Home
Foto nordische Landschaft

14. Juni 2006

Grönland-Jazz

Tobias Sjögren & Per JørgensenTobias Sjögrens neue CD im Player gehabt: »UNSPOKEN SONGS«, eine Duo-CD zusammen mit dem Sänger und Trompeter Per Jørgensen, ist eine feine, leise, lyrische Jazz-Platte, die an Pat Methenys Zusammenspiel mit Nana Vasconcelos, bzw. in jüngerer Zeit mit Cuong Vu erinnert.

Beim Recherchieren auf Tobias’ Website informierte ich mich über weitere Aufnahmen, erinnerte mich daran, dass er ja auch das Projekt Northern Voices betreibt, lauschte einigen Songs und dachte mir: Dieser Mann ist eine nähere Beschäftigung wert.

Tobias Sjögren in Fell gehülltAlso mailte ich ihm mein Anliegen: Ob er mir wohl die bei uns noch nicht besprochenen CDs seiner Discografie für eine Rezension zur Verfügung stellen könne? Klar könne er mir sie schicken, mailte er freundlich zurück.

Und so erreichten mich nun also »ORD PÅ GOLVET« (eine Vertonung von Gunnar Ekelöfs Gedichten) und »THULE SPIRIT« von Northern Spirit (der Däne Christian Vuust und der Schwede Sjögren musizierten auf Grönland mit einigen der besten Trommelsängern der Arktis; sie reisten dazu in den Nordwesten des Landes nach Qaanaaq, die nördlichste Siedlung der Erde, nur 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt).

Bleibt noch sein Debüt »HYMN«, auf dem er seine Vision von elegant-wattiertem Jazz erstmalig zu Gehört brachte. »Leider habe ich jedoch von dieser CD nur noch mein eigenes Exemplar«, schrieb Tobias Sjögren. »Kann ich Dir ein Disc-Image als Toast-File auf Deinen Server laden?« Also flugs einen FTP-Zugang eingerichtet, und … go ahead, Tobias.

So einfach geht das, wenn Musiker und Journalisten zusammen arbeiten und keine Plattenfirma zwischengeschaltet ist …

29. Mai 2006

Rebekka Bakken: I Keep My Cool

Rebekka Bakken: I Keep My Cool»Oops! … I did it again«, scheint uns Rebekka Bakken da entgegen zu hauchen.

Ja, sie hat es wieder gemacht: ein zuckersüßes Album mit sinnlichen Songs gefüllt, die auf den Säulen des Jazz ruhen und doch hemmungslos mit Pop flirten und dazwischen ein ausgiebiges Schaumbad in schwelgenden Streichern nehmen.

Mit einer kompetenten Mannnschaft – darunter Gitarrengenie Eivind Aarset, Drummer Per Lindvall, Bassist Larry Danielsson und Keyboarder Kjetil Bjerkestrand – gelang ihr erneut ein Album für die halbe Ewigkeit, geadelt durch ihre katzenhaft weiche Soul-Stimme. Überwiegend langsam brandet die Musik heran, was am langsamen Start liegen könnte: Schon der zweite Track »Welcome Home«, unterfüttert von den Wiener Symphonikern, entpuppt sich als eine der eingängigsten Balladen seit Dolly Parton, die Whitney Houston immer vergeblich angestrebt hat; »What Love Is Not« legt schließlich noch eins drauf. Das Ganze könnte hie und da boshaft als Kitsch bezeichnet werden, wenn nicht der gute Aarset immer wieder mit seinen gitarristischen Irrlichtern etwas flirrenden Sternenstaub darüber streuen würde.

Wie dumm, dass wir uns bei Nordische Musik die Regel gesetzt haben, bei der CD des Monats keine Küstler zwei Mal zu berücksichtigen. Miss Bakken wäre sonst ein heißer Kandidat …

Das Album erscheint am 1. September 2006,
die Rezension dazu in Kürze bei uns.

25. Mai 2006

Verspätet trifft ein: Der Cabezas-Express aus Stockholm

 Man könnte meinen, dass in Zeiten globaler Vernetzung und multimedialer Vertriebswege Musik in Windeseile hier in Deutschland aufschlägt. Quasi wie der Billigflieger von Stockholm nach Stuttgart in zwei Stunden. Aber die Realität hat ihren eigenen Dickkopf. Denn selbst bei arrivierten Bands mit besten Kontaktgeflechten dauert es meist eine kleine Ewigkeit, bis Musik, die in Skandiland schon unlängst veröffentlicht wurde, auch in Deutschland die Plattenregale erobert.

