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Foto nordische Landschaft

15. September 2011

R.I.P. Hole In The Sky: Samstag – »A Perfect Vision of the Rising Northland« mit Enslaved, Mayhem, Immortal

True Norwegian Black Wheather.

Samstag, 27. August 2011. Der letzte Tag des letzten Festivals beginnt, noch höchstens acht Sunden und Hole In The Sky ist endgültig Geschichte (Hier geht’s zum Freitag).

Helheim haben um 18 Uhr die Ehre den rein norwegischen Abschiedstag einzuleiten. Die Viking Metaller, die im Mai 2008 musikalische Früherziehung im Kindergarten praktizierten, spielen hier leider, leider nur eine halbe Stunde. Wer mehr hören will, sollte sich »HEIÐINDÓMR OK MÓTGANGR« zulegen.

Virus trifft leider nicht ganz meinen Geschmack, ich warte und freue mich auf Enslaved. Deren aktuelles Album »AXIOMA ETHICA ODINI« mein Album des Jahres 2010 wurde. Die ich diesen Sommer bereits zweimal gesehen habe: Auf Tuska, als verdiente Headliner auf der EMP-Bühne (der bessere Auftritt) und auf dem Summer Breeze, wo sie am Freitag viel zu früh gespielt haben (der schlechtere Auftritt). Und deren besten Auftritt 2011 ich jetzt sehe.

Die Bergener um Sänger und Bassist Grutle Kjellson haben hier ein furioses Heimspiel. In ihrer Stadt, auf ihrem Festival präsentieren sie ihre komplette Bandgeschichte zwischen Black metal und Avantgarde, mit Stücken von der ersten EP »HORDANES LAND« über »FROST«,»BELOW THE LIGHTS«, »VERTEBRAE«, »RUUN« und »ISA« bis zu»AXIOMA ETHICA ODINI«. Geil!

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12. September 2011

R.I.P. Hole In The Sky: Freitag – »The Dawn of a New Age« mit Satyricon, Nifelheim, Ghost

True Norwegian Black Candle


Requiescat in pace: Die zwölfte Ausgabe des Hole In The Sky-Festivals vom 24. bis 27 August 2011 im norwegischen Bergen ist zugleich die letzte. Aus. Schluss. Vorbei. Eines der besten (Black Metal) Festivals ist Geschichte.

Und ich wage zu behaupten Hole In The Sky 2011 bietet eines der besten Line-Ups in der Geschichte des Festivals, wenn nicht das Beste. Für »The Last Supper« stellen die Organisatoren DIE norwegischen Black Metal-Bands auf die Bühne: Satyricon, Immortal, Enslaved und Mayhem – oder was davon überlebt hat.

Die schwedischen Headliner Marduk am Mittwoch im Club Garage habe ich leider ebenso verpasst wie die norwegischen Wardruna im Logen Teater, da ich erst am Freitag auf das Festival gehen kann. Auch Archgoat (FIN), In Solitude (S) und Devil (N) hätte ich mir gerne angeschaut.

Den Anfang machen für mich also am Freitag, 26. August 2011, im USF Verftet die amerikanischen Negative Plan – die allerdings ungehört an mir vorbeigehen: Die Schlange am Akkreditierungsschalter ist seeehr lang, und die Spielzeit der Amis beträgt nur eine halbe Stunde.

