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Foto nordische Landschaft

01. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [3/4]

Aufhören? Kann man zum Beispiel bei den folgenden Solo-Künstlern, die 2008 mit etwas Glück auch Alben in Deutschland veröffentlichen werden. Teil eins und zwei dieser kleinen Reihe findet ihr hier und hier.

LARS HORNTVETH (NOR)

 Nein, im kommerziellen Sinne wird Lars Horntveth sicherlich keinen Erfolg haben. Aus künstlerischer Sicht darf man sich aber auf sein neues Werk freuen, was 2008 über das geniale Kleinstlabel Smalltown Supersound das Licht der Plattenläden erblicken wird. Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Wir wissen nur: Es wird aus gezupfter Akustik und vielen Geigenparts bestehen. Instrumental sein und hinreißend melancholisch. Ein Garant für höchste Intimität und Spielfreude ist dieser immer noch junge Musiker sowieso – als Mitglied von Jaga Jazzist (kommt da eigentlich auch mal was Neues?) schmierte er uns in der Vergangenheit elegische Meisterwerke ums Ohr. Hach. Toll.

Hompage: myspace.com/larshorntveth

FAMILJEN (SWE)

 Die 80er Jahre sind in Schweden immer noch nicht vorbei. Während in Frankreich die nächste Welle an Kitsuné- und Ed Banger-Bands anrollt und England mit den Neukommern Does It Offend You, Yeah? oder Hadouken überschwemmt wird, sortiert sich das Nordland traditionell eher am anderen Ende der Coolness-Skala ein (man höre auch den immerhin etwas koolere Elektro-Tanz der Gebrüder »Keks und Käse« aus Norwegen). Die Beats von Familjen sind leider eher dürftig, der Stil eher retro. In Schweden hat die in heimatländisch singende Tanz-Familie (die eigentlich nur Johan T Karlsson besteht) allerdings trotzdem 2007 ihren Stammbaum deutlich verzweigen können. Ob auch in anderen Ländern neue Triebe und Knospen entstehen werden? Wir lassen uns überraschen, sind allerdings nicht wirklich optimistisch…

Homepage: myspace.com/familijen

AS IN REBEKKAMARIA (DK)

 Bekannt aus Funk und Fernsehen? Nein, vielmehr bekannt von einer schwedisch-dänischen Combo namens Lampshade. Deren nostalgischer Trip in Parallelwelten wurde mit RebekkaMarias Stimme erst zu dem, was er war, ist und sein wird. Zwar ist RebekkaMaria im wahren Leben längst verheiratet, nun geht sie aber solo. Das klingt nicht wie jeher verwunschen und hochfliegend zwischen Indie und Folk, sondern tappst fröhlich mit Beatmaschine und Leerlauf in die Welt hinaus. Mit gewohnt knödeliger Stimme und exzentrischen Gesten.

Homepage: myspace.com/asinrebekkamaria


29. Dezember 2007

Musik von vorne: Bands für 2008 [2/4]

Wir wagen es und versprechen keinerlei Vollständigkeit: Hier folgt der zweite Teil des musikalischen Ausblicks auf das Jahr 2008. Teil 1 findet ihr unter folgendem Link. Zwischen Popmusik von zweifelhafter Qualität und erster Güteklasse ist dieses Mal alles dabei…
ALPHABEAT (DK)

 »In The Moonlight, On A Joyride« –diese kurze Zeile macht alles klar. Hier erwartet uns keine hochfliegende Denkerlyrik und passend dazu ist die Musik eben das, was Oma landläufig »fesch« und »beschwingt« nennt. Ein bisschen einfältig, aber jederzeit verschwenderisch ausstaffiert. Wer auf liebliche Weine im normalen Leben verzichtet, der tue das auch besser bei diesen Sloganizern. Kein simpler Beat ist zu simpel und von schlechten Reimen wird sich quasi permanent ernährt. In England wird derzeit ausgiebig getourt und der NME preist diesem Popmusik-Sechser durchaus die Zukunft. Zwischen Wham!, B52’s und Abba ist eben alles »superduber«. Und ja, auch das ist auch ein Zitat.

