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Foto nordische Landschaft

10. Juni 2006

Oh, oh, oh…

Man könnte das Spiel als eines der besten 0:0 der WM-Geschichte schönreden, aber ich meine 0:0 gegen Trinidad/Tobago in Überzahl? Geht´s noch??? Sverige-Chancentod schreit nicht unbedingt nach einer Fortsetzung, wenn wir Gelb-Blau im Achtelfinale sehen wollen. Also, Tre Kronors, auf geht´s! Kantersieg gegen Paraguay und England. Bin mir fast sicher!

09. Juni 2006

Die Mär von der ewigen Dunkelheit

Was wäre das publizistische Leben ohne Klischees? Und so wird wohl munter weiter der Unsinn verzapft werden, dass es in Skandinavien im Winter stockdunkel ist, alle Schweden blonde Haare haben und dieses Land nur Folkgruppen oder ruppigen Gitarrenrock à la Hellacopters und The Hives hervorbringt. Gegen diese Klischees anzukämpfen wäre dringend nötig, doch es ist ein aussichtsloser Kampf.

Nennen wir einige der kursierenden Mythen beim Namen:

Mythos 17: In Skandinavien regnet es ununterbrochen.

Schönes Wetter in BergenBevorzugt wird dieses Statement über Bergen (siehe Foto rechts) – in der Tat die norwegische Stadt mit den meisten Regentagen – losgelassen, aber auch auf fast alle anderen norwegischen Orte wird es gern angewandt.

Beschäftigt man sich jedoch näher mit dem skandinavischen Klima, so stellt man fest, dass es in etwa dem norddeutschen Sommerklima ähnelt. Und über Hamburger Bands würde doch auch niemand sagen, dass sie vor lauter Wetter-Frust nur depressiv-melancholische Musik machen, oder?

Mythos 38: Alle Skandinavier wohnen in roten Holzhäuschen.

Jaja, das Pippi-Langstrumpf-Land. Blonde Jungen und noch blondere Mädels, wettergegerbte Bauern, die immer Zeit haben und freundlich sind; Elche, die auf der Wiese grasen und beim Frühstück ans Küchenfenster kommen. Willkommen im Ikea-Prospekt.

Einer der beliebtesten und wohl nie auszurottenden Klischees ist jedoch der

Mythos 1: In Skandinavien ist es ein halbes Jahr lang dunkel.

Beginnen wir mit zwei wahllos herausgegriffenen Beispielen bewusst geschürter Volksverdummung, obwohl es die Autoren hätten besser wissen müssen:

1.
Ein Schulbuchverlag bittet mich, Nordlicht- und winterliche Nachtfotos zur Verfügung zu stellen für ein Sachbuch zur Nacht. Wir werden uns schnell über das Honorar einig, und ich schicke einige Dias von winterlichen Nachtaufnahmen – nicht ohne in einem Begleitschreiben ausführlich darauf hinzuweisen, dass diese Bilder zwar während der sogenannten »Mørketid« (Dunkelzeit) entstanden sind, jedoch zur Nachtzeit. Und dass es in Nordskandinavien im Dezember und Januar trotzdem von etwa 10 bis 15 Uhr taghell ist, auch wenn die Sonne nicht über den Horizont steigt.

Als ich dann einige Monate später mein Belegexemplar von »Geheimnisse der Nacht« (Velber Verlag) in den Händen halte, trifft mich schier der Schlag. Eines meiner Nachtbilder ist folgendermaßen untertitelt: »14 Uhr ist es auf diesem Bild, also zwei Uhr nachmittags. Und doch scheint es finstere Nacht zu sein. Mond und Sterne sind am Himmel zu sehen. Es ist Polarnacht, die dunkelste Zeit im Norden.«

Nyksund bei NachDer Bildtitel zu einem anderen Nachtbild von der kleinen Vesterålen-Siedlung Nyksund (siehe Foto oben) lautet: »Alle Häuser werden hell erleuchtet. Und der Schnee strahlt das Licht zurück. Ganz dunkel ist es also nicht in den Polarnächten.« Hat man da noch Worte? Die wichtigste Aufgabe eines Schulbuchverlags sollte es doch sein, Kinder und Jungendliche aufzuklären und nicht anzuschwindeln!

