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Foto nordische Landschaft

06. Juni 2006

666

Wo bleibt die Welle der Black Metal Alben die am heutigen dämonischen Datum 6.6.6 veröffentlicht werden?

05. Juni 2006

Herzensbrecher

Darf die Kritikerin schwärmen? Bei Konzerten einen verklärten Blick haben und ein himmlisches Lächeln im Gesicht? Ja klar, sie darf. Finde ich. Vor allem wenn es sich um Tiger Lou handelt. Wie Herr Kellermann und seine Band es jedes Mal schaffen, noch ein Stückchen besser zu sein als beim letzten Konzert…das ist erstaunlich. Und ganz wunderbar.

Heimspiel in Darmstadt, in der heimelig-heruntergekommenen Atmosphäre der Oetinger Villa, einem wilhelminischen Schauerschloss, wo sich Werwölfe und schlafwandelnde Jungfrauen wohlfühlen dürften. Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, geprägt durch seinen improvisierten Charme, immer wieder bedroht durch städtische Begehrlichkeiten.

Firefox AK. die Band von Kellermann-Gattin Andrea, beginnt den Abend. Wirkt gereifter, kompakter, auf dem Weg zu sich selbst als Band. Spielte Andrea im vergangenen Jahr noch allein, nur begleitet von allerlei technischem Schnickschnackgerät, hat sie heute Keyboarderin und Bassisten dabei. Noch fehlt der letzte Funke, um wirklich mitzureißen. Aber die kleine Frau steht selbstbewusst auf der Bühne, ist härter geworden, gewachsen als Sängerin. Das kann noch was werden. Und zum letzten Song springt noch ein schmaler, blasser junger Mann im kreuzbraven karierten Hemd auf die Bühne und singt Backup. »Hoffentlich tauscht Tige Lou sein Hemd noch aus, das ist ja furchtbar«, maunzt meine Freundin Sabine.

Rasmus Kellermann tut ihr den Gefallen und erscheint wie der Rest von Tiger Lou in schwarz auf der Bühne. Und sämtliche Kritik an Äußerlichkeiten wird unerheblich. Das zweite Album »THE LOYAL« bildet das Rückgrat des Abends. Heftiger, emotionaler, rockiger als der sanftere, verträumtere Erstling »IS MY HEAD STILL ON?«. Tiger Lou, der unermüdliche Tourer, hat in den letzten Jahren ein Fundament gelegt. Das Darmstädter Publikukum singt mit, tanzt und feiert die Schweden, die als Band in den letzten Monaten noch stärker zusammengewachsen sind. Aber geprägt sind durch Intensität, Talent und Ernsthaftigkeit von Kellermann, der die Zuneigung des Publikums heftig erwidert, sich die Seele aus dem Leib singt, zwischendurch gekonnt mit den Konzertgängern flirtet. Von dem ein Strahlen ausgeht, das sich auf den ganzen Saal überträgt. »Er bricht uns doch jedes Mal das Herz«, sagt Sabine, lächelnd, nassgeschwitzt wie der Rest des Publikums. Nichts anderes haben wir erwartet.

Bitte bald wiederkommen. Von euch kriegen wir so schnell nicht genug.

04. Juni 2006

Spiel’s noch einmal Sam!

 Es gibt Alben, die beinhalten einfach zu viele Hits. Das Franz Ferdinand-Debüt ist so ein Beispiel. Mit »Darts Of Pleasure«, »Michael«, »Take Me Out«, »This F-F-Fire« und »Matinee« koppelte man im lustigen Dreimonats-Takt eine Single nach der anderen aus. Fünf Singles out of elf.

Man könnte meinen, ein unschlagbarer Rekord. Aber da haben die diagonalfrisierten Wave-Popper aus England die Rechnung ohne die Shout Out Louds aus Schweden gemacht. Hier die unglaubliche Chronik einer unglaublichen Diskographie.

2003: erste EP »100°«, inklusive zwei weiteren, späteren Singles und einem Albumtrack.

