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Foto nordische Landschaft

13. März 2009

MEDEIA: Metalband mit Tanzvideo (Teil II)

Medeia plauderten am 8. März über die Vorteile von Nightlinern, über Immortal, finnischen Schlager – und verwöhnte Deutsche. Den ersten Teil des Interviews findet ihr hier – nun folgt Teil Zwei:


Spaß mit Immortal – und Michael Jackson

Zurück zur Tour:  Welche Musik läuft im Tourbus?
Keijo: …wenn unsere Anlage nicht gerade kaputt ist, komischerweise ist die häufiger kaputt…
Samuli K.: Toto…
Janne (grinst): …Phil Collins…
Samuli P. (lachend): …Scorpions »Wind Of Change«…

…oh Jungs, das kann ich nicht schreiben…
Samuli P.: …okei, schreib: Nur Metal. Black Metal.
Alle durcheinander: In einer Nacht haben wir stundenlang 80er Metal gehört…

Black Metal ist ein gutes Stichwort: Euer erstes Video »Cold Embrace«…
Keijo: …ist ein Immortal-Tribut.

Es erinnert mich an…
Samuli P.
: »Call Of The Wintermoon«
Keijo: Ja, das war unsere Inspiration. Und es hat uns richtig Spaß gemacht, es zu drehen.
Samuli P. (grinsend): Und wir hatten ein gutes Timing: Bei den Aufnahmen vor der Kirche war drinnen gerade ne Messe, dann kam eine alte Dame mit einem Horn raus, die fing dann an zuzuschauen und zu tanzen. Aber die Auswahl war schwierig: Wir hatten drei Stunden Material.

…und wer von euch hört Immortal?
Samuli P.
: Wir alle.
Samuli K.: Ich nicht.
(Pause)
Samuli P.
: Aber wir hören Musik aus fast allen Genres.

Gibt’s auch eine Richtung die ihr nicht mögt?
Janne (wie aus der Pistole geschossen):
Finnischen Schlager.
Samuli P.: Finnischen Rap und Hip Hop. Also ich meine: mit finnischen Texten.

…da fällt mir so spontan nichts dazu ein
Samuli P
.: Gut so. Bleib bloß weg davon!

Sprechen wir über das zweite Video »Descension«: Wie kamt ihr auf diese Idee?
Alle reden durcheinander
: Die Idee kam auf Tour. (AdR: …was habt ihr denn da nur im Bus gehört?) Irgendeiner meinte: »Hei, lass uns ein Tanzvideo machen!«
Keijo: hei, und: Wie viele Metalbands haben je ein Tanzvideo gemacht?!

Und wieso im Stil von Michael Jacksons »Bad«?
Keijo (feixend):
»Marketingtrick!«
(Wieder alle durcheinander): Die Fullsteam Jungs meinten auch, das erinnert an »Bad«. Aber das war gar nicht unsere Idee. (Pause)
Samuli P.
: Wir hatten ja auch nicht viel Kohle…
Samuli K.: …und wollten/konnten keinen Drehort mieten.
Samuli P.: Wobei das auch was hätte, eine coole Location mieten
(Alle verlieren sich in wilden Visionen über zukünftige Videos und Locations.)

»Ich kann einfach nicht nein sagen«

Sprechen wir über euer Debüt: Werdet ihr  euer erstes Album wieder veröffentlichen?
Samuli P.:
Nein. Wir hatten damals noch einen anderen Sänger und das passt jetzt nicht mehr zu uns.
Keijo
: Ich mag das Album!
Der Rest: Wir auch!
Samuli P.: …aber wir sind jetzt die »neuen« Medeia. Wir haben auch mit Keijo viel häufiger zusammen getourt, als mit Teemu (AdR: Teemu Karjalainen). Wir waren damals eigentlich noch im Entstehungsprozess.

…und wie kam Keijo dazu?
Samuli K.
: Der erste Sänger verließ uns.
Keijo (deutet auf Samuli K.): …wir kannten uns schon von der Schule…
Samuli K.: …und tourten dann zusammen, als Vorband von Rotten Sound. Da sagte Teemu, er gehe.
Keijo (grinsend): …und ich war da! (lacht:) …und ich kann einfach nicht nein sagen.

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11. März 2009

MEDEIA: Metalband mit Tanzvideo (Teil I)

»Wie viele Metalbands haben je ein Tanzvideo gemacht?!«


Medeia sind auf Europatour mit The Ocean, Burst und Bison B.C. Als eröffnende Band haben sie bereits ab 21 Uhr frei – und am 8. März in Karlsruhe Zeit für ein Interview. Sänger Keijo und Bassist Samuli Kuusinen beantworten ganz entspannt zwischen Speis und Trank die ersten Fragen, kurz darauf stoßen auch Gitarrist Samuli Peltola und Schlagzeuger Janne Putkisaari dazu. Die Finnen plaudern über die Vorteile von Nightlinern, über Immortal, finnischen Schlager – und verwöhnte Deutsche.