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11. September 2011

Die anderen zehn Jahre: The Rollstons

Genug! Genug! Wenn ich heute noch ein einziges Mal in Wort, Schrift oder Bild die beiden Worte »Nine Eleven« höre oder sehe, greife ich zum Nudelholz! 2001 gab es noch andere Orte als New York, in denen sich Dinge ereignet haben. Vielleicht nicht so weltgeschichtlich bedeutsame (wie es der Westen glaubt), aber denoch: Vor zehn Jahren haben einige blasse Jungs in Jyväskylä ihr erstes Album »DOING TIME« aufgenommen, ein auf auf charmante Weise dilettantisches Werk voll des selbstbewusst-ironischen Understatements. Die jungen Herren wurden, so die Fama, auf klassische Weise irgendwo zwischen heimischem Wohnzimmer und Aufnahmestudio aktiv und nannten sich The Rollstons. Fein mögen sie schon den Gedanken im Hinterkopf gehabt haben, dass man es mit solch einem Bandnamen nicht zu internationaler Berühmtheit bringt. Dergleichen Dinge haben die Musiker aus der Provinz vermutlich vor zehn Jahren genauso wenig interessiert wie heute. The Rollstons, das Projekt um die Gebrüder Valo, hatte offenkundig jede Menge Pavement- und Guided-By-Voices-Platten gehört und wohl frech daraus geschlossen, dass sich zwei Dinge nicht ausschließen muss: Das Spaßhaben und das Schlausein. Und sind im Eifer der künstlerischen Inspiration auf auf solch eigenwillige Songtitel verfallen wie »Weekdays Are Schooldays, Weekends Are Mine« (in dem sie dem unvergessenen Ronnie James Dio ein Denkmal setzen!) oder »Still Life With Garlic And Onion«.

Zehn Jahre ist das her jetzt. Zum Jubiläum haben die Jungs (inzwischen übrigens alle brave Familienväter!) das Debütalbum in seiner Gänze auf Soundcloud online gestellt. Und werden es beim Monsters-of-Pop-Festival in Tampere in zwei Wochen nochmals komplett live spielen. Wohl mit dem gleichen Spaß an spaßigen Indiepop-Eigenbröteleien, den sie vor einer Dekade hatten.

Doing Time by The Rollstons

Die Rollstons mögen seit zwei, drei Jahren nichts mehr Neues auf die Beine gestellt haben, aber bange muss einem um die Zukunft des folkigen Indiepop im Seengebiet nicht werden. Da gibt es The Wonderminers aus Helsinki, die katzenpfötiger und melancholischer daherkommen als die Altvorderen und die feine graublaue Traurigkeit wie ein Banner hochhalten. Die aber auch wissen, dass ein treuer Gaul auch ab und zu mal galoppieren muss. Das Trio pflegt ansonsten die Kunst der Bescheidenheit mit Hingabe und hat kürzlich mit »MY PART OF TOWN« seine Debüt-EP vorgelegt.

Stars In The Window by The Wonderminers

Aus dem Gebiet um Tampere kommt Jukka Ässä, das Projekt um Jukka Salminen, der bei verschiedenen lokalen Bands mitgespielt hat, unter anderem bei den Tigerbombs (was ist eigentlich aus den geworden?) Bei Jukka Ässä mischen praktischerweise die Freunde von den Tigerbombs und den Rollstons mit. Was hier den Unterschied macht, sind die konsequent auf finnisch eingesungenen Texte – und die melancholische urbane-Verlierer-Attitüde, sehr handgemacht und mini-melodramatisch. Schön für die Zeit kurz vorm Einschlafen, fein dosiert zurückgenommen, und der Blick über den Hafen ist weit und blau glitzernd.

04. September 2011

Katzengesang mit Hasenmaske: Sleep Party People

Wenn Katzen singen könnten, dann würde sich das möglicherweise so anhören wie die schrägen, unberechenbaren Töne von Sleep Party People. Was Katzen als nächstes tun, lässt sich ebensowenig vorhersagen wie die Kapriolen, auf welche die drei Dänen verfallen könnten. Katzengesang ist hier nicht im Sinne von Katzenmusik gemeint, sondern eher in Bezug auf falsettbetonte Unberechenbarkeit. Sleep Party People erschaffen elektronische Kunstmärchen, die nicht weniger hintergründig ausfallen als das Gesamtwerk von E.T.A. Hoffmann oder Wilhelm Hauff. Also sehr 19. Jahrhundert, sehr romantisch sich in lichten Weiten verlierend, auf der Suche nach der unerreichbaren blauen Blume. Das Unheimliche schleicht sich aber hier hinterrücks heran wie ein bucklig Männlein ins Plüsch-Melodram. Nur dass die genialischen Künstler hier mit Laptops daherkommen und hochartifizielle, gleichwohl maunzige Gegenwelten erschaffen. Die Elektronik ist die neue, die wunderliche Innerlichkeit.

