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Foto nordische Landschaft

16. August 2016

Lasst uns mehr Kuchen essen: Rooxx

Es gibt Zeiten für Knäckebrot mit Essigurke und es gibt Zeiten für Schwarzwälder Kirschtorte mit extra Sahne. Jori Sjöroos alias Rooxx gehört unbedingt zur Tortenfraktion. Bei seinem Drang zum opulenten Drama, in dem die Emotionen zu majestätischem Synthies in Richtung Horizont und weiter aufbrechen, kann das nicht weiter verwundern! Auf dem Flow-Festival, das am vergangenen Wochenende in Helsinki stattfand, gehörte Rooxx glaubhaften Berichten zufolge zu den finnischen Bands, die mit den bleibendsten Eindruck hinterließen. Hinter Rooxx verbirgt sich allerdings kein unbekannter Newcomer, denn Jori Sjöroos ist ein Szeneveteran und hat mit seiner ehemaligen Band Magenta Skycode bereits vor Jahren bleibenden Eindruck hinterlassen. Wer wissen will, wovon ich rede, sollte sich die Zeit nehmen und in den Herzschmerz-Klassiker »Go Outside Again« anhören und ins Schwelgen geraten. »Ja, das ist Emotions-Overkill! Und nein, das ist nicht banal! Es ist im besten Sinne romantisch und geht mitten ins Herz«, schrieb ich schon damals. Beim neuen Projekt Rooxx dreht Sjöroos die Synthies so weit auf, dass Vangelis glatt neidisch werden könnte. Den Hang zum Cinemascope-Pop hat sich der Mann erhalten, erfreulicherweise. Rooxx werkelt beim bandeigenen Turkuer Label Solina Records an seinem Debütalbum, das Ende des Jahres erscheinen soll. Der melodramatische Track »Breathe In« ist ein vielversprechender Vorbote. Angst vor zu viel Gefühl hat dieser Finne bestimmt nicht! Und eins ist klar: Lasst uns mehr Kuchen essen!

06. August 2016

Die Schönheit organischer Suppe: Hanna von Bergen

Wer einen eigenwilligen und leise ironischen Song über die Vorteile organischer Suppe für Gemüt und Geldbeutel schreibt, hat meine volle Aufmerksamkeit. Denn darauf muss man erstmal kommen! Und wer dann noch die simbabwische Mbira wählt, um seine leisen kleinen Songs zu instrumentieren, erhält sowieso Pluspunkte. Also einen kleinen Tusch für Hanna von Bergen! Die Musikerin aus Oslo hat bislang nur wenige Songs vorzuweisen, zeigt sich aber bereits als gereifte Arrangeurin der eigenen Töne. Probiert behutsam Dinge aus. Changiert souverän zwischen großäugiger Naivität und leiser Melancholie. Schwelgt in zärtlichen Alltagsbeobachtungen. Und nimmt sich erfreulicherweise selbst bloß nicht zu ernst. Nichts da berufsbedröppelte Singer-Songwriterin, die von den wilden Winden des Schicksals durchgerüttelt wird! Lieber macht sie sich darüber lustig, dass man sie mit Lilly Allen verwechselt! Hanna von Bergen steht dazu viel zu sehr mit beiden Beinen im Alltag! Die schrullige Liebeserklärung »Spraypainted Love« mit ihren überraschenden Tempowechseln ist alles andere als Kleinkunst! Und allein, wie sie bei Auftritten auf dem Boden sitzt und ihre Mbira spielt, das ist ein Genuss. Da wollen wir ihr gnädig verzeihen, dass sie letztens ihr Glück bei »The Voice Of Norway« versucht hat und dabei die Jury im Sturm eroberte! Leider gibt ihre Homepage keinerlei Auskunft darüber, wie sie zur Mbira gekommen ist. Diese Geschichte hätte ich gerne gehört! Wer Seele und Herz erfreuen will, jetzt, wo die Tage bereits wieder kürzer werden, dem seien die Soundcloud-Songs der Chanteuse entschieden ans Herz gelegt. Und ich poste hier jetzt den Song über die organische Suppe, weil er der erste ist, der mir jemals zu diesem Sujet untergekommen ist!

