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Foto nordische Landschaft

14. März 2016

Sehr rothaarig: Emma Acs

Alle Klischees über eigenwillige rothaarige Frauen wollen wir hier nicht auspacken, aber im Fall der Kopenhagener Chanteuse Emma Acs und ihrem überkandidelten, anspruchsvollen Theatralik-Pop treffen sie dann doch ein wenig zu. Die Dänin gibt sich unberechenbar wie eine königliche Katze. Packt die Disco-Kugel und dreht die Synthies hoch, aber es geht ihr nicht um die Produktion von Hochglanz-Tönen, sonderm um eine tanzbare Form der Grenzwert-Hysterie. Miss A. lässt die Stile wie Wasserfarben ineinander verlaufen. Ein bisschen Sixties-Divenpop, ein wenig Psychedelik und eine Prise schlauer Metropolen-Untergrund. Das sind Töne, die durchaus ein wenig kabarett-affin sind. Aber eins ist klar: Im musikalischen Universum dieser jungen Frau dürfen wir uns niemals in Sicherheit wiegen! Ende vergangengen Jahres hat Emma Acs ihr Debütalbum »GIVE IN TO WHATEVER« vorgelegt und darin das gehobene Maunzen zur Kunstform erhoben. Ach, anregend dekadent klingt das! Wer nun fürchtet, dass es sich hier um spröde Töne handelt, dem ist nur zuzurufen: Überhaupt nicht! Allein die wunderbar überdrehte Schmuddelkinder-Disco-Hymne »Magnetic Field« ist ein glitzerndes Vergnügen im halbseidenen Gewand! VTo me you are everything!« wird hier mantraarig wiederholt. Man könnte sich an die Präsenz dieser Dame gewöhnen!

02. März 2016

Ein verschleppter Tanz mit der Melancholie: Jørck

Die Chris-Isaak-Retromanie ist erfreulicherweise voll in Gange. Gut so, der Mann ist ein Klassiker! Verschleppter Slidegitarren-Rock vor dunkelschwarzer Mitternachtskulisse und einer Atmosphäre latenter Bedrohung: Wer sich auf der Suche nach würdigen Erben der Wicked-Game-Ästhetik macht, der muss dieser Tage auf nach Kopenhagen schauen. Jørck nennen sich die Sängerin Trine Jørck und der Multiinstrumentalist Torben Guldageder, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum »BLACK SUN« herausgebracht haben. Der Blick ist eindeutig rückwärts gerichtet. In eine Zeit, als Glamour noch nicht per Photoshop erstellt wurde und eine Fahrt in die schwarzen Wälder von Twin Peaks in menschlichen Abgründen enden konnte! Jørck nehmen sich alle Zeit der Welt, um einen elegant verschleppten Tanz mit der Melancholie zu beginnen. Weniger ist mehr! Über diesen Songs scheint eine schwarze Sonne. Die Stimme von Trine Jørck evoziert ein kühles Diventum, das an keiner Stelle aufgesetzt wirkt. Lana Del Rey in Zeitlupe etwa? Unterkühltes Melodram allemal! Hier blühen schwarze Rosen. Sinnliche Americana: So geht das, ihr Puritaner! Die vor einigen Tagen veröffentlichte Single »You Let The Looseness In« ist jedenfalls sehr fein und auf zurückhaltende Weise dekadent!

10. Januar 2016

Wegrennen mal anders: de Montevert

Die klassische Szene: Elaine Robinson und Benjamin Braddock rennen in den letzten Szenen von »Die Reifeprüfung” vor der grauenvoll angepassten Erwachsenenwelt davon. Und sitzen schließlich ganz hinten im Bus und schweigen auf die glückliche Art. Und dann setzt Simon And Garfunkels »Sound Of Silence« ein und 98 Prozent von dem, was Singer-Songwriter heute so von sich geben, ist einfach nur langweiliges Klampfen-Tralala im Vergleich. 50 Jahre später sieht die Sache anders aus: Die Absage ans Wegrennen ist die aufregendere Variante. Das bewussste Nein-Sagen zu einem Übermaß romantischer Versprechungen. Und die realisitische Einschätzung, dass der Mensch, der uns zum Wegrennen überreden will, doch nicht so ganz unser Typ ist. Sagt zumindest de Montevert. Dahinter steckt die junge schwedische Musikerin Ellinor Nilsson, die eigentlich ausgebildete Cellistin ist. Aber ihre Leidenschaft für fragile, zart tanzbare Songs entwickelt hat und schon seit einiger Zeit vor sich hin. An kleinen, durchaus vertrackten Tracks, die scheinbar im Lo-Fi-Modus daherkommen, aber sich beim zweiten Hören als durchaus komplex zeigen. Das selbst betitelte zweite Abum erscheint im Februar. Ein erster Vorgeschmack kommt in Form des gefühligen, leicht desillusionierten Streetmovie-Videos zu »Let´s Not Run Away Together«. Ganz klar stehen hier die klare Stimme Nilssons im Mittelpunkt, aber die zurückhaltenden Gitarren entwickeln ihren ganz eigenen Charme! Ein nostalgischer Hauch verlorener Blumenkinder-Romantik liegt über diesem Track. Und irgendwie muss ich hier an Nico denken. Und die wunderbare Balance zwischen Nüchternheit und Schwärmertum. Da wird man einem so schön mürbe ums Her! Die Backing-Vocals stammen hier übrigens von Anna Levander, Sängerin der Neo-Countryband Dolce, in die man durchaus auch hereinhören kann.