Homepage: myspace.com/thisisalphabeat
THOSE DANCING DAYS (SWE)

 Peter Bjorn And John, Bloc Party, Les Savy Fav – die Labelmates sprechen eine eindeutige Sprache. Das Label Wichita sucht nach Qualitätsprodukten und der Erfolg lässt meist nicht lange auf sich warten. Fünf Ladies aus Nacka, einem Vorort von Stockholm machen sich 2008 in ganz Europa auf den Weg. Entlang Northern Soul, Hammond-Pop und jugendlicher Ungeduld. Selbst die Videos strotzen vor Charme und 80s-Feeling. Die Stimmen muss man mögen, die Naivität auch. Vielleicht sind auch diese Songs im Winter verboten und entfalten erst auf saftigen Midsommar-Wiesen ihre endgültige Kraft?

Homepage: myspace.com/thosedancingdays

FRISKA VILJOR (SWE)

 Auf dem Arm hat sich Sänger Daniel einen großen schwarzen Balken tätowieren lassen. Man könnte meinen, er hat einfach eine ganze Armada an Treueschwüre an die Liebsten überstechen lassen. Ist natürlich nicht der Fall – allerdings nicht ganz abwegig. Denn mit ihrem diesjährigen Album und besonders den angekoppelten Touren haben sie auch hier in Deutschland durchaus Erfolg gehabt. Anders als die meisten Schwedenbands zeigen sie, dass sie jeden Abend auf der Bühne Spaß haben können. Mit oder ohne Alkohol. 2008 folgt Album Nummer zwei und dafür kann es nur eine Richtung geben: Steil nach oben!

Homepage: friskaviljor.net

26. Dezember 2007

Musik von vorne: Bands für 2008 [1/4]

Popmusik aus Skandinavien ist (frei nach Effi Briest) ein weites Feld. Nur wenige Bands schaffen es, sich auch in Deutschland durchzusetzen. Abseits der großen Major-Konzerne kann man die Erfolge an wenigen Fingern abzählen. Und über Erfolg entscheidet letztlich auch noch der Würfelbecher des Glücks. Wir wagen trotzdem einen Ausblick auf zwölf Pop-Bands, die 2008 von sich hören lassen. Im großen oder kleinen Kreis.
BOYS IN A BAND (FO)

 Eigentlich kennt man die Färöer nur als Gruppenletzter in der EM-Qualifikation. Musikalisch regierte dort die anachronistische Punkband »200« mit erhobenem Zepter. Was Rockmusik betraf, war sie in den letzten Jahren das Maß aller Dinge. Nun gibt sich eine Neukommerband kämpferisch. Ein paar lokale Nachwuchswettbewerbe hat sie schon gewonnen und ging auch als Sieger aus dem Battle Of The Bands hervor: Boys In A Band. Den Namen vortrefflich von einem Libertines-Titel abgelinst, versuchen sie sich nicht am Imitat – und klingen dennoch irgendwie so, wie die momentan angesagten Bands der englischen Insel. Mit scharfkantigen Gitarren und jeder Menge Melodien, die nicht ganz so plakativ daherkommen, wie von den Kollegen aus dem UK.

Homepage: myspace.com/boysinaband
EF (SWE)

 Ganz anders EF. Diese orientieren sich an den großen Epen, umgeben sich mit Wortlosigkeiten und quälen gleich dreifach die sechs Saiten. Die Abenteuer und Leidenschaften verpacken sie in höchst dramatische und schöne Postrock-Songs, wie sie sonst (mit Ausnahme der etwas ruppigeren Scraps Of Tape, die an dieser Stelle ausdrücklich ebenso empfohlen werden) nur aus den USA oder Canada kommen. Ihr Zweitling »I Am Responsible« nimmt nicht nur die Schuld auf sich, sondern gibt auch 58 herzliche Minuten offene Arme. Live übrigens ein energetischer Tornado!

Homepage: efmusic.nu

SLAGSMÅLSKLUBBEN (SWE)

 Was Madonna Anfang der 90er auf den Sperrmüll warf, haben die sechs Jungs vom Slagsmålsklubben einfach wieder herausgekramt. Alte C64-Computer, käsig überbackene Casio-Keyboards – hauptsache bunt schillernd und laut. Subtil ist anders. Mit frischem Schwung auf die Jetztzeit programmiert, starteten sie bereits in Schweden und England mit ihrem Album „Boss For Leader“ durch. 2008 wäre eine gute Gelegenheit den am Löschpapier knabbernden und Smilies fressenden Tanzwütigen auch hierzulande eine Überdosis Happy Rave zu verpassen. Dank der Einimpfung von 10 Kilo Melodien pro Sekunde ist das nämlich eine sehr spaßbringende Angelegenheit. »Sponsored By Destiny« und der furiose Kirmestechno-Abschluss »Pælsmaestaren« sind die Casio-Monolithen!

