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Foto nordische Landschaft

31. August 2016

Eine kleine Melancholie mit Guns

Gunhild Jarwson Tekle alias Guns ist ein Fan der legendären französischen Chanteuse France Gall, die als Stilvorbild der 60er Jahre gilt. Von France Gall ist es nicht weit zu neuzeitlichen Ikonen wie Lana Del Rey. Einen unterkühlt lasziven Lolita-Charme pflegt die Musikerin aus Trondheim mit derzeitigem Wohsitz in Kopenhagen ebenfalls. Aber sie fügt mit sensibler Hand eine Prise Dreampop bei und lässt die Synthies auf hohem Niveau schmachten. Oh lala, Mademoiselle! Im vergangenen Jahr hat Guns bereits mit der sehr feinen Track »Ricochet« Pluspunkte gesammelt. (Reinhören, da hier eine kleine Melancholie durch feinste Ritzen in dem Song kriecht). Seitdem hat sich die Sängerin rar gemacht. Fein, dass sie sich jetzt mit dem irgendwie nachtblauen Song »I Know Exactly How It Feels« scheinbar schwerelos zwischen kleiner Traurigkeit und verhaltener Euphorie bewegt. Sich zu edlen Synthies ein kleines Geheimnis bewahrt. Dabei sehr künstlich und trotzdem zugänglich klingt. Ein schöner Refrain mit hohem Wiedererkennungswert hat in einer Welt belangloser Dutzendware durchaus etwas für sich. Zart, kühl und selbstbewusst: Das könnte etwas werden, Miss Guns.

24. August 2016

Ein blauer Fleck im Auge des Sturms: Kuningas Yrjö

Ob man mit dem Bandnamen Kuningas Yrjö eine Weltkarriere startet, das scheint zweifelhaft. Übersetzt aus dem Finnischen bedeutet das übrigens König Georg. Hinter den Ein-Mann-Projekt aus der Hafenstadt Turku verbirgt sich der Musiker Yrjö Saarinen, der bislang vor allem als Sänger der eigenwilligen Kinder-Melodika-Popster TV- Resistori aufgefallen ist. Wer schräge Lo-fi-Töne in der Tradition der unvergessenen Young Marble Giants mag, der sollte in das Werk der Resistoren unbedingt mal hereinhören. Aber zurück zu König Georg aus Turku! Der Mann hat kürzlich sein Debütalbum mit dem schönen Titel »MUSTELMA MYRSKYN SILMÄSSA« (Ein blauer Fleck im Auge des Sturms!) vorgelegt. Auch ohne Kenntnisse der Landessprache erschließt sich, dass diesr Herr schrullige kleine Alltagsbeobachtungen erzählt und die schlunzige, allerliebst unbeholfene Form des Charmes zelebriert. Kuningas Yrjö, dieser moderne Wiedergänger eines Waldschrats, malt die Welt erwartungsgemäß in himmelblau, sondern pflegt einen augenzwinkernden schwarzen Humor. Da gibt es Tracks namens »Portrait eines Unfalls« und andere Merkwürdigkeiten. Der schräge Do-It-Yourself, Lo-Fi-Pop ist so ganz die Domäne des Mannes aus Turku. Bewusst naiv, aber gar nicht harmlos kommen diese Töne daher. Die auf eine beunruhigende Art tiefenentspannt sind. König Georg ist mit sich im Reinen und jubelt uns in diesen kleinen Songs noch ganz unversehens Elemente des finnischen Schlagers unter. Via Soundcloud kann man ausführlich in das Werk dieses Schelms hereinhören. Besonders gefallen tut das beschwingte »Syntynyt Juokseen« mit seinen quietschlebendigen 60ies-Anleihen!

16. August 2016

Lasst uns mehr Kuchen essen: Rooxx

Es gibt Zeiten für Knäckebrot mit Essigurke und es gibt Zeiten für Schwarzwälder Kirschtorte mit extra Sahne. Jori Sjöroos alias Rooxx gehört unbedingt zur Tortenfraktion. Bei seinem Drang zum opulenten Drama, in dem die Emotionen zu majestätischem Synthies in Richtung Horizont und weiter aufbrechen, kann das nicht weiter verwundern! Auf dem Flow-Festival, das am vergangenen Wochenende in Helsinki stattfand, gehörte Rooxx glaubhaften Berichten zufolge zu den finnischen Bands, die mit den bleibendsten Eindruck hinterließen. Hinter Rooxx verbirgt sich allerdings kein unbekannter Newcomer, denn Jori Sjöroos ist ein Szeneveteran und hat mit seiner ehemaligen Band Magenta Skycode bereits vor Jahren bleibenden Eindruck hinterlassen. Wer wissen will, wovon ich rede, sollte sich die Zeit nehmen und in den Herzschmerz-Klassiker »Go Outside Again« anhören und ins Schwelgen geraten. »Ja, das ist Emotions-Overkill! Und nein, das ist nicht banal! Es ist im besten Sinne romantisch und geht mitten ins Herz«, schrieb ich schon damals. Beim neuen Projekt Rooxx dreht Sjöroos die Synthies so weit auf, dass Vangelis glatt neidisch werden könnte. Den Hang zum Cinemascope-Pop hat sich der Mann erhalten, erfreulicherweise. Rooxx werkelt beim bandeigenen Turkuer Label Solina Records an seinem Debütalbum, das Ende des Jahres erscheinen soll. Der melodramatische Track »Breathe In« ist ein vielversprechender Vorbote. Angst vor zu viel Gefühl hat dieser Finne bestimmt nicht! Und eins ist klar: Lasst uns mehr Kuchen essen!

