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Foto nordische Landschaft

14. Januar 2007

Ich darf zitieren… (I)

I spent the winter on the verge of a total breakdown while living in Norway

I felt the darkness of the black metal bands

but being such bum of a man I didn't burn down any old churches

just slept way too much

just slept

[Gehört bei Of Montreal (US) - A Sentence Of Sorts In Kongsvinger aus dem wunderbaren Album »Hissing Fauna, Are You The Destroyer?«, VÖ 16. Februar]

06. Januar 2007

Elektronisches Schweden und schweigende Cat5

 In Retroklamotten gehüllt hat die schwedische Rockszene in den letzten Jahren für viel internationale Furore gesorgt. Die Zähne wurden gefletscht mit Tyrannosaurus Hives, Kommunistenpunk getanzt mit der (International) Noise Conspiracy und die Teenies mit Mando und Sugarplum wuschig gemacht. War sonst noch was? Gut, die melanchoschwerfüßige Singer/Songwritergarde hat auch ihre Helden hervorgebracht: Die Aströms, die González´, die Lous. Nun wird es Zeit, den Fokus ein wenig auf die Elektro-Szene zu schwenken. Denn die erlebt gerade in Schweden ihre ersten Gehversuche nach vielen Jahren auf Krücken. In den 80er Jahren verwurzelt, sind The Knife nur die Speerspitze an jungen Projekten, die viel mehr Konzerthalle als Disco anvisieren.

Und da Cat5 in jeglicher Hinsicht mustergültige Exemplare darstellen, hab ich sie einfach mal angeschrieben, ob sie nicht Lust auf ein kurzgefasstes Email-Interview über die elektronische Szene und über die Frauenrolle in der schwedischen (Pop-)Kultur hätten. Schließlich kokettierten sie auf ihrer Single »Sexy« für den an dieser Stelle bereits besprochenen Sampler »Girl Monsters« noch mit dem verbreiteten Frauenbild vieler Männer. Wie viel Wahrheit steckt dahinter? Und wie was gibt es sonst noch über Indie-Elektro in Schweden zu berichten? »Yeah, sounds great« willigten die beiden von Cat5 auch sofort ein und einen Tag schickte ich ihnen meine Fragen. Vergebens. Trotz netter Nachfragen ernte ich seit Wochen nur pure Ignoranz. Das ist ebenso schade, wie unprofessionell. Aber was tun? Schließlich steckte da schon eine gewisse Vorbereitungszeit drin, die nicht umsonst gewesen sein sollte. Was also machen mit einem Interview ohne Antworten? Wie wär´s mit: Online stellen und sich selbst Antworten ausdenken?

Es folgen also: Das allererste »Do It Yourself«-Interview zum selbst ausfüllen (okay, das ist natürlich nichts gegen den Interviewroboter der netten Kölner Band Locas In Love) und schließlich doch noch ein paar Links zum elektroakustischen schwedischen Rahmenprogramm. Scroll on!

Kompletten Beitrag lesen …

28. Dezember 2006

Soul Of A City: Owusu & Hannibal

 Am Ende des Jahres kommt die Abrechnung. Meist in Listenform und überall kommt etwas anderes unterm Strich raus, was eigentlich nur dicke imperativische Ausrufezeichen hinter den Fakt setzt, dass Musik vor allem eine subjektive Angelegenheit ist. Auch wenn einige Leute dann gerne Geschmacksunsicher- heit attestieren – nur weil es das eigene Top-Album des Jahres nicht unter die ersten 20 Plätze geschafft hat.

Von derlei Irritationen unbeeinflusst eignen sich die Jahrescharts von Magazinen im Papier- und Bildschirmbereich allerdings vorzüglich, um auf etwaige sträflich missachtete, gar übersehene Prachtexemplare hingewiesen zu werden. Platz 38 der derzeit durch Turbulenzen geschüttelten Spex ist ein solcher Fall. Denn zwischen den rachitischen Blood Brothers und den zugedröhnten Lemonheads erweckten die exotisch anmutenden Owusu & Hannibal meine Aufmerksamkeit.

 Kurze Zeit und vier Hörproben später dann die Erkenntnis: Spex hat recht. Was sich anhörte wie eher öde afrikanische Trommlerfolklore ist ein erlesen kosmopolitisches, globalisiertes Zwei-Mann-Projekt aus Kopenhagen, was das skandinavische Land mit einer donnergleichen Meldung direkt auf die Landkarte des Soul hievt. Philip Owusu erstammt einer ghanaischen Familie, Robin Hannibal ist bereits in Dänemark geboren. Beide zusammen erdenken und erfühlen ein gradioses Album, was eine Brücke vom wärmenden Soul der Motown-Ära auf die Elektronika-Ebene der Zukunft schlägt.