2.
Die Tromsøer Band Washington veröffentlicht ihr Album »A NEW ORDER RISING«; es erscheint in Deutschland bei Glitterhouse: melancholische Musik, die an Midnight Choir und ähnliche Pop-Grübler erinnert. Der der CD beiliegende Pressetext beginnt mit folgenden Worten: »Tromsø liegt nördlich des Polarkreises. Also etwa auf einer Höhe mit Nord-Alaska und Sibirien. Hier ist es kalt, bitterkalt. Und pro Jahr etwa sieben Monate lang stockduster. Doch wo es am dunkelsten ist, strahlen die Sterne am hellsten. Aufgang Washington.«

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08. Juni 2006

Tyskland 06

Den Auftakt zum völkerverständigsten Fest der Welt nach Olympia gaben heute die Schweden in Dortmund. Bei guter Hopfenkaltschale und stilecht in blaugelben »Tyskland 06«-Trikots gekleidet saßen sie friedlich in der City und angrenzenden Parks und bereiteten sich mental und physisch auf das erste Spiel am Samstag vor. Keine Krawalle, keine bösen Worte. Ob das am Disney-Fußball lag, der als Kontaktmedium schlechthin seine Rolle bravourös erfüllte? Mit jedem Rentner, jedem Baby, jedem Girlie (und davon gab es eine Menge, schließlich wurde für die Band »Juli« von den Veranstaltern locker 50.000 Euro verheizt) wurden Zauberpässe gespielt, Tore zelebriert und Tricks geübt.

Am freundlichsten aber wurden die Fans aus Trinidad und Tobago begrüßt, als sie in Mannschaftsstärke + Spirituellem Rückhalt an ihnen vorbeischlenderten (ob es tatsächlich die WM-Elf war, konnte wegen fehlender Sammelbild-Alben leider nicht rechtzeitig geklärt werden): Einzeln per Handshake, mit großen Gesten und überschwänglicher Freude. A Time To Make Friends. Irgendwie sympatisch, die Schweden.

06. Juni 2006

666

Wo bleibt die Welle der Black Metal Alben die am heutigen dämonischen Datum 6.6.6 veröffentlicht werden?

05. Juni 2006

Herzensbrecher

Darf die Kritikerin schwärmen? Bei Konzerten einen verklärten Blick haben und ein himmlisches Lächeln im Gesicht? Ja klar, sie darf. Finde ich. Vor allem wenn es sich um Tiger Lou handelt. Wie Herr Kellermann und seine Band es jedes Mal schaffen, noch ein Stückchen besser zu sein als beim letzten Konzert…das ist erstaunlich. Und ganz wunderbar.

Heimspiel in Darmstadt, in der heimelig-heruntergekommenen Atmosphäre der Oetinger Villa, einem wilhelminischen Schauerschloss, wo sich Werwölfe und schlafwandelnde Jungfrauen wohlfühlen dürften. Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, geprägt durch seinen improvisierten Charme, immer wieder bedroht durch städtische Begehrlichkeiten.

Firefox AK. die Band von Kellermann-Gattin Andrea, beginnt den Abend. Wirkt gereifter, kompakter, auf dem Weg zu sich selbst als Band. Spielte Andrea im vergangenen Jahr noch allein, nur begleitet von allerlei technischem Schnickschnackgerät, hat sie heute Keyboarderin und Bassisten dabei. Noch fehlt der letzte Funke, um wirklich mitzureißen. Aber die kleine Frau steht selbstbewusst auf der Bühne, ist härter geworden, gewachsen als Sängerin. Das kann noch was werden. Und zum letzten Song springt noch ein schmaler, blasser junger Mann im kreuzbraven karierten Hemd auf die Bühne und singt Backup. »Hoffentlich tauscht Tige Lou sein Hemd noch aus, das ist ja furchtbar«, maunzt meine Freundin Sabine.

Rasmus Kellermann tut ihr den Gefallen und erscheint wie der Rest von Tiger Lou in schwarz auf der Bühne. Und sämtliche Kritik an Äußerlichkeiten wird unerheblich. Das zweite Album »THE LOYAL« bildet das Rückgrat des Abends. Heftiger, emotionaler, rockiger als der sanftere, verträumtere Erstling »IS MY HEAD STILL ON?«. Tiger Lou, der unermüdliche Tourer, hat in den letzten Jahren ein Fundament gelegt. Das Darmstädter Publikukum singt mit, tanzt und feiert die Schweden, die als Band in den letzten Monaten noch stärker zusammengewachsen sind. Aber geprägt sind durch Intensität, Talent und Ernsthaftigkeit von Kellermann, der die Zuneigung des Publikums heftig erwidert, sich die Seele aus dem Leib singt, zwischendurch gekonnt mit den Konzertgängern flirtet. Von dem ein Strahlen ausgeht, das sich auf den ganzen Saal überträgt. »Er bricht uns doch jedes Mal das Herz«, sagt Sabine, lächelnd, nassgeschwitzt wie der Rest des Publikums. Nichts anderes haben wir erwartet.

Bitte bald wiederkommen. Von euch kriegen wir so schnell nicht genug.