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Foto nordische Landschaft

24. Juli 2011

Hel(l) aktuell XII: Tuska 2011, Samstag

Enslaved-Fans am Samstag.

Moonsorrow (FIN)

Der zweite, nicht ganz so heiße Tuska-Tag 2011 (siehe Freitag) beginnt für mich erst mit Moonsorrow. Die Order an die Fotografen lautet dieses Mal: »Nur das erste Lied – das dauert zehn Minuten!«, das ganze Set eine Dreiviertelstunde. Hat jemand die Lieder gezählt?

Die finnischen Langsongfetischisten gefallen auch auf Tuska; für Details siehe Paganfest 2011.

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23. Juli 2011

Hel(l) aktuell XI: Tuska 2011, Heißer Freitag

Tuskaaaaa!

Lange angekündigt, jetzt ist es passiert: Das Tuska Open Air ist vom Zentrum (Kaisaniemi) nach Osten (Kalasaatama) gezogen: »Helvetistä Itään«. Das Gelände hat Industriecharakter, hier regieren Beton und Asphalt, keine grünen Hänge mehr zum entspannten Abhängen – dafür gibt es jetzt eine Bühne mehr, also insgesamt vier.

Schatten ist Mangelware … und das bei höllischen Temperaturen. Oder um es mit den Worten von yahoo auszudrücken: »Wo ist eigentlich der Sommer? Der Sommer macht derzeit Urlaub. Helsinki – wohlgemerkt Finnland – schwitzt aktuell bei 31 Grad und reichlich Sonne nur so vor sich hin.«

Arch Enemy (S)

Tuska 2011 beginnt für mich am Freitag erst um 15 Uhr mit Arch Enemy, die hier mächtig schwitzen. Fronterin Angela Gossow: »Letztes Mal hab ich gesagt ‘kein Regen’ … jetzt wäre ich dankbar für etwas Nässe von oben!«

Und weiter: »Finland, the hottest country in metal!«, ‘bildlich gesprochen’, verdeutlicht die deutsche Sängerin, die es schafft trotz dieser frühen Spielzeit (warum eigentlich so früh?) die Fans in ihren Bann zu ziehen.

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17. Juli 2011

Ocean Sound – Aufnahmestudio im Paradies

Mannomann. Hat nicht jeder Musizierende schon mal davon geträumt, in so einem Studio aufnehmen zu können? Direkt am Meer, schon allein der Blick aus dem Aufnahmeraum beflügelt und lässt die Kreativität fließen.

Das Ocean Sound Studio liegt direkt am Meer, auf der kleinen Insel Giske. Aufmerksam wurde ich auf die Website durch Zufall, bei der Recherche über Susanna und ihr Magical Orchestra. Die haben dort nämlich aufgenommen.

Es muss ein großartige, ein magischer Ort sein dort. Perfekt für atmosphärische Aufnahmen. Auf die wir uns jetzt schon freuen, um sie besprechen zu können.

Mehr: http://www.oceansoundrecordings.com/

16. Juli 2011

When Saints Go Machine, oder: Twittern hilft!

Besorgte Schlaumenschen wie FAZ-Obermufti Frank Schirrmacher werden nicht müde, vor den Gefahren zu warnen, die von sozialen Netzwerken ausgehen und wie angreifbar und gläsern wir uns doch damit machen. Danke für den gut gemeinten Ratschlag! Dass man seine intimsten Geheimnisse oder seine kompletten Kontodaten samt Passwörtern nicht ins Netz stellen sollte, dürfte jedem einigermaßen intelligenten Zeitgenossen einleuchten. Dass Werkzeuge wie Twitter aber hin und wieder zur besseren Kommunikation und zur raschen Klärung von Missverständnissen beitragen, fällt dabei unter den Tisch. Schade! Es gibt eine Geschichte dazu, und die hat sich so zugetragen:

Die dänischen Neo-Synthiepopper When Saints Go Machine spielen eines von wenigen, handverlesenen Deutschlandkonzerten im hochgeschätzten Heidelberger Karlstorbahnhof. Natürlich muss ich hin! Dass das Konzert erst sehr spät beginnt, weil das Heidelberger Schloss an diesem Abend melodramatisch beleuchtet und über dem Neckar ein feines Feuerwerk abgebrannt wird – geschenkt und danke!

When Saints Go Machine – ADD ENDS from Dawn Carol Garcia on Vimeo.

