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Foto nordische Landschaft

09. August 2015

Vor Euch weglaufen? Niemals, Chinah!

Liebe Promoleute, die ihr die »armen« Musikblogger ständig mit in Superlativen schwelgenden Mails von »aufregenden jungen Bands« beglückt: Ich verrate Euch hier ein gut gehütetes Geheimnis! Nein, wir Bloggerinnen und Blogger wollen nicht wiederkäuen und nachplappern, was Ihr uns vorschlagt. Nein, nein, nein! Sehr viel lieber gehen wir selbst auf Entdeckungsreise. Heben unsere eigenen Schätze! Und auf die Empfehlungen von Musikern geben wir sehr viel mehr als auf um Aufmerksamkeit heischendes Werbegetrommel. Und an diesem heißen Sonntag, an dem sich auf dem Flohmarkt ein hübsches grünes Röckchen fand und das salzige Erdnuss-Eis besonders lecker schmeckte, da stolperte ich via dem famosen Sekuoia auf die dänischen Elektropopsters Chinah. Sängerin Fine Glindvad, Gitarrist Simon Kjær und der Pianist und E-Wizzard Simon Andersson balancieren mit wunderbarer Zurückhaltung zwischen Ambient, dezentem R´n`B, elektronischen Spielkram und, hüstel, folkiger Ballade. Letzteres zumindest im Geiste!

»Im thinking about your childhood gift«, flüstert Fine Glindvand mehr, als dass sie singt. Es geht hier um Geschenke aus der Kindheit und um die Dinge, die uns trotz aller Differenzen einen. Keine Angst, allzu betulich geht es bei den Dänen aus dem Kopenhagener Szene-Stadtteil Nørrebro nicht zu. Verspielte Synthie-Schlenker leisten sie sich im auf elegante Innerlichkeit setzenden Track »Away From Me« allemal. Der auf eine unterkühle Art emotional üppig wirkt! Viel Material haben die Drei noch nicht vorzulegen, aber allein dieser Track schleicht sich auf sanften Pfoten mitten ins Herz. Weil er so schön grenzwert-sehnsüchtig ist!

01. August 2015

Uaahaa, Späthippies! The Switch

Hach, hippieske Harmoniegesänge! Warum die späten 60er und frühen 70er heute wieder so absolut hip sind? An der Sehnsucht nach einer vorgeblich heilen Welt kann es nicht liegen! Unbestritten ist, dass uns diese großäugige Faszination mit psychedelischen Gegenwelten heute fast schon naiv vorkommt! The Switch aus Oslo lassen die Farfisa-Orgel dekorativ wummern und haben keinerlei Berührungsängste vor plüschigen Paisleymuster-Sounds. Gut so! Sie trauen sich sogar an Gitarrensoli, was heutzutage der gerade Weg zur Peinlichkeit ist. Das hält die Fünf doch nicht auf! Tagträumer sind sie, aber keine harmlosen. Wer sein zweites Album »B IS FOR THE BEAST« nennt, der ist kein verschmustes Blumenkind! Und wenn eine Band ihren Stil als »harmony- and solo-heavy 70’s inspired pop/rock« bezeichnet, dann gehen meine Ohren doch weit auf! Richtig so, macht bloß ein bisschen Rabatz! Immer nur nett sein ist doch superlangweilig!

Seit fünf Jahren werkelt die kleine Großgruppe bereits vor sich hin und hat sich in der norwegischen Hauptstadt einen gewissen Ruf als mitreißende Live-Band erarbeitet. Was man gerne glauben will, wenn man ausführlich in die Soundcloud-Seite von The Switch hereinhört. Da ist eine ansteckende Energie zu spüren. Und eine unbestrittene Euphorie! Lassen wir die Geister der Beach Boys und des Electric Light Orchestra in Frieden weiterwandern. Die große, operettenhafte Geste, die können diese Jungspunde ins Hier und Jetzt bringen. Uuhuu und Uaahaa! Das klingt doch superlebendig!

