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Foto nordische Landschaft

14. Dezember 2014

Willkommen zurück, Tiger Lou!

Willkommen zuhause, Tiger Lou! Lange genug hat es gedauert. Die letzten Lebenszeichen eines der prägendsten schwedischen Indiepop-Musikers der Nuller-Jahre stammen aus dem Jahr 2008, als das sperrige Album »A PARTIAL PRINT« erschien. Auf dem sich Rasmuss Kellerman dunklen und experimentelleren Tönen widmete, während das Publikum bei den Live-Auftritten unbedingt das melancholisch-leichtfüßige Sahnestückchen »Oh Horatio« hören wollte. Seitdem: Funkstille. Umso freudiger überrasch ist die Polarbloggerin jetzt, dass Tiger Lou endlich zurück ist. Einen ersten Vorgeschmack gibt es mit dem filgranen, grenzwerttraurigen und auf erwachsene Weise verträumten Track »Homecoming #2«. Unbedingt hören, dann weiß man erst, wie sehr man diesen Musiker in den vergangenen sechs Jahren vermisst hat! Ein Konzeptalbum ist in Arbeit, verrät er. Über das Thema des Nachhausekommens. Teils fiktional, teils hochpersönlich. Irgedwie glücklich und dann doch wieder traurig. Tiger Lou klingt nach all den Jahren sehr wie er selbst, und das ist eine gute Nachricht!

Im kommenden März gibt es erste Gigs in Hamburg, Leipzig und Berlin. Was hat Rasmus Kellerman in der Zwischenzeit erlebt? In einem Interview mit Nothing But And Passion gibt es eine ausführliche Antwort. Herr Kellerman verdient sein Brötchen mit einem Bürojob. Verschiedene musikalische Projekte haben sich zerschlagen. Er ist mittlerweile Vater von zwei Kindern. Aber beim improvisierten Zusammenspiel mit den ehemaligen Bandkollegen bei der Geburtstagsparty von Freunden vor eihem Jahr hat der Funke wieder gezündet. Und es hat sich alles richtig angefühlt. Sagt Rasmus Kellerman. Und nun wird es Zeit, wieder an das Vergangene anzuknüpfen. Mit leidenschaftlichen Songs voller sanfter Härte. Die vom Sehnen und vom Vielleicht-Irgendwo-Ankommen handeln. Große Freude!

23. November 2014

Schlimme Mode, müde Augen: Iceland Airwaves, der Sonntag

Nach vier Tagen intensiver Live-Musik auf dem Iceland Airwaves Festival von Mittags bis Spätnachts beginnen die Kräfte am Sonntag langsam zu schwinden. Aber diese Luxusprobleme werden am besten in der Jugendherberge KEX bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf Meer und Berge ignoriert. Und neben Meer- und Leutegucken bietet das nachmittägliche Musikprogramm hier in entspannter Atmosphäre noch so manche musikalische Entdeckung und modische Verwirrung. Dass die 80er Jahre in all ihrer Scheußlichkeit zurück sind, ist in der isländischen Hauptstadt in diesem Jahr schon mehrfach negativ aufgefallen. Aber dass nun eine der schlimmsten Verirrungen, nämlich diese Gaukler-Jogginghosen für Männer samt unsäglicher Muster wiederkommen müssen, war nun wirklich nicht nötig. Damals hatte jeder echte Müsli-Softi nichts Dringenderes zu tun, in diesen Hosen im Park herumzustehen und zu jonglieren! Um zu demonstrieren, was für ein befreiter Gaukler er doch ist! Der Sänger von Royals aus Reykjavík jedenfalls trägt dieses Ungetüm mit Stolz und fröhnt ansonsten einer überkandidelten und mächtig sahnelastigen Version des gemeinen Elektropop mit rumpelstilzhaften Untertönen. Das klingt so schlimm, dass es schon wieder gut ist. Nach dem Gig schlage ich dem Duo vor, es möge sich doch bitte für den Eurovisoion Song Contest 2015 als Vertreter Islands bewerben, was die beiden irgendwie lustig finden. Wir umarmen uns und scheiden als Freunde. Leider sind diese Schlunze so faul, dass sie bislang noch nicht mal Musik auf ihre Website hochgeladen haben. Vielleidht schaffen sie es ja is nächstes Jahr!

Kunterbuntes Kleidungswirrwarr zwischen Orient, Okzident und russischen Matrioschkas gibt es übrigens bei der schwedischen Elektronic-Dance-Jüngerin Zhala, die den eigenen Stil als Cosmic Pop beschreibt und damit nicht ganz falsch liegt. Man wird nur das Gefühl nicht los, das man hier eine Art musikalische Wahrsagerbude auf der Kirmes betreten hat, in der alles geheimnisvoll funkelt und glitzert. Was in diesem Dunkel Gold oder Talmi ist, lässt sich nicht so genau entscheiden. Aber die Schwedin schafft es, dass wir vor lauter Funkelflitter undWahrsagerinnen-Exotik irgendwann leicht glasige Augen bekommen wie Mogli bei der Begegnung mit der Schlange. Uff!