SLEEP PARTY PEOPLE – A Sweet Song About Love (by Tracy Maurice) from Brian Batz on Vimeo.

Nun denn! Bei ihrem Konzert in den Schwanengesangtagen des Offenbacher Hafen 2 (wird abgerissen, die Finanzierung des Neubaus ist gerade zur Hälfte geschafft, wem die Erhaltung von Indiepopkultur im besten Sinne am Herzen liegt, der möge bitte spenden!), hüllen sich die drei Protagonisten in schwarze Hoodies und Hasenmasken, mit sachte wippenden Ohren, was einen durchaus die Musik unterstützendes sanftes, lautloses Rauschen erzeugt. Einfach zu goutieren ist es nicht, was das Trio, angeführt von Mastermind Brian Batz, hier erzeugt: Eigenwillige Neuinterpretation, die selbst vor dem abgegriffensten Kitsch nicht zurückschreckt. Der Blick ins Youtube-Schatzkästlein ergibt, dass Sleep Party People tatsächlich eine pianodominierte Interpretation von Stille Nacht, Heilige Nacht eingespielt haben! Darauf verzichten die Drei aus dem Königreich im Spätsommer weise, um uns auf anderen Pfaden auf Abwege zu locken, so wie die Hexe die verirrten Kinder per Pfefferkuchenhaus in die Falle dirigiert. Mit Sirenenstimme, in diesem Fall!

Ohne Vocoder wäre Brian Batz so nackt wie Juliette Gréco ohne Lidstrich. Die Lust am Verfremden, sie steckt an ihrem Spaß am Schaffen von Paralleluniversen, die süß locken wie die Loreley. Herr Batz gestikuliert und fleht die Soundmänner an um mehr Licht, um mehr Wärme, um mehr Präzision an. Vor 20 Zuhörern an einem Wochentag, an dem der Mond über dem Main schief hängt wie eine kullernde Weinflasche. Man fremdelt zunächst mit dieser sehr künstlichen, sehr gefühligen Musik, den artifiziellen Tönen, der spielerischen Versteckerei. Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem sich die Leidenschaft hier glutvoll einschleicht, die großen Gefühle mannshoch werden, und man sich bedingungslos ergibt und denkt, dass Andeutungen und nicht Tatsachen das Herz schneller schlagen lassen. Man kann es nicht wirklich greifen, was sich hier tut. Es ist dekadent, es ist überzüchtet, es ist merkwürdig und es ist irgendwie großartig.

Sleep Party People – Notes To You from Speed Of Sound on Vimeo.

28. August 2011

Tv-Resistori: Oder Überraschungen, Enttäuschungen und Hoffnungen

Abends um neun ist es so gut wie dunkel hierzulande. Eine Ahnung von Herbst liegt in der Luft. Man denkt sich so dies und das. Dass es in Helsinki um diese Zeit noch hell war. Und dass für das städtebauliche Entwicklungsgebiet am alten Fischereihafen Kalasatama zwar für die Zukunft ehrgeizige Hochhäuser geplant sind, aber heute mitten in der Brache improvisierte Gigs und Kunstaktionen im Bauwagen stattfinden. Unbedingt hingehen! Einfach U-Bahnhof Kalasatama aussteigen samstagabends und Richtung Meer schlendern. Nicht zu verfehlen!

