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Foto nordische Landschaft

08. Juli 2006

Das Polarblog-Mixtape

 Erst gerade hab ich den Tipp bekommen: Einen der schönsten Campingplätze Schwedens findet man am östlichen Vänern-Ufer bei Hällekis zwischen Mariestad und Lidköping. Camping »Kinnekulle« heißt er. Einige der schönsten Songs für den Campingsommer findet Ihr hier – zum Teilen und Liebhaben. Und natürlich, um passend den Sonnenuntergang am Vänern genießen zu können. Dabei sind einige schon bekannte Künstler und viele Newcomer, die durch ihre Frische, ihren Charme oder Einfallsreichtum bestechen.  

Wenn Euch die Songs gefallen, unterstützt bitte die Künstler und kauft ihre Alben. Sie haben es verdient.

05. Juli 2006

Skatebård fahren in Bergen

Bergen und seine Elektroszene. Was kommt nach Röyksopp und Xploding Plastix? Längst werden mehr Impulse aus Oslo oder Trondheim gefunkt und Bergen verliert derzeit ein wenig seinen Status der Musikhochburg Norwegens, der sich vor allem auf die Kings Of Convenience gründete, deren Frontmann Erlend Øye sich inzwischen mehr in Berlin rumtreibt, als in seiner Heimatstadt.

Trotzdem stimmen die Rahmenbedingungen in Bergen. Klar, bei so viel Regen. Der hohe Anteil an kulturhungrigen Studenten, Bars, Clubs und Plattenläden (bei Mikal Tellé laufen die Fäden zusammen) haben ein feinmaschiges Netzwerk ermöglicht, das die Synergieeffekte bestens zu nutzen vermag  Die Szene ist überschaubar und die musikalischen Perspektiven immer noch exzellent, was auch an der Unterstützung der Regierung liegt, die mit diversen Förderprogrammen und Studiengängen einen Löwenanteil am Erfolg der norwegischen Künstler hat. Das Musikmag Intro hat hier einen ausführlichen Bericht zum »Pop aus den Fjorden« veröffentlicht. Wann schickt mich eigentlich mal jemand auf investigative Dienstreise nach Norwegen?

Dann könnte ich aus erster Hand bestätigen, was aus diversen Quellen sowieso bereits bekannt ist. Skatebård ist als DJ ein gefragter Mann und in Bergen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit »Skatebording Was A Crime (In 1989)« debütierte er vor wenigen Jahren – eine EP in ziemlich klassischer House-Prägung. Damals erschien eine weitere EP auf dem Tellé Records-Sublabel Tellektro, was zwischenzeitlich aber wieder eingestampft wurde. Jetzt ist Digitalo Enterprises das neue Zuhause. Das zweite selbstredend, neben dem Großraumtanzflur.

Mit »Midnight Magic« (VÖ in Deutschland steht noch aus) gibt es seine New Age-Disco-Tracks nun auch auf Langspieler – zwar keine ganze Nacht lang, aber das kann ja noch kommen. Recht minimalistisch geht es dazu, es tönt aufgeräumt, fast ein wenig unnahbar. Groove nennt es die besten Italo-Disco-Songs des Jahres und attestiert Sehnsuchtsfülle. Fest steht: mit den dicken Hosen der Skatebord- und Graffiti-Generation wird zu jeder Zeit gebrochen, vielmehr verkriecht sich Baard Lødemel in die hintersten Ecken der instrumentalen Clubmusik, die er mit flockigen Trance- und Easy Listening-Anflügen für sich kuschelig genug zu gestalten vermag.

30. Juni 2006

Verlosung: Daniel Cirera für lau!

 Mädels, was ist nur mit euren Prinzipien los…? Wart ihr nicht mal gegen Typen, die mit aus dicken Hosen geschüttelten Weicheisongs über ihre bösen bösen Exfreundinnen bei euch punkten wollen? Habt ihr nicht gestern noch geschworen, jeden Flip-Flop-tragenden Gitarrenschmachter hochbogig von der Rockkante zuschubsen? Wolltet ihr nicht dem nächsten besserwisserischen Sonnenuntergangsliederschreiber zehnfach ausgeführt an den Kopf tackern, wohin er sich seinen Strandsand rieseln lassen kann?

Ja, wolltet ihr – bevor euch ein schwedischer Halbspanier auf Weltenbummlerpfaden einen Song vor die Tür gelegt hat, den seitdem nicht nur Eure, sondern auch meine Fußmatte allmorgendlich mitsummt. Eine Melodie, zu der wir beim Zähneputzen in den Spiegel flöten, beim Autofahren lenkradtrommelnd vor uns hinpfeifen und mittags in der Mensa die Hähnchenkeulen tanzen lassen. Und dazu ein Text, der direkter aus sämtlichen gebrochenen Herzen dieser Welt spricht, als es all die Platten in »L wie Liebeskummer«-Regal jemals könnten. »Motherfucker – Fake Vegetarian Ex-Girlfriend« ist längst das Sommergefühlslied des Jahres, logisch!

