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Foto nordische Landschaft

04. Juni 2006

Spiel’s noch einmal Sam!

 Es gibt Alben, die beinhalten einfach zu viele Hits. Das Franz Ferdinand-Debüt ist so ein Beispiel. Mit »Darts Of Pleasure«, »Michael«, »Take Me Out«, »This F-F-Fire« und »Matinee« koppelte man im lustigen Dreimonats-Takt eine Single nach der anderen aus. Fünf Singles out of elf.

Man könnte meinen, ein unschlagbarer Rekord. Aber da haben die diagonalfrisierten Wave-Popper aus England die Rechnung ohne die Shout Out Louds aus Schweden gemacht. Hier die unglaubliche Chronik einer unglaublichen Diskographie.

2003: erste EP »100°«, inklusive zwei weiteren, späteren Singles und einem Albumtrack.

2003: »Hurry Up Let´s Go« erscheint in Skandinavien.

2003: »Shut Your Eyes«-Single.

2003: Das Debütalbum »Howl Howl Gaff Gaff« mit elf Tracks erscheint in Skandiland.

2004: Mit »Please Please Please« erscheint bereits die vierte Single, »Shut Your Eyes« gibt´s noch mal in einer anderen Version gratis oben drauf.

2004: Mit »Very Loud« und »Wish I Was Dead« erscheinen Singles fünf und sechs als Double A-Sides.

2004: Mit der »Oh, Sweetheart«-EP erscheinen drei unveröffentlichte Tracks, juchee!

2005 kommt »Howl Howl Gaff Gaff« auch international auf den Markt – mit elf Tracks, davon zwei eingeschummelte von der »Oh, Sweetheart«-EP.

2005: »The Comeback« wird internationale Single, nach »Please Please Please«. Der siebte (!) ausgekoppelte Track des Ursprungsalbums. Die B-Seite der Vinyl-Version stammt von der skandinavischen Version des Albums.

2005: »The Comeback« kommt abermals als Vinyl-Remix: der tanzbodenfüllende »Big Slippa RMX von Ratatat«. 

Nach »Very Loud« auch als internationale Veröffentlichung steht nun im Juni 2006 eine weitere EP an. Man konnte hoffen, dass die Band vier Jahre nach den aller ersten Aufnahmen inzwischen weitere Tracks geschrieben hat. Und ja! Ein bisher unveröffentlichter Song, und zwar »I Meant To Call« schafft es tatsächlich auf die »Combines EP«, die sonst mit schmucken Remixen von, logisch, alten Songs aufwarten kann oder gleich mit alten Remixen von alten Songs. Ein weiteres Häppchen für die Meute. Ob man davon satt wird?

Maximale Verwertung – bei den Shout Out Louds steht das an der Tagessordnung. Elf Tracks auf dem Album, sieben Singles, siebzehn (!!!) unterschiedliche Veröffentlichungen mit insgesamt zwanzig Songs. Das schafft nicht jeder. Falls also jemand Experten für neues Recycling-System braucht – die Shout Out Louds warten auf ihren Anruf!

Die Shout Out Louds haben gerade ihre Headliner-Tournee beendet und sind im Sommer noch für sechs Festivals in Deutschland. Die Nordische Musik-Rezension des immer noch aktuellen Albums findet ihr hier. Ein genaue Release-Datum für die EP hier in Deutschland steht noch aus.

02. Juni 2006

Skandinavien ist Weltmeister …

Sieger… zumindest in bestimmten Disziplinen.

Das Greenpeace Magazin hat anlässlich der nahenden Fußball-WM in seiner Mai-Ausgabe zusammengestellt, welche Länder in Bereichen wie Umwelt, Soziales und Menschenrechte vorbildlich handeln.

Und wie nicht anders zu erwarten haben unsere nordischen Nachbarn da die Nase ziemlich weit vorn.

