wie ratloser Verwirrung unbedingt abzuraten. Wer seine Ohren aber auf Abenteuerfahrt schicken will, findet hier reichlich Herausforderung. Bislang haben Flundra eine EP mit dem schönen Titel »Lokomotive! Wenn Sie sich glücklich fühlen« vorgelegt. Dessen Cover ein Fisch ziert. Warum auch immer. Aber man muss ja nicht alles verstehen, sondern sich lieber ab und an vom rechten Wege abbringen lassen.

 
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