Dass der smarte Folkpopper weitaus mehr drauf hat, als sich für einen einzigen Hit bewundern zu lassen, ist dann auch nur noch so lange Floskel, solang man nicht das Album »Honestly I Love You *cough* « kennen- und ins Herz schließen gelernt hat. Denn keiner der entspannten Strandgitarrensongs braucht sich vom Exfreundinnenabrechnungsohrwurm zu verstecken – und live ist ein Abend mit Daniel Cirera und seiner Band sowieso mindestens einen ganzen Sommer lang. Wer noch zweifelt, den überzeugt der Schwede beim exklusiven Radiokonzert der CampusRadios NRW im Cubanova in Münster höchstpersönlich. Also weitersagen, hingehen, Prinzipien vergessen!

Daniel Cirera (exklusives Radiokonzert)
17.07.2006, Cubanova, Münster
Einlass: 20:30 Uhr / Beginn: 21:00 Uhr

Es gibt für dieses Konzert keine Karten im freien Verkauf. Nordische Musik und das Polarblog verlosen 5×2 Gästelistenplätze. Schreibt einfach über das Kontaktformular eine Mail an Markus mit dem Betreff Cirera-Verlosung.

29. Juni 2006

Wo ist Erlend Øye?

Ein bisschen aus dem Blickfeld verschwunden ist der verwuschelte Rotschopf, der nachdenkliche Hornbrillenträger und introvertierte Berlin-Freund. Das Aushängeschild der Bergener Quiet-Is-The-New-Loud- Proklamation. Dabei dürfte ihm weniger langweilig sein, als man gemeinhin annehmen würde. Folgen wir also mal ein bisschen Erlends letzten Spuren. Die sind nämlich viel frischer als das letzte Kings Of Convenience-Album, was vor genau zwei Jahren Geburtstag feierte. Oder seine Homepage, die Brachland in der Mongolei in nichts nachsteht. Wo also ist der musikalische Tausendsassa?

 Aufschluss gibt seine Leidenschaft für pluckernde Beats, die er mit dem Remixalbum »Versus«, seinem Soloalbum »Unrest« (2003) und dem DJ-Set für die DJ-Kicks-Reihe des !K7 Labels auch öffentlich unter Beweis stellte. Berlin mag er. Und Elektro. Eine Gleichung, die unweigerlich zu dem Projekt The Whitest Boy Alive führt. Noch nie was von gehört? Logisch, denn das elektropoppige Debüt soll erst im September hier in Deutschland veröffentlicht werden – mit Erlend an den nerdigen Vocals. Reinhören ist hier gestattet, kaufen geht bereits günstig an dieser Stelle. Was immer dieser Mann anpackt oder seine Stimme drüber bettet – es wird eine Ohrenschmaus! Live erleben kann man diese deutsch-norwegische Kollaboration übrigens unter anderem Mitte Juli auf dem Dour-Festival in Belgien, was mit einem fairen Eintrittspreis und vier Tagen feinster musikalischer Untermalung aufwarten kann.

Aber hey! Ein Projekt, das kann doch nicht sein Ernst sein? Natürlich nicht. So zupft Erlend ein bisschen  Gitarre auf dem aktuellen Album von Schneider TM »Škoda Mluvit« (lohnt alleine wegen »Caplets«, einem der besten Songs des Jahres) und trällert ein wenig auf dem neuen Album von Jimmy Tamborello (DNTEL, The Postal Service), der unter der Drittidentität James Figurine (leidet der gute Herr eigentlich unter Verfolgungswahn?) gerade mit »Mistake Mistake Mistake Mistake« ein leicht technoides, aber wunderbares Tanzalbum abgeliefert hat.

Man wittert förmlich den Angstschweiß der Verehrer der folkigen Ditties, der schmachtenden Akustikverehrung. Macht Mr. Øye jetzt nur noch in elektronisch? Aber keine Angst: die Kings Of Convenience sind noch nicht in der Ablage mit dem Altpapier gelandet. Schließlich braucht jeder Ausgleich irgendwann mal einen Ausgleich. Wer allerdings nicht ins Baltikum fährt oder nach Norwegen, der hat schlechte Chancen, die Kings in diesem Sommer live zu erleben. Aber irgendwann gibt es ganz sicher auch wieder eine Deutschlandtour. Beim dritten Album. Man munkelt schon: es tut sich was!

28. Juni 2006

Ruisrock hat ein Herz für Fussballfans

Am 9. Juli schlägt die Stunde der Wahrheit. Was ist wichtiger: Eines der besten Sommerfestivals in Finnland, nämlich Ruisrock, oder das Finale der Fussball-WM? In anderen Worten: Morrissey oder Ronaldinho/Ballack/Beckham/Zidane oder (bitte nicht !) Totti? Das treibt den wahren Fan beider Kunstrichtungen an den Rand der Verzweiflung.

Zum Glück ist in Finnland die Kunst des Konsens wunderbarerweise weit verbreitet. Obwohl die Finnen meines Wissens zero Mal an einer WM teilgenommen haben, zeigen sie Verständnis für diese akute Notlage. Also: Klar gibt es das Finale live auf der Großleinwand, und der Rest des Programms läuft leicht zeitversetzt anschließend weiter. Kein Problem! Vielleicht sehen wir ja Herrn Morrissey unter der Schar der Fussball-Aficionados. Und die Backyard Babies neben den Crash-Bubis im Publikum. Auf jeden Fall: Mein Sonntag der 9. Juli ist gerettet! Ohne Grundsatzentscheidung!