Urbane Beats treffen auf ihrem Debüt »Living With Owusu & Hannibal« auf weichkehlige Prince-, Brown- oder Jackson-Stimmen. Großes Musikkino ist garantiert, wenn die beiden im Dialog mit dem Sampler und seiner eigenen choralen Vielstimmigkeit die  Grenzen von Mensch und Maschine ausreizen und dabei nerdigen Pathos versprühen. Als herausragende Singles seien an dieser Stelle »Blue Jay« und »Delirium« genannt, die den beiden Freidenkern auch den Plattendeal mit dem umsichtigen kalifornischen Label Ubiquity einbrachte. Der Rest tändelt zwischen Genre-Patchworks und minimalistischeren Cosmic House-Anleihen. In dekonstruktivistischer Manier bedienen sie sich in allen Stilistik-Schubladen. Donnernder Funk, schmachtende Balladen und gechillter NuJazz verschmelzen zu einem in sich stimmigen und doch heterogenen Soulkomplex. Ein formidables Headz-Album und eine echte Entdeckung. ´tschuldigung für die Verspätung.

17. Dezember 2006

Blog-O-Dramen

 Überhaupt ist diese Bloggerei ein einziges Drama. Da hat man gut recherchierte Texte und findige und hin- und her überlegte Ideen, die Stunden und Aberstunden an Eingabe und Ausformulierung benötigen, aber nur so heraussprudeln. So etwas schreibt man vielleicht ein, zwei Mal im Monat, wenn denn das Zeitfenster zwischen Uni, Freunden und sonstigem Beschäftigungsalarm mitten in der Nacht einen Spalt weit offen steht und das passende Feierabend- und Blog-Bier im Kühlschrank lagert.

Aber dann gibt es die Tage, wo das Schreiben einen ermüdet. Wo die Welt einen anbläst mit starren Gesichtern, wo der Schreibtisch zum Abraum der Welt gehört und überhaupt alles wie klammes Tuch und bleiern auf den Schultern lastet. Und trotzdem ist da dieser innerer Drang, doch etwas auf den Monitor bringen zu müssen. Der Drang, doch mal wieder irgendwas zu schreiben, damit das Vergessen da draußen an der Blogfront nicht seine kalten Hände zum Würgegriff ausfährt. Damit hier auch an diesem Wochenende etwas passiert. Und sei es wegen des Zugeständnisses an unsere Zeit, in der alles immer, schnell, sofort und neu sein muss. Wo die Gier nach Input herrscht, und das Bedürfnis immer neue Gedanken, Motive und Textfragmente in sich hinein zu schlingen.

Es ist das Äquivalent zur täglichen Newsrunde kurz nach dem Hochbooten des Computers. Einmal die neuesten Emails aus dem Eingang fischen, die sich im Stundentakt, wie Spreu vom Weizen, abgetrennt von Volksbank-Spam und Penisverlängerungspillen bereits in der isolierte Zelle des digitalen Postfachs versammelt haben. Danach noch schnell die häppchenweise vorportionierten Nachrichten hinunterwürgen, die irgendwelche kurz angebundenen Journalisten bereithalten und wo die schlagworthaft gestauchte Überschrift oft den Text gänzlich überflüssig macht (oder sich wenigstens intuitiv mit eigenem Halbwissen auffüllen lässt und einem so prima in die Weltsicht passt). Als nächstes noch samt Kaffee und Pizza vom Vorabend die favorierten Musik- und Blogseiten mit einem überhasteten Morgenposting abhaken und dabei Tropfen aus den feuchten Haaren auf die Tastatur perlen lassen. Weil es eben sein muss. Weil es einen sonst innerlich zerreißt.

Aber die Gewohnheit macht anfällig. Fast verärgert ist man über die unverhoffte Störung in dem sonst reibungslos funktionierenden System aus traditionalistischer Routine, die fast autistische Ausmaße annimmt, und der schmeichelnden Gewissheit, der Aktualität der Ereignisse nur minimal hinterher zu hecheln, wenn sich der freundliche Mailsupport nur mit einem neutralen Smiley für den Aufruf seiner Seite bedankt oder wenn auf der Lieblingsblog-Seite immer noch der bereits vierfach gelesene Eintrag von vorgestern prangt. Da werden einem die Abhängigkeiten des User-Alltags schlagartig bewusst. Eine Erfahrung, die zwar nur kurz betrübt, aber nicht davon abhält, gleich bei der nächstmöglichen Gelegenheit wieder einmal nachzuschauen.

Dieser Eintrag ist somit lediglich die Kapitulation vor der eigenen Blog- und Schreibsucht und einzig und allein dazu da, die Sucht derjenigen zu nähren und zu befriedigen, die bereits der Abhängigkeit zum Polarblog verfallen sind.

