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Foto nordische Landschaft

23. Mai 2006

Finnische Musik ist hip!

Finnische Musik ist hip! Danke, Radio HR3, für diese erstaunliche Einsicht! Auf dem Weg zum Belle and Sebastian-Konzert ín Mainz gestern abend geschieht das Unglaubliche: HR3, sonst auf gehobenem Dudelfunkniveau agierend, bringt aus Anlass von Lordis unerwartetem Erfolg beim European Song Contest zur besten Sendezeit eine ganze Stunde Populärmusik aus Finnland. Die unbedarfte Moderatorin tut so, als habe sie gerade die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht, präsentiert aber hauptsächlich die in Deutschland ohnehin schon bekannten Namen: HIM, Nightwish, The Rasmus, Apocalytica, die Leningrad Cowboys und Tarja Turunen. Aber auch Preziosen wie Eläkeläiset und M.A. Numminen. Dass ich das noch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erlebe!

Mir als großer Anhängerin der wunderbar leichten finnischen Popmusik fällt aber auf, das genau dieses Genre hier fehlt. Passt wohl nicht in das Bild der finnischen Musikszene als entweder tiefschwarz gewandeter Deathrocker oder liebenswerter Kauze. Dabei gibt es in Finnland so großartige Bands wie The Latebirds, Viola, Sister Flo, Wojciech, Magenta Skycode, Matti Johannes Koivu, Astrid Swan, Goodnight Monsters, Since November, The Crash, Ultramariini, Boomhauer, Daisy, Kevin oder Ultrasport. Die nächste finnische Popstunde sollte ich gestalten, liebe HR3-Macher! Ich warte noch auf Euren Anruf!

Und danke, Lordi! Ihr habt einen Ball ins Rollen gebracht!

22. Mai 2006

Das Phänomen Lordi

Nicht dass ich Lordi nun für besonders spannend oder gar genial hielte. Wir haben sie in unseren Rezensionen immer als das gewürdigt, das sie darstellten: eine grundsolide, konservative Metal/Rock’n'Roll-Band, die die von Kiss und Alice Cooper etablierten Schockrock-Grenzen ein wenig weiter ausdehnte. Musikalisch eroberte ihr heiserer Rock’n'Roll weder Neuland noch hob er sich – ohne die visuelle Komponente – aus der Masse sonderlich heraus:
http://www.nordische-musik.de/musiker.php?id_musiker=258

Lordi Daher passen ihre Mainstream-Melodien, wenn man mal den ganzen optischen Budenzauber, das Riff-Geklopfe und Lordis Röchelstimme abzieht, sehr wohl in einen Eurovision Song Contest. Nummern wie »Blood Red Sandman« oder »The Children Of The Night« könnten – anders arrangiert und instrumentiert – durchaus auch im Dudelfunk eines Altersheims Anklang finden. Wer also nun Gift und Galle spuckt angesichts der finnischen Sieger, hat folgendes nicht kapiert:

  1. Von Schlager erwartet man Entertainment, Zerstreuung, Show, kurz: Spaß. Kein diesjähriger Teilnehmer konnte den so konsequent liefern wie Lordi.
  2. Es stellt sich natürlich zu Recht die Frage, ob man bei einem Schlagerwettbewerb eine passgenau in der Metal-Schublade steckende Band überhaupt zulassen soll. Oder andersherum gefragt: Was hätte Tokyo Hotel auf dem Montreux Jazz Festival verloren? Doch Finnland wagte … und gewann. Und damit ist die Frage hinfällig, denn wenn die Zuhörerschaft meint, dass Lordi hier nicht fehl am Platz ist, dann hat sie per definitionem recht.
  3. Eifrig wird nun darüber diskutiert, ob der Erfolg von Lordi ein Indiz für die Aufgeblasenheit und weitflächige Langeweile dieses ganzen degenerierten Schlager-Spektakels ist. Schon möglich, denn es fällt auf, dass das Publikum, das zum ersten Mal tatsächlich eine Wahl hatte (also nicht nur zwischen Gleichem, sondern zwischen Unterschiedlichem wählen konnte), dies ohne Zögern tat. Es ist jedenfalls zu vermuten, dass die Finnen die Schlagerszene zum Nachdenken brachten, und schon allein dafür gebührt ihnen unsere Anerkennung.
  4. Wer Lordis Geisterbahn-Fummel für besonders schockierend hält, lebt in einer kleinen Scheinwelt. Zur Weiterbildung empfohlen: Marilyn Manson, Dimmu Borgir, W.A.S.P., u.v.m.

