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Foto nordische Landschaft

16. Mai 2006

The Real Emo

»You're a bitch-talking motherfucker,
You’re the worst cock sucker
Swore that you were true to me
Yeah – in my dreams«

Daniel Cirera lässt es raus. Ohne viel Selbstmitleid, aber auch ohne Explosion. Ein Mann mit Gitarre, der tun muss, was er tun muss! Von seiner eigenen Freundin hintergangen versucht er mit Schmerz und Herz und simplen Worten fertig zu werden. »Motherfucker Fake Vegetarian Ex-Girlfriend« heißt seine erste Single, die ihm nicht viel Airplay auf der ganzen Welt einbringen sollte – wer mag schon Songs, die aus einem Dauerpiepen bestehen? Aber ohne  Zensur steht unter dem Strich ein tagebuchvolles Album mit Geschichten, die jeder kennt. Manchmal explizit, aber doch so nah, dass seine Privataufnahmen schnell in seinem Freundeskreis die Runde machten.  Und so universell, dass bestimmt die Ex inzwischen schon demonstrativ mit anderen Männern direkt vor Daniels Augen rumknutscht. Damit auch noch genug Material für Album Nummer zwei abfällt…

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Das Debütalbum »Honestly I Love You *Cough*« des spanischstämmigen Schweden erscheint am 30. Juni bei EMI.

http://www.danielcirera.com

14. Mai 2006

Mari Boine auf der Folkbaltica

Mari BoineDas Maketing ist ein eigenartiges Geschäft. In Norwegen steht Mari Boines neue CD (Universal) seit 24. April in den CD-Regalen und stieg sogar bereits in die Charts auf. Und in Deutschland? Da stellte man fest, dass man einige Wochen Vorlauf benötigt, um CD-Veröffentlichung und Medienberichte zu synchronisieren (als ob das ein Geheimnis gewesen wäre!) und dass man, wenn man die ganze Promo-Maschinerie jetzt starten würde, in die Fußball-WM hineinkäme. Ja und? Ich dachte immer noch, CD-Rezensionen fänden im Kulturteil und Fußball im Sportteil der Medien statt. Wie gesagt: Das Marketing ist ein eigenartiges Geschäft …

Mari Boine live auf der FolkbalticaDoch zum Wesentlichen: Ich wollte nicht warten bis zum deutschen Erscheinungstermin des Mari Boine-Albums »IDJAGIEDAS« am 25. August (wer die CD früher hören will, kann sie über die üblichen skandinavischen CD-Shops wie CD On bestellen) und offiziellen Promotermin am 8. Juni in Berlin, wo alle Journalistengespräche an einem Tag gebündelt werden. Ich ließ mir von Uwe Kerkau, meinem »Lieblings-Promoter«, die CD schicken, akkreditierte mich für die Folkbaltica und arrangierte über Konzert-Veranstalter Jens-Peter Müller sowie Mari Boines deutschen Manager Donald Weimer einen Gesprächstermin, so dass ich wohl der derste deutsche Journalist war, der die samische Sängerin zu ihrem neuen Album interviewte.

Der Zeitplan war knapp: Mari Boine reiste direkt aus Norwegen an; im Auto von Hamburg nach Flensburg kommend traf sie erst gegen halb sechs ein. Das Interview musste flexibel arrangiert werden – als ich um halb fünf ihre neue Band beim Aufbau traf, die sich nun »Mari Boine Project« nennt, wurde klar, dass das Gespräch erst nach dem Konzert stattfinden konnte. Nicht weiter tragisch: So hatte ich Gelegenheit, Maria Kalaniemi noch persönlich zu sprechen, nachdem wir unser Interview vor einigen Monaten nur per Telefon geführt hatten.

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13. Mai 2006

The Rasmus

Oh weh. Der Untergang des Abendlandes naht. Jetzt haben doch tatsächlich die Jammerbuben von The Rasmus 2004 mit ihrem wehleidigen und penetranten "In The Shadows" international mehr Tantiemen einsammeln können als Altmeister Jean Sibelius mit seinem Violinkonzert oder der Zweiten Sinfonie. Sibelius hatte bei den Tantiemen bisher immer die Nase vorn gehabt, schreibt die Finnish Composers' Copyright Society – und mutmaßt, dass HIM 2005 der gleiche Coup gelingen könnte. Schlimmer geht immer!