2003: »Hurry Up Let´s Go« erscheint in Skandinavien.

2003: »Shut Your Eyes«-Single.

2003: Das Debütalbum »Howl Howl Gaff Gaff« mit elf Tracks erscheint in Skandiland.

2004: Mit »Please Please Please« erscheint bereits die vierte Single, »Shut Your Eyes« gibt´s noch mal in einer anderen Version gratis oben drauf.

2004: Mit »Very Loud« und »Wish I Was Dead« erscheinen Singles fünf und sechs als Double A-Sides.

2004: Mit der »Oh, Sweetheart«-EP erscheinen drei unveröffentlichte Tracks, juchee!

2005 kommt »Howl Howl Gaff Gaff« auch international auf den Markt – mit elf Tracks, davon zwei eingeschummelte von der »Oh, Sweetheart«-EP.

2005: »The Comeback« wird internationale Single, nach »Please Please Please«. Der siebte (!) ausgekoppelte Track des Ursprungsalbums. Die B-Seite der Vinyl-Version stammt von der skandinavischen Version des Albums.

2005: »The Comeback« kommt abermals als Vinyl-Remix: der tanzbodenfüllende »Big Slippa RMX von Ratatat«. 

Nach »Very Loud« auch als internationale Veröffentlichung steht nun im Juni 2006 eine weitere EP an. Man konnte hoffen, dass die Band vier Jahre nach den aller ersten Aufnahmen inzwischen weitere Tracks geschrieben hat. Und ja! Ein bisher unveröffentlichter Song, und zwar »I Meant To Call« schafft es tatsächlich auf die »Combines EP«, die sonst mit schmucken Remixen von, logisch, alten Songs aufwarten kann oder gleich mit alten Remixen von alten Songs. Ein weiteres Häppchen für die Meute. Ob man davon satt wird?

Maximale Verwertung – bei den Shout Out Louds steht das an der Tagessordnung. Elf Tracks auf dem Album, sieben Singles, siebzehn (!!!) unterschiedliche Veröffentlichungen mit insgesamt zwanzig Songs. Das schafft nicht jeder. Falls also jemand Experten für neues Recycling-System braucht – die Shout Out Louds warten auf ihren Anruf!

Die Shout Out Louds haben gerade ihre Headliner-Tournee beendet und sind im Sommer noch für sechs Festivals in Deutschland. Die Nordische Musik-Rezension des immer noch aktuellen Albums findet ihr hier. Ein genaue Release-Datum für die EP hier in Deutschland steht noch aus.

02. Juni 2006

Skandinavien ist Weltmeister …

Sieger… zumindest in bestimmten Disziplinen.

Das Greenpeace Magazin hat anlässlich der nahenden Fußball-WM in seiner Mai-Ausgabe zusammengestellt, welche Länder in Bereichen wie Umwelt, Soziales und Menschenrechte vorbildlich handeln.

Und wie nicht anders zu erwarten haben unsere nordischen Nachbarn da die Nase ziemlich weit vorn.

  • Beim Frauenanteil im Parlament belegen Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark die Plätze 2 bis 5, lediglich überrundet von Ruanda. Deutschland liegt auf Platz 16 von 187.
    (Quelle: Interparlamentarische Union, 2/06)
  • Anfälligkeit gegen Korruption: Hier thront Island auf Platz 1, gefolgt von Finnland (2), Schweden (6) und Norwegen (8); Deutschland immerhin noch auf Platz 16 von 159.
    (Quelle: Transparency International, 2005)
  • Bei der Pressefreiheit teilen sich Dänemark, Finnland, Irland, Island, Niederlande, Norwegen und Schweiz den ersten Platz, während Deutschland sich mit Nummer 18 zufrieden geben muss.
    (Reporter ohne Grenzen, 2005)
  • Internetzugang – klar, da punkten sie: Island auf Platz 2 (überrundet von Neuseeland), Schweden auf Platz 3, Finnland auf Platz 9. Deutschland dümpelt recht recht abgeschlagen auf Platz 28 von 205.
    (Quelle: International Telecommunications Union, 2006)
  • Norwegen steht auf dem Siegerpodest für Entwicklungshilfe, knapp dahinter Dänemark auf Platz 2 und Schweden auf Platz 4 (Deutschland auf 11).
    (Quelle: Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2004)
  • Doch es gibt auch echte Verlierer-Disziplinen: Beim Papierverbrauch liegt Finnland an letzter Stelle, und Deutschland konnte sich mit Platz 197 von 203 auch nur knapp davor setzen.
    (WHO, 2004)
  • Hat Deutschland überhaupt irgendwo eine nennenswertes Ergebnis? Lediglich bei der Stromgewinnung durch Windkraft, dafür dann aber auf Platz 1.
    (Quelle: Global Wind Energy Council)