Was mich nun aber doch etwas beunruhigt: Ob wir nächstes Jahr Nicole oder Sarah Connor als deutsche Kandidatinnen mit Horrormaske erleben werden?

21. Mai 2006

Ich und Horst

Klar, die korrekte Wertung der von uns getesteten CDs schaut man am Besten im Lexikon unter »Geschmack« nach. Aber selbstverständlich losen wir nicht die Punktzahl, sondern entscheiden jeweils vor einem über Jahre gewachsenen musikalischen Hintergrund. Bei ca. 100 gehörten Alben pro Monat kann man dann ganz schnell zwischen Gut und Böse, Lordi und Texas Lightning entscheiden. Manchen Leuten ist die bittere Wahrheit aber ein Dorn im Fanherz. Zum Beispiel Yaman N., der so krass sauer war, dass er nicht mal eine Anrede für nötig hielt. Schauen wir also, was seine Analyse der Lage ist. Es geht um meine Pinboys-Rezension

Aha sehr interessant aber mehr würde es mich interesieren was du für ne  musik hörst ich wette du bist irgend son Hip Hop heini der kein besseren job gefunden hat und nun komentierst du über bands die eine musik machen von der du kene ahnung hast man merkt nähmlich du hast überhaupt keine ahnung von punkrock musik den sonst würdest du nicht son scheiss behaupten. Pinboys sind ne wirklich gute einzigartige punkrock band dessen musik man nicht mit irgend ne andere band vergleichen kann und was du da behauptet hast macht überhaupt keinen sinn warst du überhaupt schon ma auf einen konzert von den Pinboys? glaube ich nicht solltest du ma machen so würdest du vlleicht begreifen was für qualitäten diese band auszeichnen aber dir würde das ja eh nichts bringen weil du ja eh keine ahnung hast kannst du überhaupt irgend ein instrument spielen?oda hast du überhaupt was mit musik zu tun?ausserdem auch wenn solltest du keine band beleidigen sondern kritisieren und wenn du schon son profi bist könntest du ja irgend welche tipps oda geheimnisse von dir geben aber nicht son schwachsinn labern und ne band beleidigen das sie ich nicht als produktive kritik an deine aufgabe ist nähmlich nicht bands schlecht zu machen sondern eine empfehlung an den anderen leuten zu geben die die band nicht kennen und eine messege zur band rüberzubringen wie se sich verbessern könnte und dein musik geschmack sollte aus dem spiel bleiben denn wenn dus nicht hinkriegst eine ordentliche kritik über eine band abzugeben die nicht dein eigenen musik geschmack entsprechen bist du der falsche für diesen job!!!

Nachdem wir uns jetzt alle vom Kringeln auf dem Boden berappelt haben, hier der ultimative Leitfaden: Wie mache ich mich in Musikfragen am schnellsten zum Horst?

  1. Behaupte, der Feind (sprich: Rezensent) hört nur Volksmusik, Acid House oder andere grenzwertige Sounds.
  2. Unterstelle pauschal Willkür und keine Ahnung von Musik.
  3. Schwinge die Keule der »Einzigartigkeit des Sounds«. Geht immer, z.B. bei Schlager, Punkrock o. Ä.
  4. Unterstelle pauschal Willkür und keine Ahnung von Musik. Und wiederhole deine Aussage so oft wie möglich.
  5. Verurteile die Kritikunfähigkeit des Feindes aufs Schärfste!
  6. Bringe Totschlagargumente wie »du laberst Schwachsinn«, »du Arschloch« oder »fick dich, du Musiknazi!«.
  7. Verweise auf die Erfolge der Band und unterstelle dem Rezensenten vollkommene Fachfremdheit.
  8. Vergiss, dass es sich um CD-Kritiken handelt und schwärme von den un-glaub-lich-en Livequalitäten der Band.
  9. Vermute, dass der Feind selbst keinerlei instrumentelle Erfahrung hat. Denn wer´s nicht besser kann: siehe Nummer 6.
  10. Drohe jedem, der nicht deinen Geschmack teilt. Denn der ist Maß aller Dinge.
  11. Wer nämlich mit h schreibt ist…

21. Mai 2006

Punktsieg Kanada

Auch wenn die Schweden die Kanadier jetzt bei der Eishockey-WM 5:4 vom Eis gefegt hat: Bei den Singer-Songwritern geht der Punktsieg der Woche eindeutig an Kanada.

