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Foto nordische Landschaft

03. April 2016

Euphorie im Straßenköter-Style: Sweden

Sweden ist kein unbedingt naheliegender Bandname für eine Band, die aus Oslo kommt. Von der Suchmaschinenfreundlichkeit ganz zu schweigen: Wie soll man diese Band in den Tiefen des Netzes finden? Und wenn man dann endlich auf sie stößt, dann gibt es Schwerstarbeit für den Google Translator, denn sämtliche Infos liegen nur auf Norwegisch vor. Aber es lohnt sich! Denn es wird Zeit, dass das Polarblog endlich mal wieder die Tanzstiefelchen auspackt und ins Schwitzen kommt. Fröhlicher Powerpop regiert! Schöne Frauenstimmen und ruhige Töne, alles schön und gut, aber mit einem wilden Glitzern in den Augen durch die Welt steppen, das hat auch etwas für sich! Sweden sind unwiderstehliche Turbo-Träumer, die einen feinen 90er-affinen Sound pflegen und bei aller Rabaukenhaftigkeit durchaus schwelgen und dick auftragen können. Ich sage nur: Kinderstimmen! In Norwegen haben die Fünf, die reichlich Erfahrung in anderen Bandprojekten aufzuweisen haben, nun bereits das dritte Album herausgebracht. Und wir haben noch nie von ihnen gehört! »OH DUSTY« heißt das neueste, sehr feine Werk der Norweger. Wie sich Übermut und Euphorie im Straßenköter-Style anhören: Genau so! Der Track »Just A Kid« ist ein unwiderstehliches Stückchen romantischer Turbo-Pop, mit dem wir auf Schlittschuhkufen beschwingt in den Frühling starten. Kann schon sein, dass diese atemlosen und coolen dicke-Lippe-Töne in der Tradition von Weezer vor einem großen Comeback stehen. Kinderchor und Disco-Orgel: Unbedingt mehr davon!

19. März 2016

Eine himmlische Stimme: Avokademo

Ich lobe jetzt mal eine Band, die noch nicht mal eine eigene Facebookseite besitzt. Die in den Weiten des Internet bislang noch kaum Spuren hinterlassen hat. Aber das dürfte sich ändern! Denn selten kommt es vor, dass man schon nach wenigen Sekunden so sehr in den Bann einer Stimme gerät. Weitere Informationen: Fehlanzeige. Ich weiß noch nicht mal, wie die Sängerin mit dieser himmlischen Stimme heißt! Aber nun mal von Anfang an: In Island findet jedes Jahr im März der Nachwuchs-Wettbewerb Músíktilraunir statt. So weit die reine Information. Aber unter den Siegern dieses Wettbewerbs waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bands, die dann weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind: 2010 waren es Of Monsters And Men, 2011 hatten Samaris die Nase vorne und im Jahr 2013 schafften es Vök aufs oberste Treppchen. Auch in diesem Jahr kann man via Soundcloud ausführlich in das musikalische Schaffen der hoffnungsvollen Kandidaten hineinhören. Man lauscht der Playlist, räumt das Geschirr in die Spülmaschine ein, und hört eine Menge Mittelmaß. Ja, das gibt es auch in Island! Und dann stellen sich plötzlich die Ohren hoch: Die beiden Tracks von Avokademo klingen so reif, so perfekt, dass sie eindeutig aus der Masse herausragen. Allein das wunderbar hoffnungsvolle, unschuldige und grenzwerttraurige Liebeslied »Complete« überzeugt! Das ein wenig triphoppig daherkommt. Und mit seinen stimmungsvollen Bläsern punktet. Der Track erweist sich nach dem fünften Hören als sehr komplex arrangiert! Und dann diese starke und gleichwohl naive Stimme von Frau Unbekannt. Säße ich in der Jury – meine zwölf Punkte sind bereits rettungslos verliebt vergeben!