Medeia: Zum ersten Mal außerhalb Finnlands

Ihr macht eure Interviews freiwillig nach der Show? Da wollen die Bands doch normalerweise nur noch trinken und feiern…
Keijo (grinst): Ach, als zuerst spielende Band ist das kein Problem; heute waren wir ja wirklich früh dran…
Samuli K.: …ja, in Italien haben wir mal erst um 22 Uhr angefangen…
Keijo: …also haben wir noch jede Menge Zeit. Und wir sind mit Nightlinern unterwegs, das ist alles wirklich so entspannt…
Samuli K.: Ja, es ist großartig nicht selbst fahren zu müssen: Heute wären das 850 km gewesen, von Brescia an der italienischen Ostküste bis hierher.
Keijo: Und das hier (wedelt mit der noch vollen Flasche) ist übrigens mein erster Drink heute.

…das ist aber nicht sehr finnisch
Keijo (grinsend): Ich bin ja auch Halbschwede.

Wie kamt ihr als Metalband zum Fullsteam-Label? Dort sind ja eher (Indie)Rockbands wie Lapko oder Rubik
Keijo: Wir wollten ein finnisches Label. Und Fullsteam hat ja auch eine Booking Agentur, dort ist meine andere Band: Rotten Sound, also… (Pause)
Wir finden es gut, über ein Indie-Label zu veröffentlichen. Zudem haben Fullsteam gute Kontakte ins Ausland, zu Promo-Agenturen, und so weiter. (grinst) Und jetzt hoffen wir, dass sich bald auch ein deutsches Label für uns interessiert


Keijo, du singst in zwei Bands – gab’s da schon mal Terminprobleme?

Keijo: Nein, wir haben ja die gleiche Booking Agentur für beide Bands, so kann ich ja alle Termine überblicken. Und natürlich achtet auch die Agentur darauf, dass sich nichts überschneidet. Außerdem haben ein paar von uns Familie…
Samuli K.: …ich habe zwei Kinder…
Keijo: … also können wir gar nicht so viel und so lange am Stück touren.

Das ist ja eure erste Tour in Deutschland…
Keijo: Das ist überhaupt unsere erste Tour außerhalb Finnlands!

…und wie kamt ihr an diese doch recht große erste Tour?
Keijo: The Ocean war mal mit Rotten Sound auf Tour, ich hab dann Robin (AdR: Gitarrist Robin Staps) kontaktiert und gefragt wie’s mit einer Tour wäre – und er meint »why not«. Aber wir hatten natürlich auch Glück…
Samuli K.: …sie haben gerade nach einer Band für die Tour gesucht.

Und, seid ihr zufrieden?
Samuli K.: Mehr als zufrieden!
Keijo: Ich hatte ja überhaupt keine Erwartungen (grinst) um nicht enttäuscht zu werden, aber ich bin so positiv überrascht! Meistens waren mehr als hundert Leute da. Selbst wenn wir die ersten Takte vor 20 Leuten angefangen spielten….
Samuli K.: …strömten kurz drauf die Leute rein.

Wie ist die Stimmung unter den Bands?
Keijo: Die Kanadier (AdR: Bison B.C. …mit Medeia Shirts, siehe Foto) sind super! Die Stimmung ist gut,…
Samuli K.: … die Schweden sind nett und höflich
(AdR: das ist ja schon klischeehaft) und die Ocean Jungs sind auch nett.
Keijo und Samuli K. vereint: Es ist eine perfekte Tour!
Keijo: Es hätte nicht besser anfangen können.


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18. Januar 2009

Was steht an 2009/1? Lowlife Rock´n´Roll Philosophers

Ich habe eine Schwäche. Eine Schwäche für die wunderbare Stimme von Noora Tommila. Verwunschen, selbstbewusst, unwiderstehlich.Anders, sehr anders. Wie die Bands, in denen Noora singt: Eleanoora Rosenholm, die sich den Namen einer fiktiven Hausfrauen-Masssenmöderin gegeben haben und die zu absonderlichen Discobeats die Welt untergehen lassen. Im gleichnamigen Video zu »Maailmanloppu« fährt Noora den abgetrennten Kopf eines ihrer Opfer im Fahrradkörbchen durch den finnischen Winter und wirft ihn zum Schluss theatralisch ins Hafenbecken. Definitiv nicht Kinderprogramm-geeignet.