09. Juli 2015

Hel(l) aktuell XX: Tuska 2015, Sonntag: Bombastisches Finale


Nach Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal keine Todesängste auf der Busfahrt ausgestanden; ein Wunder, sonst rasen hier alle Busfahrer wie verrückt. Zwei Wegbiere müssen heute reichen, um uns auf das Tuska einzustimmen. Von Warmen sehen und hören wir nur noch die letzten beiden Songs. Zum finalen Stück gibt der COB-Sänger Alexi Laiho seine Stimme zum Schlechtesten. So schlecht haben wir ihn noch nie singen hören … aber gut, der Menge vor der Inferno Stage gefällt das Schauspiel.

Anschließend trumpfen Mokoma auf der Radio Rock Stage auf. Mächtig Druck vom Schlagzeug und kreischende Gitarren, die alten Thrasher geben alles. Eine riesige Meute findet sich vor der Bühne ein, in ihrer Mitte der Circle-Pit. Leider ist ihr Auftritt viel zu schnell vorbei.

Mokoma (FIN)


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03. Juli 2015

Hel(l) aktuell XIX: Tuska 2015, Samstag: Tag der Kontraste


Bevor wir heute zu Tuska gehen, schauen wir am weißen Dom vorbei. Dort startet um 13 Uhr die »Helsinki Pride«, die Schwulen- und Lesbenparade in der finnischen Hauptstadt. Der gesamte Senatsplatz ist in Regenbogenfarben getaucht. Erst stehen wir unten in der Menge, später setzen wir uns auf die Treppe vom Dom um das Ganze von oben zu sehen.

Nachdem unsere Augen davon genug habe, schnappen wir uns zwei Bier, setzen uns in einen kleinen Park nahe dem Tuska-Gelände uns stimmen uns auf den heutigen Tag ein.. Und dann geht’s in den Untergrund …

Leicht angeheitert schleichen wir strammen Schrittes auf Gelände um Bombus nicht auch noch zu verpassen. Von Bloodbath hören wir gerade noch die letzten Töne. Voll ist es bei den Finnen vor der Radio Rock Stage. Der Kontrast zur Pride könnte kaum größer sein: nur schwarz gekleidete Menschen und wesentlich ohrenfreundlichere Musik. Nach Bloodbath stürzt alles zu den Toiletten. Bei Bombus ist es deshalb viel zu leer für die locker groovenden Schweden. Schade.

Bombus (S)

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22. Juni 2015

Von Stockholm nach Bandung mit Wilderness

Vom winterlichen Stockholm ins tropische indonesische Bandung: Die schwedischen Wilderness haben gute Gründe dafür! Die Dreampopsters zieht es nach Asien, weil sie dort bereits vor Jahren auf einer Tour die »bedingungslose Liebe und Begeisterung« des indonesischen Publikums für Musik entdeckt haben.Was für das Quartett, das aus der Vorgänger-Band Penny Century hervorgegangen ist, eine einschneidendes Erfahrung und eine große Inspirationsquelle war. Diesem Erweckungserlebnis zollen die Vier mit ungewöhnlichen Tönen Tribut: Der sehr feine Track »Bandung City Rockers« startet mit schwedischen Voice-Samples, nur um die verträumten Synthies um so wirkungsvoller in Szene zu setzen. Und anschließend lässt man die exotisch angehauchten weibliche Vocals auf lautmalerische Abenteuer-Fahrt ziehen. Das könnte in bombastischen Ethno-Kitsch ausarten, tut es aber erfreulicherweise überhaupt nicht! Auf eine angenehm unaufdringliche Art verschmelzen hier unterkühlte skandinavische Euphorie und südlich flirrendes Melodrama. Wecken unbestimmte Sehnsüchte. Leichtigkeit und sanfte Melancholie sind hier händchenhaltend auf Strandspaziergang und schauen sich dabei so innig in die Augen, dass uns allein vom Zugucken warm ums Herz wird. »Möge dieser Song noch endlos weitergehen«, denkt man und schluckt. Gottseidank tut er das nicht: Denn aufhören, wenn es am schönsten ist, das ist die wahre Kunst!

Das neue Wilderness-Album »VALLUNDSET 1924« erscheint übrigens beim Indie-Label Colorcode Records aus Bangkok. Die Band hat bereits die beiden EPs »WILDERNESS« und »THIS WORLD IS NOT OURS« herausgebracht. »Bandung City Rockers« macht jedenfalls Lust, via Soundcloud in das restliche Werk der Band hereinzuhören! Aktuell touren die Vier übrigens durch Südostasien!

 
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