Man denkt an Plattenläden, die in Helsinki und Turku trotzig weiter existieren, obwohl der Tod des Tonträgermarktes schon vor fünf Jahren ausgerufen wurde. An den tapferen Stupido Shop in Helsinki und den wunderbar kruscheligen 8raita in Turku, den man doch nicht ohne Käufe verlassen kann. Wobei sich der eine Kauf als Enttäuschung und der andere als Freude erweist. Die Enttäuschung heißt Siinai: Das Album »OLYMPIC GAMES« der finnischen Vangelis-Jünger kann die eigenen Ansprüche nicht mehr als ein, zwei Songs halten und versinkt dann in Mittelmaß, gar Beliebigkeit. Schade, von einem Album, an den zwei von drei Mitgliedern der wunderbaren Neo-Krautrocker Joensuu 1685 mitwirken, hätte man sich mehr erwartet. Überhaupt: Was ist aus Joensuu 1685 geworden? Letztes Lebenszeichen: Das Eurosonic-Festival in Groningen vor anderthalb Jahren, oder so ähnlich.

Die Überraschung heißt Tv-Resistori. Das schrullige Lo-Fi-Pop-Quartett aus Turku war lange in der Versenkung verschwunden und ist jetzt endlich mit einem selbst betitelten Album wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Mit charmantem, zurückgenommenen Alltagspop, aus dem die Funken stieben wie aus dem Ende von Dumblodores Zauberstab. Es ist Gebrauchspop, notwendig wie der dicke Schal an kalten Wintertagen. So selbstverständlich, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, sondern ihn einfach entschieden nochmals um den Hals schlingt bei Der lebt von den feinen Girl-Boy-Harmonien von Yka und Päivi. Die sich viel Raum lassen. Fünf Jahre lang haben die vier gewerkelt, sich hörbar von südlichem Geflirre beeinflussen lassen, denn ein blasser Bossa-Nova-Takt steppt durch die taubengrau sanften Songs. Die fein gewebt und geradezu elegant daherkommen und trotzdem selbstbewussten Eigensinn verströmen. Die eine unterschwellige Traurigkeit pflegen, die sich am ehesten noch in Kopotan Puuta manifestiert, dem vielleicht schönsten Song des Albums. Zu dem man lächeln, tanzen und gleichzeitig eine kleine Träne verdrücken möchte.

Tv-resistori: Koputan puuta by Fonal Records

Man sitzt zuhause am Schreibtisch, schaut aus dem Fenster und freut sich, dass der Turm auf der Ludwigshöhe so schön erleuchtet ist. Und man denkt an die besten finnischen Bands, die man auf dem Flow Festival in Helsinki gehört hat. Und dass man eine davon demnächst auf Deutschlandtour live auf erleben kann, nämlich Rubik, die immer besser werden, in dem sie sich in eine Richtung wandeln, die die Grenzen des traditionellen Indierocks souverän sprengen. Ob sie beim Konzert in Offenbacher Hafen 2 auch mit zwölf Mann und allerlei Blaswerk auf der Bühne stehen werden, bleibt abzuwarten. Als sicher kann gelten, dass Sänger Artturi Taira immer mehr zum Waldschrat mutiert, fein!

Und man denkt an die Bands, die man wohl auf absehbare Zeit hierzulande nicht hören wird. Wie die Melodrama-Träumer Magenta Skycode, die beim Flow auf der Hauptbühne spielen und mit den großen Gesten der üppigen Gefühlswelt von Sänger Jori Sjöroos punkten. Herzschmerzpop in Cinemascope, balladig, himmelhoch jauchzend, ebenso überwältigend wie massenkompatibel. Wobei massenkompatibel durchaus als Kompliment gemeint ist. Und man wundert sich doch sehr, warum es Magenta Skycode noch nicht über den finnischen Markt hinaus ins restliche Europa hinunter geschafft haben. Nur weil ihre beiden Platten noch nicht hier unten erschienen sind?

Und man denkt ganz zuletzt an Nightsatan und ihren ersten Auftritt auf dem Festival – die vier sympathischen Synthie-Dunkelmänner, die eifrigen Jünger von John Carpenter, Vangelis und Goblin. Die wüste Weltuntergegangs-Szenarien entfachen, aber überaus lächelnd, selbstironisch, dickmäuilig und sehr tanzbar. Bitte irgendwann auch mal den Rest der Welt beglücken!

Nightsatan – Karelian Starmaster (Evil Lucifer) by antonbeschekov

 
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