Dass die Dänen aber nur knappe 40 Minuten spielen, zwischen den Songs kaum den Mund aufbekommen und ohne Zugabe von der Bühne verschwinden, das verärgert wirklich. Geht gar nicht, das! Die Arctic Monkeys haben es sich mit der Polarbloggerin auf Lebenszeit verdorben, weil sie anno 2005 bei ihrem ersten Frankfurt-Konzert nach 26 gefühlten Minuten wortlos von der Bühne abtreten und mitleidlos das grelle Deckenlicht über verschwitzten Zuschauergesichtern einschalten lassen. Ich halte es an dieser Stelle mit Jane Austens Romanhelden Mr. Darcy aus »Stolz und Vorurteil«, der den schönen Satz spricht: »My good opinion once lost is lost forever«.

Einigermaßen angesäuert lasse ich die Welt über Twitter wissen, dass die Saints kein Freund von Zugaben sind. Damit könnte diese Geschichte enden. Sie tut es aber nicht. Die jungen Dänen reagieren, twittern zurück und erklären, dass sie die offizielle Vorgabe hatten, nur 40 Minuten zu spielen. Sorry. Und dass sie nicht elf Stunden von Kopenhagen nach Heidelberg fahren, um zu enttäuschen. Nun, dann geht das in Ordnung. Gut, dass wir uns ausgetauscht haben.

Und Grund genug, darüber nachzudenken, warum man oft geneigt ist, Schüchternheit mit Arroganz zu verwechseln. When Saints Go Machine stehen ganz am Anfang. Haben sich sehr viel Zeit genommen, das wunderbar verschachtelte und wie eine Wundertüte von skurillen Einfällen überquellende Album »KONKYLIE« aufzunehmen. Von dem wir alle bei »Nordische Musik« so überzeugt waren, dass wir es zu unserem Album des Monats Juli kürten. Natürlich ist es schwierig, diese sehr komplex aufgebauten Songs auf die Bühne zu bringen. Die fein zwischen Tanzbarkeit und Eigensinn oszillieren und auf eine zurückhaltende Art große Gefühle erzeugen, mit freundlicher Unterstützung wehrmauernhoher Synthesizer. Warum die 80er Jahre bei den heutigen Mitzwanzigern eine so große Faszination ausüben, gehört zu den Fragen, die wir heute nicht mehr beantworten müssen. Wir versinken lieber in den herzbrechenden Streicher-Arrangements von »Fail Forever« und der sensiblen Falsett-Stimme von Nikolaj Manuel Vonsild.

Fail Forever – When Saints Go Machine from LaFee Berde on Vimeo.

10. Juli 2011

Siinai, oder: Die Stunde des Siegers?

Draußen dräuen die Wolken über dem Odenwald. Zu diesem Naturschauspiel gehören unbedingt melodramatische Töne und überlebensgroße Gefühle. Mächtige, poetisch, bedeutungsvolle Synthesizer-Klangwelten, wie sie von Siinai erschaffen werden. Das Quartett aus Helsinki bringt in wenigen Tagen sein Debütalbum »OLYMPIC GAMES« beim neuen norwegischen Label Splendour heraus, bei dem unter anderem auch die Elektroniktanzmeister Casiokids und die Lebensangst-Popper Harrys Gym unter Vertrag sind. Wie zu hören ist, hat die bislang weithin unbekannte Band bereits mit Spencer Krug von Wolf Parade bei dessen Nebenprojekt Moonface zusammengearbeitet.

Die Finnen, die im Frühjahr bereits beim dänischen SPOT-Festival positiv auffielen, experimentieren mit einer sehr abgefahrenen Mischung aus 70ies-Synthierock in der Tradition von Vangelis, verkifftem Gegenwelten-Krautrock und Kraftwerk-Einflüssen. Pflegen lustvoll ihre karthatischen Höhepunkte, wie sie Blender-Rocker wie The Cult nicht besser hinbekommen würden. Suhlen sich in der endlosen Wiederholung immergleicher psychedelischer Klangfolgen, nur um triumphierend in Übergröße-Gesten zu explodieren. Betreiben ein Spiel mit Andeutungen, Zitaten und falschen Fährten. Das Video zu »Anthem Part1&2« ist ein Schatzkästlein für Schrullige, die gerne heiteres Symbole-Raten betreiben.

Der Albumtitel ist selbstredend eine Anspielung auf den legendären Oscar-Gewinner des Jahres 1981, »CHARIOTS OF FIRE«, in dem es um die Olympischen Spiele des Jahres 1924 geht und für den Vangelis einen Oscar für die beste Filmmusik gewann. Ich muss gestehen, dass ich »DIE STUNDE DES SIEGERS« alle paar Jahre wieder in nostalgischer Stimmung aus der Stadtbücherei ausleihe und den überwältigendem Synthie-Sound und die auf wahren Begebenheiten basierende Tränendrüsen-Mär von Freundschaft, Glaube und Verzicht goutiere.

 
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