01. Juni 2006

Die Schnittchen-Taktik

 Die Goldgräberzeiten sind vorbei. Dauertrunkene Champagnerschürfer, verprasste Marketingmillionen und hoch dotierte Verträge – die Musikindustrie war noch vor wenigen Jahren das wahre Wirtschaftswunder. So schien es wenigstens, denn hinter der schillernden, penetrant fröhlichen und jederzeit gut frisierten Fassade wollten viele den siechenden Untergang des Großprofits nicht wahr haben. Erst fünf nach zwölf donnerten die Glocken und ließen die oberen Etagen den Prosecco fallen: tiefrot gefärbte Zahlen und ein Publikum, dass immer mehr Download und Nero Burning Rom für sich entdeckte, trieb den Angstschweiß auf die Stirn. 65% aller Labelangestellten in Deutschland verloren ihren Job. Fusionen und Insolvenzen standen an der Tagesordnung. Das späte Erwachen hatte seinen Preis.

Aber ganz komplett ist die Dekadenz nicht von der Bildfläche verschwunden. Und so wurde am Mittwoch Abend das neue Folkpop-Signing der EMI ihm Rahmen eines Showcases vorgestellt. Daniel Cirera heißt der lausbübige Typ mit Glatze und Gitarre, der an anderer Stelle schon ausführlicher vorgestellt wurde. Die schwedische Antwort auf Jack Johnson (meint das Label), mit mehr Biss und ironiegetränkten Texten. Das Augenzwinkern ist allgegenwärtig. Auch in dem Edelrestaurant direkt am Kölner Rheinufer. »I play some songs and you get drunk, that´s the deal«, warf Daniel vor seinem Auftritt in die Runde. Es wurde sich zugeprostet – die Rechnung geht aufs Label. Und es freuten sich eingeflogene Redakteure aus ganz Deutschland über flüssige Nahrung und permanenten Nachschub, den die allzeit flinken Kellner unter die Nase hielten: Scampi an Guacamole-Relish, Kalbspieße mit Peperonischoten, raffiniert gefüllte Champignons und Gazpacho. Wer sagt da schon nein? Und so erntete der Schwede auch ordentlich Applaus – bis während seiner 10-Song-Performance der Geräuschpegel der weiterdiskutierenden 200 geladenen Gäste (Sonnenschein, Handshake, Sonnenschein, Lächeln) wieder unangenehm in die Höhe schnellte. Ein gelungener Abend resümierte das Label und der Künstler – beim vierten Showcase in Folge lernt man auch solche Situationen mit einem durchaus ernstgemeinten Lächeln zu überstehen.

Daniel Cirera also demnächst auch in Ihrem Radio. Und vielleicht sogar wegen der soliden Soloperformance, die etwas mehr eigenständige Gitarrenarbeit und schlicht bessere Songs im Stile von »Roadtrippin« (hoffentlich die nächste Single) aufgewertet hätte. Mit Band und Bongo sieht die Sache hoffentlich demnächst noch sonnenscheiniger aus. Auch ohne Bestechung, pardon, Dank ans Medienvolk.