30. Dezember 2015

Ary und Carl Louis erkunden das Universum

Zum Jahresende mag man gerne hoch zu den Planeten schauen. Auch wenn man sein Jahreshoroskop in der Buntpresse noch nicht gelesen hat! Wie schön, dass sich zwei der begabtesten Newcomer der norwegischen Elektropopszene jüngst zusammengetan haben, um die endlosen romantischen Rätsel des Universums zu erkunden. Die himmlisch helle Stimme stammt von Ary, einer jungen Multiinstrumentalistin aus Oslo, die jüngst vom renommierten Antwerpener Label Eskimo Recordings unter Vertrag genommen wurde. Dort ist man hin und weg von diesen fragilen, schwärmerischen Vocals! Dass Ary aussieht wie die schüchterne kleine Schwester von Prinzessin Leia muss auch kein Nachteil sein! Die geschmeidigen Beats hat Carl Louis beigetragen, der sich als Produzent und DJ schon einige Meriten erworben hat und nun auf Solopfaden wandert. Offenkundig auf der Suche nach wärmeren, organischeren Tönen, die sich himmelwärts schwingen und unbestimmte Sehnsüchte wecken. Carl Louis ist, klar, ein Sternengucker und hat kürzlich sein Mini-Album »TELESCOPE« herausgebracht, wo Sternschnuppen über blaue Abendhimmel flitzen. Gemeinsam irrlichtern die beiden im Titelstück durch ferne Galaxien und finden auf ihrer Sinnsuche doch nur vertraute Dinge wie Angst vor Verlust und Furcht vor Vergänglichkeit. Aber sie tun das mit einer solch naiven und herzzereißenden Intensität, dass man kurz vorm Taschentuchzücken ist. Ary ist übrigens einer der Acts, die in zwei Wochen beim Eurosonic Festival in Groningen auf meiner Liste der »unbedingt zu sehenden« Acts steht!

17. September 2015

Estnische Schrulligkeit mit Leikki

Ehrlich gesagt: Ich mag keine Katzen. Diese verschlagene Tierart mit ihrem Hang zum Schmierenkomödiantentum ist mir zutiefst unsympathisch. Katzen können meinethalben schnurren, so viel sie wollen: Alles Lüge! Und erst der allgegenwärtige Katzen-Content, das Grauen! Aber im Fall von Leikki will ich mal eine Ausnahme machen. Das Duo aus Tallinn hat seinen eigenwilligen Aufwach-Song »Ärka« seiner Katze gewidmet. Zu diesen entspannten und merkwürdigen Tönen schwingt man gerne die Füße aus dem Bett, da stört das faul da drüben auf dem Sofa liegende Fellvieh nicht weiter.

Der Blick von Helsinki übers weite Ostseewasser hinüber nach Tallinn lohnt unbedingt! Tallinn ist eine quirlige Klein-Metropole, in die man nicht nur wegen der alljährlichen Tallinn Music Week reisen sollte. Leikki gehören zu den jungen Bands, die auf die reiche Folk-Tradition ihres kleinen Landes Bezug nehmen, aber sie mit vielerlei neuen Einflüssen weiter entwickeln. Das Duo singt auf Estnisch, einer dem Finnischen eng verwandten Sprache. Kaja Kaus, die Sängerin, Keyboarderin und Perkussionistin, hat sich vor knapp zwei Jahren mit dem DJ und Produzenten Lauri Täht zusammengetan. Gemeinsam erkundet man eine Stilrichtung, die in Richtung Ethno-Elektronik tendiert und eine gute Prise Weirdpop enthält. Tracks wie das verwunschen wirkende »Ärka« führen sanft auf Abwege, nehmen die Witterung jazziger Töne auf und lassen die Trompete kleine Schneisen in die Wildnis schlagen. Hip Hop und afrikanische Rhythmen verbinden sich in diesem musikalischen Paralleluniversum mit traditionellem Liedgut. Leikki verhexen uns mit modernen Zaubersprüchen. Diese reduzierten, aber durchaus vielschichtigen Songs riechen trotz allen neumodischen Spielkrams irgendwie nach Wald!

 
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