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Foto nordische Landschaft

15. Juli 2017

Hier stiebt der Sternenstaub: Since November

Ob es Liebe auf dem Mars gibt? Das ist eine der Fragen, die Tomi Mäkilä umtreiben. Und zwar schon lange. Der Musiker aus Helsinki, Herz und Hirn von Since November, hat sich mit der ersten Single »Star System« reichlich Zeit gelassen. Denn am Himmel sollen doch bitte die Sternschnuppen blitzen, wenn seine Songs spielen! Und das tun auch, wenn dieses schüchterne Piano mit einen unwiderstehlichen Motiv einsetzt, das perfekt die Balance zwischen kleinem Überschwang und leiser Melancholie hält. Wie schön, dass sich die Dinge noch steigern können, wenn dann die Streicher dazukommen und die Gefühle ins Himmelhohe wachsen. Ganz klar, hier stiebt der Sternenstaub! Das Weltall-Thema durch Vocoder-Einsatz fortzuspinnen: Schöne Idee! Hier kann man fein ins Schmachten kommen, aber auf die distinguierte Art. Über den Pianosounds liegt die verträumte Stimme Mäkiläs. Der versonnen aus dem Fenster seines kleinen Space Shuttles schaut und sich kluge Gedanken über die Wahlverwandtschaften zwischen dem Weltall und der Einsamkeit macht. Das geschmackvolle Video zum Song bietet gratis einen Ausflug zu den schönsten modernistischen Bauten Helsinkis. Unterstützt wird Tomi Mäkilä an Drums und bei der elektronischen Rythmus-Sektion von Jukka-Pekka Flander. Ein neues Video ist bereits in Arbeit.

In einer weit entfernten Galaxie fern unserer Zeit war Tomi Mäkila einmal der Keyboarder der finnischen Kitschpopster The Crash und der Melodrama-Indierocksters Magenta Skycode, in deren wunderbare Alben man immer wieder hereinhören kann.

26. Juni 2017

Wir nehmen das Schlauchboot mit den Pole Siblings

Wir nehmen das Schlauchboot und lassen uns gemächlich den Fluss heruntertreiben. Mit den Pole Siblings geht das ganz entspannt! Das Geschwister-Duo aus Finnland mit derzeitigem Wohnsitz in Schweden hat in diesen Tagen seine Debüt-EP »IT MIGHT GROW« vorgelegt und liefert damit den perfekten Soundtrack für schwerelose Ferienwochen. Das ist Pastellpop mit folkigen Untertönen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt. Sofia & Johan Stolpe schwelgen in sanften Harmoniegesängen. Durchaus möglich, dass man die Stimmen der beiden kaum auseinanderhalten kann! Ums Träumen geht es hier. Und um kleine und große Sehnsüchte. Eine leise Melancholie flirrt durch diese vier angenehm zurückhaltendem Songs. Der schönste Track ist vielleicht das verspielte »Nog Va He Bra«, das mit einer Besonderheit aufwartet: Die Geschwister Stolpe singen hier in einem finnisch-schwedischen Dialekt, der zart exotisch klingt. Darauf hat die Welt gewartet! Wer nach Referenzbands sucht, wird bei Vasas Flora Och Fauna fündig. Via Bandcamp kann ausführlich in die Debüt-EP hereinhören!

Foto: Fredrik Diffner

21. Mai 2017

Wir stoßen in die Marktlücke: Remington Super 60

Von der Popmusik kann man heutzutage kaum mehr leben. Oder doch? Vielleicht braucht es einfach kreative Ideen und die Offenheit, Marktlücken zu suchen und zu finden. Und darüber nachsinnen, wofür die Menschen heute noch Geld ausgeben. Denken wir doch mal an die heutigen Helikopter-Eltern: Die öffenen Herzen und Börsen doch gerne, wenn der Nachwuchs gefördert wird! Und die musikalische Früherziehung ist doch ein unbedingt pädagogisch wertvolles Unterfangen! Schönen Indiepop für Kinder und andere Menschen spielen: Das machen Remington Super 60 aus dem norwegischen Fredrikstad! Sie haben jetzt die EP »INDIEPOP FOR KIDS VOL. 1« vorgelegt, deren elektronischen Bliepereien so sympathisch, verschwurbelt und eigenwillig daherkommen, dass auch Erwachsene ihre Freude daran haben. Zugegeben: Das ist Blümchenpop! Der aber mit naiver Großäugigkeit und ungebremstem Spieltrieb überzeugt. Die Band um Mastermind Christoffer Schou existiert seit fast 20 Jahren, hat zahlreiche Besetzungswechsel hinter sich, aber macht unverdrossen weiter Musik. Auf ihrem Kinderalbum geht es zwar vordergründig um all die Dinge, die kleinen Menschen gefallen: Pfeifende Roboter, allerliebste Plastikentchen, glänzende neue Fahrräder, den schönsten Geburtstag aller Zeiten und träumende Androiden (ist ja nie zu früh, den Nachwuchs in kleinen Schritten auf Blade Runner vorzubereiten!) Aber klammheimlich schmuggeln die Norweger hier eine feine 60ies-Ästhetik ein, die mit einer Mini-Prise Melancholie einhergeht. Kann man nie zu früh lernen, dass die schönste Freude die mit dem winzigsten Trauerflor am Ärmel ist! Stillvergnügt ist diese EP, wie fein! Reinhören macht Spaß! Bliep Bliep!