  • Beim Frauenanteil im Parlament belegen Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark die Plätze 2 bis 5, lediglich überrundet von Ruanda. Deutschland liegt auf Platz 16 von 187.
    (Quelle: Interparlamentarische Union, 2/06)
  • Anfälligkeit gegen Korruption: Hier thront Island auf Platz 1, gefolgt von Finnland (2), Schweden (6) und Norwegen (8); Deutschland immerhin noch auf Platz 16 von 159.
    (Quelle: Transparency International, 2005)
  • Bei der Pressefreiheit teilen sich Dänemark, Finnland, Irland, Island, Niederlande, Norwegen und Schweiz den ersten Platz, während Deutschland sich mit Nummer 18 zufrieden geben muss.
    (Reporter ohne Grenzen, 2005)
  • Internetzugang – klar, da punkten sie: Island auf Platz 2 (überrundet von Neuseeland), Schweden auf Platz 3, Finnland auf Platz 9. Deutschland dümpelt recht recht abgeschlagen auf Platz 28 von 205.
    (Quelle: International Telecommunications Union, 2006)
  • Norwegen steht auf dem Siegerpodest für Entwicklungshilfe, knapp dahinter Dänemark auf Platz 2 und Schweden auf Platz 4 (Deutschland auf 11).
    (Quelle: Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2004)
  • Doch es gibt auch echte Verlierer-Disziplinen: Beim Papierverbrauch liegt Finnland an letzter Stelle, und Deutschland konnte sich mit Platz 197 von 203 auch nur knapp davor setzen.
    (WHO, 2004)
  • Hat Deutschland überhaupt irgendwo eine nennenswertes Ergebnis? Lediglich bei der Stromgewinnung durch Windkraft, dafür dann aber auf Platz 1.
    (Quelle: Global Wind Energy Council)

01. Juni 2006

Die Schnittchen-Taktik

 Die Goldgräberzeiten sind vorbei. Dauertrunkene Champagnerschürfer, verprasste Marketingmillionen und hoch dotierte Verträge – die Musikindustrie war noch vor wenigen Jahren das wahre Wirtschaftswunder. So schien es wenigstens, denn hinter der schillernden, penetrant fröhlichen und jederzeit gut frisierten Fassade wollten viele den siechenden Untergang des Großprofits nicht wahr haben. Erst fünf nach zwölf donnerten die Glocken und ließen die oberen Etagen den Prosecco fallen: tiefrot gefärbte Zahlen und ein Publikum, dass immer mehr Download und Nero Burning Rom für sich entdeckte, trieb den Angstschweiß auf die Stirn. 65% aller Labelangestellten in Deutschland verloren ihren Job. Fusionen und Insolvenzen standen an der Tagesordnung. Das späte Erwachen hatte seinen Preis.

Aber ganz komplett ist die Dekadenz nicht von der Bildfläche verschwunden. Und so wurde am Mittwoch Abend das neue Folkpop-Signing der EMI ihm Rahmen eines Showcases vorgestellt. Daniel Cirera heißt der lausbübige Typ mit Glatze und Gitarre, der an anderer Stelle schon ausführlicher vorgestellt wurde. Die schwedische Antwort auf Jack Johnson (meint das Label), mit mehr Biss und ironiegetränkten Texten. Das Augenzwinkern ist allgegenwärtig. Auch in dem Edelrestaurant direkt am Kölner Rheinufer. »I play some songs and you get drunk, that´s the deal«, warf Daniel vor seinem Auftritt in die Runde. Es wurde sich zugeprostet – die Rechnung geht aufs Label. Und es freuten sich eingeflogene Redakteure aus ganz Deutschland über flüssige Nahrung und permanenten Nachschub, den die allzeit flinken Kellner unter die Nase hielten: Scampi an Guacamole-Relish, Kalbspieße mit Peperonischoten, raffiniert gefüllte Champignons und Gazpacho. Wer sagt da schon nein? Und so erntete der Schwede auch ordentlich Applaus – bis während seiner 10-Song-Performance der Geräuschpegel der weiterdiskutierenden 200 geladenen Gäste (Sonnenschein, Handshake, Sonnenschein, Lächeln) wieder unangenehm in die Höhe schnellte. Ein gelungener Abend resümierte das Label und der Künstler – beim vierten Showcase in Folge lernt man auch solche Situationen mit einem durchaus ernstgemeinten Lächeln zu überstehen.