Zwei Konzerte im kleinem Rahmen in Rhein-Main. Den Anfang macht der Schwede Björn Kleinhenz im 603 qm in Darmstadt. Linkisch, schlaksig, den Kopf fast zwischen den Schultern versteckt,  betritt er díe Bühne. Schnallt sich die Akkustikgitarre um und beginnt. Langsame, introvertierte Songs, die nicht zu fern von Kristoffer Åström sind, aber denen der eigene Ausdruck noch ein wenig fehlt. Kleinhenz ist im Zwiegespräch mit sich, das Publikum nimmt er nur schüchern wahr. Eigenartig temperamentlos. Der Funke will an diesem warmen Frühlingsabend nicht recht überspringen, auch wenn das Publikum freundlich applaudiert und geduldig ausharrt. Ganz nett, das Ganze, aber nicht weiter bemerkenswert, was Herr Kleinhenz hier bietet. Und ohne Zugabe zu verschwinden gibt sowieso Abzüge in der B-Note.

Ganz anders sieht die Sache bei Owen Pallett aka Final Fantasy aus Toronto aus, der im kleinen Theatersaal des Frankfurter Mousonturms auftritt. Die Violine unter den Arm geklemmt, springt er in Socken auf die Bühne. Spielt eine Melodie. Sampelt diese. Legt noch eine drüber. Sampelt. Entwirft neue Klangrhythmen mit der Geige und fängt an, mit klarer, sicherer Stimme über Phantasiewelten und die Widrigkeiten des Alltags zu singen. Feinfühlig begleitet von einer jungen Asiatin, die über Overhead-Projektor fantasievolle Scherenschnitte zu den Songs entwirft, die im Hintergrund tanzen. Spätestens nach dem dritten Stück sind alle Frau und Mann im Publikum in den zarten jungen Mann mit dem unordentlichen Haarschopf verliebt. Was Pallett aus seiner Violine herausholt macht Staunen: Manchmal klingt sie wie eine Harfe, dann nah am Drumcomputer und dann wieder wie die großen Romantiker des 19. Jahrhunderts. Dazu der jungenhafte Charme von Pallett, der gekonnt mit dem Publikum flirtet, mal haucht, mal schreit, mal troubadourhaft schmachtet. Die Frankfurter wollen ihn kaum von der Bühne lassen. Wunderbar! Immer noch lächelnd trollen wir uns nach Hause.

19. Mai 2006

Gemeinheit …

Britta PerssonWie kann man nur so gemein sein?! Da schickt ein netter Geist aus Schweden mir ein kleines, schmales Paket, und ich mache es auf, und dadrinne ist etwas Neues von der wunderbaren Britta Persson, und mein Herz macht einen Hüpfer, und alles ist wieder, gut und jetzt kann ich auch wieder Franz Müntefering im Fernsehen ertragen und diesen Kauder und all die anderen Gangster, weil ich habe ja etwas Neues von Britta Persson, der Wunderbaren, und ich gucke genauer hin, und ich sehe noch mal und noch mal, und ich putze meine Brille, aber es hilft nichts, es ist und bleibt eine – Single!

Nur eine Single! Nur drei Minuten und neun Sekunden!

Immerhin! Eine neue Single von Britta Persson, und wie macht sie das wieder klasse, ein wunderbarer, spröder Popsong, der gar nicht popig ist und deswegen nie nie im Radio gespielt werden wird, außer vielleicht mal nachts, wenn nur die Leute zu hören, die noch Ahnung haben und es zu würdigen wissen, wenn sich Musiker wirklich Mühe geben und noch was kennen. Ganz leicht schlägt sie die Gitarre an, ein wenig schrammelig, aber mit diesem gewissen Tempo und die Stimme … ach die Stimme … und ein wenig Klavier dazwischen gestreut … und die Melodie und … überhaupt … einfach alles!

Und was lese ich auf dem Beipackzettel? Ende August erscheint die neue CD, also alles neue von Britta Persson, der Unerreichbaren, und ich überschlage, wie oft noch schlafen, bis endlich … oh Gott!