Homepage: smk.just.nu

31. August 2007

Kari Bremnes – von »LIVE« zu »REISE«

Kari Bremnes

Beinharte Fans wussten es: Kari Bremnes ließ bei ihrer letzten Tour die Bänder mitlaufen für ihr erstes Live-Album, und nun ist es da: »REISE« heißt es, was im Deutschen ebenso verständlich ist wie im Norwegischen – und viel schöner als der Titel der norwegischen Ausgabe: »LIVE«. Wie auch immer: Das Album macht sehr viel Spaß.

Songs, die die norwegische Singer/Songwriterin seit 20 Jahren begleiten, reihen sich harmonisch neben neue Vertreter: die berührenden Balladen aus der CD »SVARTA BJÖRN« ebenso wie die Vertonung von Munchs »Skrik«, der Langzeit-Klassiker »Hurtigrute« als Schlussnummer oder der wunderbar sehnsüchtige Neuling »You’d Have To Be Here« – neben »To Give You A Song« der einzige englische Beitrag.

Kari BremnesUnd neben ihren bewährten Begleitern – Keyboarder Bengt Hanssen und Drummer Helge Norrbakken – sind auch Gitarrist Hallgrim Bratberg und Bassist Sondre Meisfjord mit von der Partie – ihre volle Band also, mit der sie (aus Kostengründen?) meist nur in Norwegen tourt. Fein, denn die beiden Saiteninstrumente addieren zum Teil noch wilde Dramatik und sorgen einfach für mehr Druck. Auch wenn viele Songs den Besitzern der Studio-Alben keine neuen Interpretationen liefern: Kari Bremnes zieht den Hörer mit einer emotionalen Performance und ausgezeichnetem Sound in ihren Bann.

Außerdem werde ich nie vergessen, wie Kari Bremnes im Interview den Namen des Gitarristen aussprach: »Halllgrimmm Bratttberg. Ein typisch norwegischer Name …«, witzelte sie und forderte mich auf: »Sprich mir nach: Halllgrimmm Bratttberg!«

»LIVE« ist in Norwegen am 27. August erschienen. In Deutschland wird das Album mit dem Titel »REISE« am 16.11. in die Läden kommen.

17. März 2007

Nordische Musik

Mit schöner, beinahe wöchentlicher Regelmäßigkeit wiederholen sich Situationen wie diese: Man bekommt von einem deutschen Vertrieb oder deutschen Label eine CD auf den Tisch, die einem irgendwie bekannt vorkommt. Adjagas zum Beispiel, über die ich am 25. Juni 2006 einen Blogbeitrag schrieb namens »Die Zukunft des Joik«. Die CD hat allerdings nun ein anderes Cover (leider ohne jegliche Fotos, rechts) als die (links), die ich mir vor einem Jahr nach einiger Recherche direkt aus Norwegen kommen ließ.

Adjagas - zwei CD-Cover

Kurz reinhören: Die Musik ist identisch. Mal wieder war also unsere Entdeckerwut wesentlich schneller als die deutsche Musikindustrie. Andere, wahllos herausgegriffene Beispiele aus der jüngsten Zeit, die wir mit mindestens halbjährigem Vorsprung ans Licht der deutschen Öffentlichkeit gezerrt haben:

  • Unsere CD des Dezember von 120 Days , das in Deutschland nun am 11. März erscheinen wird.
  • Die zauberhaften Alben von Thomas Dybdahl
  • Das finnisch/berlinerische Duo Sanagi
  • die erst spät von der EMI entdeckten Retro-Rocker Mando Diao

Andererseits wird wohl die Mehrheit der bei uns besprochenen CD-Perlen unentdeckt bleiben und nie über einen  Vertrieb den Weg nach Deutschland finden.

Warum ich das schreibe? Weil es diese Momente sind, in denen mir – und ich spreche hier sicher auch für meine Kollegen – mein Job besonders Spaß macht. Weil man nicht nur auf die Veröffentlichungsflut der hiesigen Firmen reagiert, sondern schlaglichtartig einen Fokus auf das musikalische Treiben setzen kann, was in unseren skandinavischen Nachbarländern tatsächlich passiert.

So, nun habe ich keine Zeit mehr. Muss meiner neuesten Spur nachrecherchieren, einer Joikerin in Kiruna namens Yana Mangi …

 
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