Daniel Cirera also demnächst auch in Ihrem Radio. Und vielleicht sogar wegen der soliden Soloperformance, die etwas mehr eigenständige Gitarrenarbeit und schlicht bessere Songs im Stile von »Roadtrippin« (hoffentlich die nächste Single) aufgewertet hätte. Mit Band und Bongo sieht die Sache hoffentlich demnächst noch sonnenscheiniger aus. Auch ohne Bestechung, pardon, Dank ans Medienvolk.

31. Mai 2006

Die Crux mit der Werbung

WerbungIn Zeiten, wo das Internet einen zweiten Boom erlebt und Werbung auf Websites wieder richtig Geld in die Kasse bringen kann, findet man nun selbst auf den ödesten Prtivat-Websites, deren einziger Inhalt aus zweimal jährlich ergänzten, unscharf-unterbelichteten Urlaubs-Fotos besteht, haufenweise Goodle-Ads und Banner-Geflicker. Was dabei jedoch von den Betreibern übersehen wird: Die aus der Online-Werbung erwirtschafteten Moneten werden mit einem Verlust an Wertigkeit und – wenn das Angebot aus journalistisch unabhängigem Inhalt besteht – einer Einbuße an Glaubwürdigkeit erkauft. Ist es das wert?

Man muss sich diese Frage ernsthaft stellen in einer Zeit, in der TV-Moderatoren wie Beckmann, Gottschalk, Johannes B. Kerner (Wer brachte eigentlich den dämlichen Boom auf mit dem Kürzel des zweiten Vornamens? Wirkt nicht Peter F. Bickel ebenso tumb wie George W. Bush?) Summen jenseits von Gut und Böse kassieren durch ihre Werbeverträge und so den Journalismus tief in Misskredit bringen. Denn man darf nicht vergessen, dass sich Beckmann, Kerner und Co. tatsächlich als »Journalisten« sehen, wenn man sie nach ihrer Berufsbezeichnung fragt. Nur: Dürfen Journalisten für ein Produkt werben, über das sie selbst berichten (z.B. Fussball), bzw. deren Vertreter sie in ihre Talkshow einladen? Ich bin tatsächlich erschüttert, und ich scheine einer der Wenigen zu sein. Dürfen Journalisten als meinungsbildende Personen überhaupt werben? Ich meine: nein.

Kompletten Beitrag lesen …

29. Mai 2006

Rebekka Bakken: I Keep My Cool

Rebekka Bakken: I Keep My Cool»Oops! … I did it again«, scheint uns Rebekka Bakken da entgegen zu hauchen.

Ja, sie hat es wieder gemacht: ein zuckersüßes Album mit sinnlichen Songs gefüllt, die auf den Säulen des Jazz ruhen und doch hemmungslos mit Pop flirten und dazwischen ein ausgiebiges Schaumbad in schwelgenden Streichern nehmen.

Mit einer kompetenten Mannnschaft – darunter Gitarrengenie Eivind Aarset, Drummer Per Lindvall, Bassist Larry Danielsson und Keyboarder Kjetil Bjerkestrand – gelang ihr erneut ein Album für die halbe Ewigkeit, geadelt durch ihre katzenhaft weiche Soul-Stimme. Überwiegend langsam brandet die Musik heran, was am langsamen Start liegen könnte: Schon der zweite Track »Welcome Home«, unterfüttert von den Wiener Symphonikern, entpuppt sich als eine der eingängigsten Balladen seit Dolly Parton, die Whitney Houston immer vergeblich angestrebt hat; »What Love Is Not« legt schließlich noch eins drauf. Das Ganze könnte hie und da boshaft als Kitsch bezeichnet werden, wenn nicht der gute Aarset immer wieder mit seinen gitarristischen Irrlichtern etwas flirrenden Sternenstaub darüber streuen würde.

Wie dumm, dass wir uns bei Nordische Musik die Regel gesetzt haben, bei der CD des Monats keine Küstler zwei Mal zu berücksichtigen. Miss Bakken wäre sonst ein heißer Kandidat …

Das Album erscheint am 1. September 2006,
die Rezension dazu in Kürze bei uns.