 20 Monate ist es her, da hat das Team von Nordische Musik über den sommerfrischen Latino-Pop von Cabezas einstimmig Lobeshymnen gesungen. Der Bassist von Eskobar, Patricio Cabezas, und sein Partner Daniel Gidlund kehren die Schwermut scheinbar mühelos aus den schwedischen Heimstätten und pflanzen feurige Grooves und heischende Rhythmen gleich neben die bewährte nordische Melancholie. Dass dies eine reizvolle Kombination ist, beweist »Vivir Sin Aire«. Es gelingt ihnen eine sehr eigene Mischung aus Ausgelassenheit und Tiefgrund zu kreieren, die nun bald auch in Deutschland mit leicht veränderter Tracklist als »Legend« erhältlich sein wird. Endlich! Denn aus den zwei Stunden sind ganze zwei Jahre geworden.

Das Album »Legend« des Stockholmer Duos Cabezas  erscheint über Dustbowl Sounds genau wie die Single “Te Quiero” am 04. August.

www.cabezas.nu

19. Mai 2006

Gemeinheit …

Britta PerssonWie kann man nur so gemein sein?! Da schickt ein netter Geist aus Schweden mir ein kleines, schmales Paket, und ich mache es auf, und dadrinne ist etwas Neues von der wunderbaren Britta Persson, und mein Herz macht einen Hüpfer, und alles ist wieder, gut und jetzt kann ich auch wieder Franz Müntefering im Fernsehen ertragen und diesen Kauder und all die anderen Gangster, weil ich habe ja etwas Neues von Britta Persson, der Wunderbaren, und ich gucke genauer hin, und ich sehe noch mal und noch mal, und ich putze meine Brille, aber es hilft nichts, es ist und bleibt eine – Single!

Nur eine Single! Nur drei Minuten und neun Sekunden!

Immerhin! Eine neue Single von Britta Persson, und wie macht sie das wieder klasse, ein wunderbarer, spröder Popsong, der gar nicht popig ist und deswegen nie nie im Radio gespielt werden wird, außer vielleicht mal nachts, wenn nur die Leute zu hören, die noch Ahnung haben und es zu würdigen wissen, wenn sich Musiker wirklich Mühe geben und noch was kennen. Ganz leicht schlägt sie die Gitarre an, ein wenig schrammelig, aber mit diesem gewissen Tempo und die Stimme … ach die Stimme … und ein wenig Klavier dazwischen gestreut … und die Melodie und … überhaupt … einfach alles!

Und was lese ich auf dem Beipackzettel? Ende August erscheint die neue CD, also alles neue von Britta Persson, der Unerreichbaren, und ich überschlage, wie oft noch schlafen, bis endlich … oh Gott!

16. Mai 2006

The Real Emo

»You're a bitch-talking motherfucker,
You’re the worst cock sucker
Swore that you were true to me
Yeah – in my dreams«

Daniel Cirera lässt es raus. Ohne viel Selbstmitleid, aber auch ohne Explosion. Ein Mann mit Gitarre, der tun muss, was er tun muss! Von seiner eigenen Freundin hintergangen versucht er mit Schmerz und Herz und simplen Worten fertig zu werden. »Motherfucker Fake Vegetarian Ex-Girlfriend« heißt seine erste Single, die ihm nicht viel Airplay auf der ganzen Welt einbringen sollte – wer mag schon Songs, die aus einem Dauerpiepen bestehen? Aber ohne  Zensur steht unter dem Strich ein tagebuchvolles Album mit Geschichten, die jeder kennt. Manchmal explizit, aber doch so nah, dass seine Privataufnahmen schnell in seinem Freundeskreis die Runde machten.  Und so universell, dass bestimmt die Ex inzwischen schon demonstrativ mit anderen Männern direkt vor Daniels Augen rumknutscht. Damit auch noch genug Material für Album Nummer zwei abfällt…

– 

Das Debütalbum »Honestly I Love You *Cough*« des spanischstämmigen Schweden erscheint am 30. Juni bei EMI.

http://www.danielcirera.com

 
Seite 7 von 812345678