11. Mai 2006

Hitsen Från Blitzen – der wahre Schwedenpop

 Wie die kleingeholzten Wälder, die palettenweise und äußerst platzsparend gestapelt in den blaugelben Wellblechbunkern neben den urschwedischen 1-Euro-Hotdogs weltweit feilgeboten werden: Schwedische Musik ist immer Exportprodukt. Schweden singen Englisch, weil unterm Strich bei allen Elchsalami-Essern, Nordkap-Anglern und Schwarzbrennern gerade einmal so die läppische (samt lappische) neun Millionen Marke geknackt wird. Und auch weil selbst bei relativem Erfolg, großausgedehnten Touren durch sämtliche Provinzen die durchschnittlichen Verkäufe und Toureinnahmen nicht reichen, um die wackelbeinige Existenz des Musikerdaseins ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das Ausland lockt derweil mit Sympathiekärtchen für Schwedenpop – da liegt die Versuchung nicht fern, mit englischen Texten die Geldbörsen aus den Hintertaschen zu locken. Schweden auf Eroberungskurs!

Doch es gibt sie, die Bands, deren kauzige Erstsprache mit den vielen verschluckten Endungen einfach Bestandteil ihres Klangguts ist. Schweden singen Schwedisch! Allerdings versteckt der wahre Schwedenpop sich ein bisschen und ist hoffnungslos in der Unterzahl. Gerade einmal die männliche Hälfte von Roxette, Per Gessle, mit seiner reanimierten Band Gyllene Tider schafft es, mit dem ewigen Sommerhit »Sommartider« und Alben wie »Moderna Tider« die Kassen zum klingeln und die Stadien zum Mitgröhlen zu bewegen. 25 Jahre dauern die Goldenen Zeiten schon an und die Band dürfte inzwischen schon kurz vor der »Goldenen Nase« stehen.

Aber in einem Land, wo 300 staatliche Musikschulen zur Folge haben, dass fast jeder Zweite ein Instrument beherrscht und das öffentliche Interesse an Musik ist nicht wie in Deutschland nur Randthema ist, sondern wirtschaftliche Interessen mit einem ausgeprägten kulturellen Empfinden verbindet, gibt es mehr zu entdecken!

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09. Mai 2006

Kari Bremnes in der Hamburger Fabrik

Kari Bremnes live in der Hamburger Fabrik 2006Es war natürlich wieder ein Pflichtbesuch, nachdem ich mich durch Kari Bremnes' komplette Discografie gearbeitet hatte und sie vor einigen Monaten interviewt hatte: ihr Auftritt in der Hamburger Fabrik am 5. Mai.

  • Helge Norbakken ist jedes Mal, wenn ich ihn höre, noch besser geworden.
  • Neben Bengt Hanssen (Keyboards) war diesmal noch ein Trompeter dabei: Mathias Eick (sonst bei Jaga Jazzist, Motif, Motorpycho, Iro Haarla, u.v.m.) trat damit live in die Fußstapfen, die Nils Petter Molvær und Arve Henriksen im Studio getreten hatten.Die Fabrik war diesmal bestuhlt. Passt zur Musik.
  • Kari Bremnes legte den Schwerpunkt auf die Songs ihres neuen Albums – die Auswahl der Songs »Ansiktet Te Månen«, »En Stemme I Athen«, »Per Og Paul Og Janus« und »Over En By« hätte ich anders getroffen, aber sie war im Rahmen des Konzerts ok.
  • Apropos »Over En By«: Bei der Ansage zu diesem Lied, mit dem sie das reguläre Programm beendete, verhaspelte sie sich, denn zuvor sollte laut Setlist noch der »Schrei« gespielt werden. Die Überleitung in letzter Sekunde war jedoch elegant, und die meisten Konzertbesucher bemerkten den Fauxpas sicher nicht.
  • Wenn Dirk Achim Dhonau im Programmheft der Fabrik aus meinem Interview mit Kari Bremnes zitiert und sogar seine Headline »Joni Mitchell des Nordens« aus meiner Rezension entnimmt, ehrt das zwar, aber ohne Quellenangabe wirkt das doch immer etwas lausig und unehrenhaft.
 
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