14. März 2016

Sehr rothaarig: Emma Acs

Alle Klischees über eigenwillige rothaarige Frauen wollen wir hier nicht auspacken, aber im Fall der Kopenhagener Chanteuse Emma Acs und ihrem überkandidelten, anspruchsvollen Theatralik-Pop treffen sie dann doch ein wenig zu. Die Dänin gibt sich unberechenbar wie eine königliche Katze. Packt die Disco-Kugel und dreht die Synthies hoch, aber es geht ihr nicht um die Produktion von Hochglanz-Tönen, sonderm um eine tanzbare Form der Grenzwert-Hysterie. Miss A. lässt die Stile wie Wasserfarben ineinander verlaufen. Ein bisschen Sixties-Divenpop, ein wenig Psychedelik und eine Prise schlauer Metropolen-Untergrund. Das sind Töne, die durchaus ein wenig kabarett-affin sind. Aber eins ist klar: Im musikalischen Universum dieser jungen Frau dürfen wir uns niemals in Sicherheit wiegen! Ende vergangengen Jahres hat Emma Acs ihr Debütalbum »GIVE IN TO WHATEVER« vorgelegt und darin das gehobene Maunzen zur Kunstform erhoben. Ach, anregend dekadent klingt das! Wer nun fürchtet, dass es sich hier um spröde Töne handelt, dem ist nur zuzurufen: Überhaupt nicht! Allein die wunderbar überdrehte Schmuddelkinder-Disco-Hymne »Magnetic Field« ist ein glitzerndes Vergnügen im halbseidenen Gewand! VTo me you are everything!« wird hier mantraarig wiederholt. Man könnte sich an die Präsenz dieser Dame gewöhnen!

02. März 2016

Ein verschleppter Tanz mit der Melancholie: Jørck

Die Chris-Isaak-Retromanie ist erfreulicherweise voll in Gange. Gut so, der Mann ist ein Klassiker! Verschleppter Slidegitarren-Rock vor dunkelschwarzer Mitternachtskulisse und einer Atmosphäre latenter Bedrohung: Wer sich auf der Suche nach würdigen Erben der Wicked-Game-Ästhetik macht, der muss dieser Tage auf nach Kopenhagen schauen. Jørck nennen sich die Sängerin Trine Jørck und der Multiinstrumentalist Torben Guldageder, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum »BLACK SUN« herausgebracht haben. Der Blick ist eindeutig rückwärts gerichtet. In eine Zeit, als Glamour noch nicht per Photoshop erstellt wurde und eine Fahrt in die schwarzen Wälder von Twin Peaks in menschlichen Abgründen enden konnte! Jørck nehmen sich alle Zeit der Welt, um einen elegant verschleppten Tanz mit der Melancholie zu beginnen. Weniger ist mehr! Über diesen Songs scheint eine schwarze Sonne. Die Stimme von Trine Jørck evoziert ein kühles Diventum, das an keiner Stelle aufgesetzt wirkt. Lana Del Rey in Zeitlupe etwa? Unterkühltes Melodram allemal! Hier blühen schwarze Rosen. Sinnliche Americana: So geht das, ihr Puritaner! Die vor einigen Tagen veröffentlichte Single »You Let The Looseness In« ist jedenfalls sehr fein und auf zurückhaltende Weise dekadent!

10. Januar 2016

Wegrennen mal anders: de Montevert

Die klassische Szene: Elaine Robinson und Benjamin Braddock rennen in den letzten Szenen von »Die Reifeprüfung” vor der grauenvoll angepassten Erwachsenenwelt davon. Und sitzen schließlich ganz hinten im Bus und schweigen auf die glückliche Art. Und dann setzt Simon And Garfunkels »Sound Of Silence« ein und 98 Prozent von dem, was Singer-Songwriter heute so von sich geben, ist einfach nur langweiliges Klampfen-Tralala im Vergleich. 50 Jahre später sieht die Sache anders aus: Die Absage ans Wegrennen ist die aufregendere Variante. Das bewussste Nein-Sagen zu einem Übermaß romantischer Versprechungen. Und die realisitische Einschätzung, dass der Mensch, der uns zum Wegrennen überreden will, doch nicht so ganz unser Typ ist. Sagt zumindest de Montevert. Dahinter steckt die junge schwedische Musikerin Ellinor Nilsson, die eigentlich ausgebildete Cellistin ist. Aber ihre Leidenschaft für fragile, zart tanzbare Songs entwickelt hat und schon seit einiger Zeit vor sich hin. An kleinen, durchaus vertrackten Tracks, die scheinbar im Lo-Fi-Modus daherkommen, aber sich beim zweiten Hören als durchaus komplex zeigen. Das selbst betitelte zweite Abum erscheint im Februar. Ein erster Vorgeschmack kommt in Form des gefühligen, leicht desillusionierten Streetmovie-Videos zu »Let´s Not Run Away Together«. Ganz klar stehen hier die klare Stimme Nilssons im Mittelpunkt, aber die zurückhaltenden Gitarren entwickeln ihren ganz eigenen Charme! Ein nostalgischer Hauch verlorener Blumenkinder-Romantik liegt über diesem Track. Und irgendwie muss ich hier an Nico denken. Und die wunderbare Balance zwischen Nüchternheit und Schwärmertum. Da wird man einem so schön mürbe ums Her! Die Backing-Vocals stammen hier übrigens von Anna Levander, Sängerin der Neo-Countryband Dolce, in die man durchaus auch hereinhören kann.

 
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