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14. September 2014

Flundra, oder: Das knuspelt und knirscht und kakaphoniert

Googelt man Flundra, dann landet man zunächst bei einem Abtropfgestell von Ikea. Ob dies nun Zufall oder sardonischer Scherz ist, wollen wir an dieser Stelle offen lassen. Denn mit schnöder Alltagstauglichkeit hat das so gar nichts zu tun, was die musikalischen Flundra im Sinn haben: Die Schweden wollen lieber verwirren und setzen auf sperrige, fast schon verstörende Töne. Das knuspelt und knirscht und kakaphoniert, wenn die beiden Bandmitglieder Mathias Nirstedt und David Danell zum Generalangriff gegen den Schönklang blasen. Unbequem ist das, was was das Duo und seine Freunde mit zwei Schlagzeugen, Bass, Synthie und einigen verirrten Gitarren hier in ihrem Hexenkessel brauen. Man muss sich auf eine Reise in durchaus verstörende, aber ungemein soghaft wirkenden Klangwelten einlassen.

Am besten ist es wohl, wenn man sich mit geschlossenen Augen in einen abgedunkelten Raum stellt und einfach rhythmisch zu zucken beginnt. Und sich diesen Merkwürdigkeiten hingibt, in denen Psychedlik, Geisterbahnsounds und anarchische Electronics plötzlich zu kuscheln beginnen. Sowieso ist die Lokomotive als musikalisches Leitmotiv massiv unterbewertet: Den mit Tracks wie »Lokomotiv (Om man känner sig lycklig)« begibt man sich auf interessante Nebengleise und findet sich überraschend in postgrungigen Kreisen wieder. Sicher ist hier gar nichts! Traditionalisten ist von Flundra wegen möglicher unerwünschter Nebenwirkungen wie ratloser Verwirrung unbedingt abzuraten. Wer seine Ohren aber auf Abenteuerfahrt schicken will, findet hier reichlich Herausforderung. Bislang haben Flundra eine EP mit dem schönen Titel »Lokomotive! Wenn Sie sich glücklich fühlen« vorgelegt. Dessen Cover ein Fisch ziert. Warum auch immer. Aber man muss ja nicht alles verstehen, sondern sich lieber ab und an vom rechten Wege abbringen lassen.

06. September 2014

Summer Breeze – Samstag: Sonnenstundenrekord

Du lieber Metaller, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Lieder, spiel ich vor Dir,
Manch Bierblumen gibt es an dem Stand,
Meine Mutter näht Dir ein schwarzes Gewand.

Der letzte Tag beginnt: kalt, windig, und Regen. Wer hätte auch anderes erwartet? Doch welch Ironie, passend zu Kampfar herrscht strahlender Sonnenschein. Auf dem Summer Breeze kommen mir die Norweger ziemlich langsam vor, im Gegensatz zum Party.San, wo ich sie eine Woche zuvor erleben durfte. Der Show schadet das jedoch nicht.

Weiter geht’s mit Thyrfing aus Schweden auf der Main-Stage. Stark geschminkte Männer spielen vor viel Publikum scheinbar immer denselben Song. Das aber immer noch bei Sonnenschein.

Man könnte meinen es regnet mal wieder, da das Zelt vor der T-Stage wahnsinnig voll ist. Aber weit gefehlt:
Die Schwarzwälder  Kombo Imperium Dekadenz gibt ihren coolen, lässig groovenden Black Metal zum Besten. Die Beleuchtung der Bühne passt sagenhaft gut zur Musik und das Publikum würdigt die starke Leistung der Band. Eindeutig eine Aha-Band des Festivals.

Imperium Dekadenz (D)

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28. August 2014

Summer Breeze – Freitag: (Kurzzeitig) lichter Himmel und düstere Musik

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du Machine Head nicht!
Robert Flynn mit Hörnern und Schweif?
Mein Sohn, er ist nur überreif.

Freitag, Tag II. Nach dem Aufstehen erst mal der Griff zu Kaffee und Bier. Immerhin kann unser Gerstensaft  bei diesen Temperaturen nicht warm werden. Der Regen scheint auch kein Ende nehmen zu wollen, und so verpassen wir grandios die erste skandinavische Band des Tages, Crucified Barbara aus Schweden.

Schließlich schaffen wir es zur T-Stage, wo wir auf Omnium Gatherum aus Finnland warten. Die Melodic Death-Metaller entpuppen sich als echte Stimmungsaufheller des frühen Freitagnachmittags . Ein Genuss sie zu hören. Leider ist das Zelt nur durch den einsetzenden Starkregen so gut gefüllt. Viele scheinen gar nicht auf die coole Musik der Finnen zu hören. Apropos Regen: Selbst im Zelt wird der Bodenbelag immer mehr zur Zumutung. Draußen wie drinnen ist alles matschig, eklig und stinkt. Dieses Jahr wurde der Zeltboden – warum auch immer – nicht mehr mit Paletten ausgelegt. Zumindest versuchen die Veranstalter durch den Einsatz von Rindenmulch der fortschreitenden Vermatschung des Bodens Herr zu werden.

Omnium Gaterum (FIN)
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