06. August 2016

Die Schönheit organischer Suppe: Hanna von Bergen

Wer einen eigenwilligen und leise ironischen Song über die Vorteile organischer Suppe für Gemüt und Geldbeutel schreibt, hat meine volle Aufmerksamkeit. Denn darauf muss man erstmal kommen! Und wer dann noch die simbabwische Mbira wählt, um seine leisen kleinen Songs zu instrumentieren, erhält sowieso Pluspunkte. Also einen kleinen Tusch für Hanna von Bergen! Die Musikerin aus Oslo hat bislang nur wenige Songs vorzuweisen, zeigt sich aber bereits als gereifte Arrangeurin der eigenen Töne. Probiert behutsam Dinge aus. Changiert souverän zwischen großäugiger Naivität und leiser Melancholie. Schwelgt in zärtlichen Alltagsbeobachtungen. Und nimmt sich erfreulicherweise selbst bloß nicht zu ernst. Nichts da berufsbedröppelte Singer-Songwriterin, die von den wilden Winden des Schicksals durchgerüttelt wird! Lieber macht sie sich darüber lustig, dass man sie mit Lilly Allen verwechselt! Hanna von Bergen steht dazu viel zu sehr mit beiden Beinen im Alltag! Die schrullige Liebeserklärung »Spraypainted Love« mit ihren überraschenden Tempowechseln ist alles andere als Kleinkunst! Und allein, wie sie bei Auftritten auf dem Boden sitzt und ihre Mbira spielt, das ist ein Genuss. Da wollen wir ihr gnädig verzeihen, dass sie letztens ihr Glück bei »The Voice Of Norway« versucht hat und dabei die Jury im Sturm eroberte! Leider gibt ihre Homepage keinerlei Auskunft darüber, wie sie zur Mbira gekommen ist. Diese Geschichte hätte ich gerne gehört! Wer Seele und Herz erfreuen will, jetzt, wo die Tage bereits wieder kürzer werden, dem seien die Soundcloud-Songs der Chanteuse entschieden ans Herz gelegt. Und ich poste hier jetzt den Song über die organische Suppe, weil er der erste ist, der mir jemals zu diesem Sujet untergekommen ist!

29. Juli 2016

Sløtface schnüren die Tanzstiefelchen

Es ist Freitagabend, also höchste Zeit, die Tanzstiefelchen zu schnüren! Endlich wieder Drama und emotionale Wallungen! Und dieses Gefühl des absoluten Lebendigseins! Das sind die funkenlnden Fixsterne jeder ordentlichen Teenagerzeit. Ein bisschen unbekümmert sein, ein bisschen überschwänglich sein und überkandidelt sowieso: Willkommen in der Welt der norwegischen Powerpopsters Sløtface, die mit »Take Me Dancing« den Soundtrack für das leicht angetrashte Wochenendvergnügen schreiben. Sängerin Haley Shea will unbedingt ausgehen und angenehm angetütert durch die zwei freien Tage hüpfen. Die Gitarren stechen dazu wie angepunkte Wespen und die Stimmung erinnert irgendwie an die 70er, als Bands wie Clout zu Hochform aufliefen. Nur dass diese jungen Norweger aus der Erdöl-Stadt Stavanger sehr viel weniger brav sind! Den bisherigen Bandnamen Slutface mussten sie ändern, wegen »Social Media Censorship«, wie es ominös heißt. Hat sich Herr Zuckerberg etwa wieder als Moralwächter aufgespielt? Die Youngsters haben kürzlich ihre erste EP »SPONGE STATE« vorgelegt, die dahergaloppiert kommt wie eine durchgebrannte Schafherde. Bei aller Dynamik liefern die Vier aber superpräzise Töne ab. Sløtface sind ein wenig kratzbürstig, ziemlich leidenschaftlich und ungeheuer lebendig! Wer wollte sich ihnen in den Weg stellen?

 
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