 Weil man dachte, sie hätten auf ihrem Debüt nur vorbildlich die Instrumente gewetzt für den Todesstoß des Zweitlings, war die Spannung auf das neue Werk von Husky Rescue »Ghost Is Not Real« (VÖ: 26.01.2007) vielleicht überhaupt da. Schließlich war »Country Falls« nicht nur bei uns ein gelobter Batzen Nordpop, sondern auch sonst ein gern gehörter Gast im Rundschwung der Plattenspieler. Ganz frisch eingetroffen ist nun eine 7´´ als Vorbote des neuen Albums. Sie hört auf den heimeligen Namen »My Home Ghost« und ist eine zwischen Pop und Elektropop pendelnde Unaufdringlichkeit, die fast ärgerlich belanglos daherschlurft. Aber vorverurteilt wird bei uns aus Gründen journalistischer Sorgfaltspflicht natürlich nicht.

Deswegen lässt man sich von einem weiteren Song auf das Album vorbereiten, der gleich einmal visuelle Verstärkung anfordert. »Nightless Nights«, ein Song, der Spannung daraus schöpft, dass eigentlich nichts passiert. Ständig erwartet man einen Twist, einen U-Turn oder gar eine Wendung. Aber wieder nichts. Vielleicht muss das aber auch so sein, dass die Band im Video gelangweilt vor sich hinspielt, während der in 70er Klamotten gehüllte Rest arschwackelnd und tanzend auf der Wiese umherhüpft. Nur warum?

Überhaupt das Video. Mit ein bisschen mehr Kreativität hätte man nicht nur beim lokalen Juhannus-Fest (Midsommar) die alte Super 8 drauf gehalten, bei der sphärischen Interlude naheliegend fliegende Menschen in Slo-Motion gezeigt und zwischendurch mal das Licht ausgeknipst. Anscheinend war hier einfach nicht mehr drin. Und wenn jetzt jemand»Langeweile« gähnt, gehen uns in der Tat die Argumente aus. Aber man soll nicht sagen können, wir hätten etwas unversucht gelassen, die neuen Songs von Husky Rescue gutzufinden. Es hat einfach (noch?) nicht gereicht.

01. Dezember 2006

Robin Williamson: The Iron Stone

Manchmal bekommt man diese CDs auf den Tisch, die nicht unser Portal www.nordische-musik.de passen wollen und trotzdem irgendwie nordisch sind. So wie »THE IRON STONE« von Robin Williamson.

Robin Williamson: The Iron StoneVom ersten Ton an wird klar, dass Robin Williamson Schotte ist: Sein Dialekt und seine Phrasierung verraten ihn, aber auch die trotz aller Individualität doch folkloristische Bodenhaftung.

Und das Instrumentarium! Williamson selbst spielt vornehmlich Harfe und Flöten. Wem der Name bekannt vorkommt, den will ich nicht länger auf die Folter spannen: Man kennt Williamson durch seine Arbeit mit Bert Jansch zu Beginn der Sechziger Jahre und vor allem durch seine von den Kritikern stets hoch bewertete Incredible String Band, so dass man diesen Burschen ohne Übertreibung ein Urgestein der britischen Folkmusic bezeichnen kann.

Unter anderem fasziniert er durch seinen unkonventionellen Gesang, der manchmal mehr Spoken Word-Charakter als eine melodische Komponente hat; dann wieder gibt er durch unerwartete Tonsprünge und seine typisch zitternd gehaltenen Töne das Bild eines knorrig verwachsenen keltischen Barden ab.

Doch kommen wir zu den Begleitern: Beim Hören von »THE IRON STONE« treffen wir auf Geiger Mat Maneri, Kontrabassist Barre Phillips und den wohl weltbesten Mandola-Spieler Ale Möller, bekannt unter anderm durch seine Arbeit mit Lena Willemark, Frifot, Hedningarna-Musikern und unzähligen anderen.

Auf seiner dritten Solo-CD versucht der Schotte die Grenzen gesungener Poesie noch weiter zu weiten – er hat sich u.a. der Texte von Walter Raleigh, Tomas Wyatt und Ralph Waldo Emerson bedient, aber auch eigene Lyrik und Traditionelles flicht Williamson ein in seinen unkonventionellen Vortrag. (Das Titellied übrigens sang er schon 1968 mit der Incredible String Band.) Ihm zuzuhören ist nicht immer einfach, aber lohnend.
Und für Freunde nordischer Musik sowieso.

Im Studio

Bei den Aufnahmen im idyllisch gelegenen Mill House Studio, Abergavenny (das bis 2004 dem ehemaligen Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page gehörte): Robin Williamsson, Engineer Steve Lowe (?), Mat Maneri, Engineer-Assistant Dylan Fowler (?), Barre Phlips, Ale Möller (von links)

 
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