Noora Tommila ist aber wie viele der Musiker in der inzestuös miteinander verbundenen Szene im Küstenstädtchen Pori noch in einer anderen Formation aktiv, und das sind die Lowlife Rock´n´Roll Philosophers. Die Philosophers pflegen leicht jazzige Untertöne, sind aber dem Progressive Rock in seiner wilden, eigentümlichen Pori-Ausprägung ebenso zugeneigt. Kein Wunder, sind hier doch Mitglieder von Formationen wie Magyar Posse, Moon Fog Prophet und und Starflower aktiv. Das zweite Album »VIOLENT CALM« war für mich ein Zufallsgriff ins Regal im Stupido-Shop in Helsinki. Und langsam, langsam, aber um so nachdrücklicher, hat sich die Scheibe zu einem heimlichen Lieblingsalbum entwickelt. Eine unwiderstehliche Sogwirkung geht von diesen kunstvollen, sich endlos verästelnden minimalen Variationen aus. Und darüber eben die unverwechselbare Stimme von Noora Tommila. Der man sich anvertraut und mitgerissen wird ins Unbekannte.

Die gute Nachricht für 2009 ist das Versprechen, das wohl im Frühjahr endlich,  endlich, das lang erwartete dritte Album der Philosophers erscheinen wird. »DAWN OF A NEW TIME« wird es heißen. Hörproben gibt es noch keine. Leider. Wer wissen will, warum der Vorgänger so großartig war, kann via myspace dem wunderbaren Song Sunbeams lauschen.

19. November 2008

Isgaard und Stefan Erdmann im Gespräch

Auf der »Horizont«-Reisemesse in Karlsruhe – Gastland Island – präsentierte Stefan Erdmann täglich einmal kurze Ausschnitte aus seinem Film »ISLAND 63° 66° N«. Am Samstag, 15. November, gab es eine Besonderheit: Isgaard sang danach vier Lieder ihres aktuellen Albums »WOODEN HOUSES« live , darunter den Titeltrack und natürlich »Iceland«.

Nach Schreiben einiger Autogramme nahm sich das sympathische Duo Stefan/Isgaard samt Jens Lück (Produzent/Keyboarder/Schlagzeuger) Zeit, um über ihre Zusammenarbeit, Musik(Videos), große Gefühle – und natürlich über Island – zu plaudern.

Perfekte Symbiose

Isgaard und Stefan Erdmann kennen sich schon seit ihrer Jugend und blieben stets in Kontakt. Sie sind nicht nur Freunde, sondern arbeiten auch immer wieder zusammen: So untermalte der Münchner etliche Auftritte der gebürtigen Husumerin mit Videoclips untermalt, sowie zwei Musikvideos für sie produziert: »Earth Song« und »Dreams Will Never Die« (Isgaard featuring Galileo). Die Sängerin machte bereits bei den Videos die Erfahrung wie sehr Bild und Ton miteinander verschmelzen können: Derart, dass sie sich selbst gar nicht mehr wahrgenommen hat.

Diese perfekte Symbiose charakterisiert auch die Musik in »ISLAND 63° 66° N«. Die Einleitung des Films samt zugehöriger Musik Isgaards stand für Stefan Erdmann schon lange fest; die insgesamt 110 Minuten werden perfekt musikalisch ergänzt – häufig durch Kompositionen von Isgaard und Jens Lück. Stefan Erdmann: »Ohne die Musik der Beiden würde der Film nicht funktionieren – zumindest nicht für mich«.

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29. Oktober 2008

Sin Fang Bous: Alleine ist’s noch schöner

Wie gut, dass es nur eine Wirtschaftskrise ist, die auf Island wütet, und keine Kreativkrise. Es ist immer wieder erstaunlich, dass ein abseits gelegenes Eiland mit der Einwohnerzahl Bonns eine derart große Fülle an Bands und Projekten gebiert, die es locker mit Gesamtdeutschland aufnehmen kann.

Mit Seabear haben sie auch eine hoffnungsvolle Band aus der zweiten Reihe am Start, die bereits im letzten Jahr mit “The Ghost That Carried Us Away” einen bunten Akzent in Sachen Powerpop/Folk setzen konnten. Mit leckeren Violinen-Rhythmen ging es da zur Sache, mit Akustikgitarre wurde sich in die Grube geheimkrämert und überhaupt waren alle Songs einfach nett im besten Sinne.

Bevor es aber mit der Seabear-Saga weitergeht, gibt es einen Solo-Einwurf von Mastermind Sindri. Der nennt sein Nebenprojekt etwas sperrig Sin Fang Bous und wird im Februar auf Morr Music in Berlin seinen Albumeinstand feiern. Was man bei myspace hört, ist süß, bunt und verwuschelt. Ein bisschen wie Panda Bear, Caribou und Animal Collective unter der wärmenden Popdecke. Noch songgerichteter, noch mehr eingängige Melodien – und alles im Alleingang eingesungen, gespielt und geklappert. Die Klänge sind nicht so abseitig, nicht so widerspenstig oder fordernd wie bei den amerikanischen Kollegen, aber das ist kein Manko der Sin Fang Bous-Songs. Wir dürfen uns ganz sicher auf die zwölf Tracks freuen. Und Gott sei Dank ist das alles nicht so formelhaft wie diese letzte Bemerkung.

 
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