29. Juli 2016

Sløtface schnüren die Tanzstiefelchen

Es ist Freitagabend, also höchste Zeit, die Tanzstiefelchen zu schnüren! Endlich wieder Drama und emotionale Wallungen! Und dieses Gefühl des absoluten Lebendigseins! Das sind die funkenlnden Fixsterne jeder ordentlichen Teenagerzeit. Ein bisschen unbekümmert sein, ein bisschen überschwänglich sein und überkandidelt sowieso: Willkommen in der Welt der norwegischen Powerpopsters Sløtface, die mit »Take Me Dancing« den Soundtrack für das leicht angetrashte Wochenendvergnügen schreiben. Sängerin Haley Shea will unbedingt ausgehen und angenehm angetütert durch die zwei freien Tage hüpfen. Die Gitarren stechen dazu wie angepunkte Wespen und die Stimmung erinnert irgendwie an die 70er, als Bands wie Clout zu Hochform aufliefen. Nur dass diese jungen Norweger aus der Erdöl-Stadt Stavanger sehr viel weniger brav sind! Den bisherigen Bandnamen Slutface mussten sie ändern, wegen »Social Media Censorship«, wie es ominös heißt. Hat sich Herr Zuckerberg etwa wieder als Moralwächter aufgespielt? Die Youngsters haben kürzlich ihre erste EP »SPONGE STATE« vorgelegt, die dahergaloppiert kommt wie eine durchgebrannte Schafherde. Bei aller Dynamik liefern die Vier aber superpräzise Töne ab. Sløtface sind ein wenig kratzbürstig, ziemlich leidenschaftlich und ungeheuer lebendig! Wer wollte sich ihnen in den Weg stellen?

24. Juli 2016

Hoch lebe die Euphorie! Ludvig Moon

Ein lebenspraktischer Rat zu Beginn: Nicht bei aufziehendem Gewitter mit voller Einkaufstasche am Fahrradlenker versuchen, im Turbotempo noch nach Hause zu kommen: Dann passiert es nämlich, dass man über eine Kante holpert, die Balance verliert, mit dem Kopf voraus über den Lenker fliegt und sich die Schulter bricht. Aus diesem Grund herrschte die vergangenen Tage Schweigen im Polarblog und wird dieser Post wohl nicht episch. Wenn die nette Physiotherapeutin mitkriegt, dass ich schon wieder am Computer sitze, dann schimpft sie bestimmt mit mir! :)

Aufmuntern kann man sich mit den hoch euphorisierenden Klängen der norwegischen Band Ludvig Moon. Die Sechs um Sänger Anders Magnor Killerud lassen mit ihrem hymnischen (böse Zungen würden sagen: Grey´s-Anatomy-affinen) Indiepop aufhorchen. Die Musiker aus Oslo sind beim Trondheimer Qualitätslabel Riot Factory unter Vertrag, haben bislang eine selbst betitelte EP vorgelegt (reinhören lohnt!) und bringen demnächst ihr Debütalbum heraus. Dass die EP in ihren besten Passagen an die grandiosen Anathallo erinnern, kann nur als Empfehlung dienen! Inspirieren lässt sich das Sextett im Übrigen von so unterschiedlichen Bands wie den Smashing Pumpkins, den Landleuten von Motorpsycho und den Flaming Lips. Hochrangige Vorbilder, das! Klein-Klein ist jedenfalls nichts für die Norweger, wenn sie das Träumen und die großen Gefühle hochhalten und sich an der epischen, aber dennoch leichten Geste üben! Das ist Gefühlswirrwar im besten Sinne, wenn Ludvig Moon auf gefühlige Indie-Gitarren und glitzernde Synthies setzen und dennoch poppig verspielt klingen! Als erster Vorgeschmack liegt die Single »Cult Baby« vor, wo im dazugehörigen Video mächtig geknutscht werden darf. Zu dick aufgetragen? Von wegen, wenn die Emotionen im besten Sinne ims Schwimmen geraten und man prompt nur noch die Sterne am Himmel zählen will!

28. Mai 2016

Wo die Lichter schwach flackern: Kelvin

Hoffnunglosigkeit, Aufbäumen und Weglaufen. Mit ungewissem Ausgang. Die Schönheit der Flucht feiern: Ganz schön schwere Kost, die uns Kelvin aus Kristiansand mit ihrem neuen Video für »Give It All« auftischen. Häusliche Gewalt ist nicht unbedingt das Thema der Wahl, wenn es um die Visualisierung musikalischer Inhalte geht. Dennoch wirkt es stimmig: Denn Kelvin kommen feinnervig und intensiv zugleich daher und machen deutlich, dass es bei diesem schwierigen Sujet immer zwei beschädigte Seelen gibt. Das Quintett um Sängerin Oda Ulvøy bewegt sich geschmeidig zwischen kühlen Electronica und warmen Gitarrensounds. Und darüber liegt diese helle, verletzliche und wandlungsfähige Stimme. Oha! Kelvin haben sich an der Universität in Kristiansand kennengelernt, wo die Fünf Musik studierten und nicht unbedingt zu den Überfliegern gehörten. (Ein schönes kleines Interview am Rande des Spot-Festivals gibt mehr Auskunft!). Das Außenseitertum ist ein Sujet, das Kelvin unbedingt umtreibt. Der Druck unter Teenies, bloß von der Gruppe akzeptiert zu werden: Den haben sie bereits im Video zu »Lights Are Low« verarbeitet. Das klingt melodramatisch, aber Kelvin tragen nie zu dick auf. Und trotz der schwerblütigen Themen sind diese Klänge durchaus eingängig, ohne sich irgendwo anzubiedern. Die Norweger werkeln gerade an ihrem Debütalbum, das wohl Anfang des kommenden Jahres herauskommen soll.

 
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