30. April 2017

Schwer verliebt mit 16: The Ludvig

In den knapp 14 Tagen vor dem Eurovision Song Contest muss auf dem Polarblog natürlich Musik mit viel Gefühl her! Und um Liebe muss es gehen, was wäre sonst der Sinn und Zweck eines Sangeswettstreits? Das war ja schon beim Sängerkrieg der Heidehasen so! Ich schummele jetzt geographisch ein ganz klein bisschen und bin auf der Suche nach einem eurovisionsaffinen skandinavischen Song auf der baltischen Seite der Ostsee fündig geworden, nämlich in Lettland. In Riga hat sich der gerade mal 16jährige Jekabs Ludvigs Kalmanis alias The Ludvig aufgemacht, um mit souliger Stimme und viel Herzschmerz um seine Angebete zu werben. Und da wir das Jahr 2017 schreiben und nicht jeder Musiker als stilechter Crooner mit Anzug und Krawattennadel herumlaufen will wie der Schwede AstroMike Gordon letzte Woche beim sehr gelungenen Konzert im Darmstädter HoffART Theater, genau deshalb spielt The Ludvig hier mit gefühligen Elektronica und himmelhohen Synthies. Der junge Man mit der Harry-Potter-Nickelbrille hat keine Scheu davor, dick aufzutragen. Aber er tut es mit Stil! Bislang hat der Rigaer Musikstudent nur das sehr feine Liebeslied »I´m In Love With You« vorgelegt. Dazu kann man wunderbar schmachten und sich gehaltvoll auf das Spektakel in Kiew einstimmen. The Ludvig wird Lettland übrigens nicht vertreten, sondern die stylishen Disco-Popster Triana Park.. Aber sehr gut möglich, dass wir von The Ludvig mit oder ohne Song Contest noch hören werden!

03. April 2017

Die Gewinnerin trägt Zahnspange: Between Mountains

Die Gewinnerin trägt Zahnspange: Beim jährlichen isländischen Nachwuchswettbewerb Músíktilraunir haben unerwartet die beiden Mädels von Between Mountains gewonnnen. 14 und 16 Jahre sind die Nachwuchskräfte alt. Gemeinsam mit anderen aufstrebenden jungen Bands durften die Grazien im Konzerthaus Harpa in Reykjavík auftreten, das muss aufregend gewesen sein! Der Músíktilraunir wäre nur ein weiterer Nachwuchswettbewerb unter vielen, aber in den vergangenen Jahren haben einige der Gewinner auch international für Furore gesorgt: 2010 waren es Of Monsters And Men, 2011 hatten Samaris die Nase vorne und im Jahr 2013 schafften es Vök aufs oberste Treppchen. Nicht schlecht, liebe Juroren!

In Between Mountains überzeugen mit einem federleichten, leicht melancholischen, pianoumflorten Indiepop, der nicht dick auftragen muss und durch mädchenhaften Charme überzeugt. Und den allerliebst eben nicht perfekten Harmoniegesang, in dem aber mehr Herzblut steckt als in vielen professionellen Liebesleid-Hits. »Into The Dark« ist bei aller angedeuteten Düsternis aber durchaus tanzbar. Und der Refrain bleibt hängen! Das altmodische Wörtchen »anmutig« kommt hier durchaus in den Sinn. Diese jungen Musikerinnen wissen in jungen Jahren bereits, was sie wollen! Als Gewinnerinnen dürfen sie in diesem Jahr nicht nur im Sommer auf einem europäischen Nachwuchsfestival auftreten, sondern sich im November auf dem Iceland Airwaves Festival einer internationalen Öffentlichkeit präsentieren. Und wer dort ziemlich weit vorne stehen dürfte, ist jetzt schon klar: Hrafnkell und Valgeir, die beiden großen Brüder von Keyboarderin Katla, die den Wettbwewerb vor zwei Jahren mit ihrer Band Rythmatik gewonnen haben. Talentierte Familie, das!

 
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