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Foto nordische Landschaft

29. Mai 2006

Radiomusik

Wie schön doch Radiohören sein kann, sitzt man in einem hölzernen Fereinhaus in Dänemark, wo – wie hier üblich – eine kleine Anlage an die holzgetäfelte Wand gedübelt ist und man nur ein wenig suchen muss, bis Radio Dänemark 3 sein gutes Werk tun kann. Ein hübscher Sender, der Pop und Rock und Indiezeugs aller Arten spielt, und zwischendurch lachen die Dänen viel.

Zu hören waren neben dem üblichen Popeinerlei immer wieder Songs von Under Byen, The Velours, Figurines plus diverser dänischer Hip Hop. Und natürlich jede Menge Lordi, wozu die Moderatoren vorher und hinterher jeweils herzhaft rülpsten und sich freuten, dass ihr Schlagerpüppchen völlig zu recht leer ausgegangen war.

Zu empfangen etwa in der Nähe von Sondervig am Ringköpingfjord auf der UKW-Frequenz 92,3.

25. Mai 2006

Verspätet trifft ein: Der Cabezas-Express aus Stockholm

 Man könnte meinen, dass in Zeiten globaler Vernetzung und multimedialer Vertriebswege Musik in Windeseile hier in Deutschland aufschlägt. Quasi wie der Billigflieger von Stockholm nach Stuttgart in zwei Stunden. Aber die Realität hat ihren eigenen Dickkopf. Denn selbst bei arrivierten Bands mit besten Kontaktgeflechten dauert es meist eine kleine Ewigkeit, bis Musik, die in Skandiland schon unlängst veröffentlicht wurde, auch in Deutschland die Plattenregale erobert.

 20 Monate ist es her, da hat das Team von Nordische Musik über den sommerfrischen Latino-Pop von Cabezas einstimmig Lobeshymnen gesungen. Der Bassist von Eskobar, Patricio Cabezas, und sein Partner Daniel Gidlund kehren die Schwermut scheinbar mühelos aus den schwedischen Heimstätten und pflanzen feurige Grooves und heischende Rhythmen gleich neben die bewährte nordische Melancholie. Dass dies eine reizvolle Kombination ist, beweist »Vivir Sin Aire«. Es gelingt ihnen eine sehr eigene Mischung aus Ausgelassenheit und Tiefgrund zu kreieren, die nun bald auch in Deutschland mit leicht veränderter Tracklist als »Legend« erhältlich sein wird. Endlich! Denn aus den zwei Stunden sind ganze zwei Jahre geworden.

Das Album »Legend« des Stockholmer Duos Cabezas  erscheint über Dustbowl Sounds genau wie die Single “Te Quiero” am 04. August.

www.cabezas.nu

23. Mai 2006

Isummat, der Bayerische Rundfunk und Nordische Musik

Am Samstag rief eine Mitarbeiterin des Bayerischen Rundfunks bei mir an, die eine Sendung zu grönländischer Musik produzierte. Karsten Sommer hätte man interviewt, so sprach sie mir auf den Anrufbeantworter, und nun bräuchte man noch die CD der Rockband Isummat, die ja auf www.nordische-musik.de vorgestellt werde. Ach ja, und die Sendung sei zweieinhalb Tage später, am Dienstag. Ob man rasch aushelfen könne …

Mich würde mal interessieren, was der BR sagen würde, wenn ich da anriefe und darum bitte würde, eine bestimmte CD geschickt zu bekommen? Nur weil ich die gern besprechen würde. Man würde mich nicht mal zu einem Redakteur durchstellen …

23. Mai 2006

Finnische Musik ist hip!

Finnische Musik ist hip! Danke, Radio HR3, für diese erstaunliche Einsicht! Auf dem Weg zum Belle and Sebastian-Konzert ín Mainz gestern abend geschieht das Unglaubliche: HR3, sonst auf gehobenem Dudelfunkniveau agierend, bringt aus Anlass von Lordis unerwartetem Erfolg beim European Song Contest zur besten Sendezeit eine ganze Stunde Populärmusik aus Finnland. Die unbedarfte Moderatorin tut so, als habe sie gerade die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht, präsentiert aber hauptsächlich die in Deutschland ohnehin schon bekannten Namen: HIM, Nightwish, The Rasmus, Apocalytica, die Leningrad Cowboys und Tarja Turunen. Aber auch Preziosen wie Eläkeläiset und M.A. Numminen. Dass ich das noch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erlebe!

Mir als großer Anhängerin der wunderbar leichten finnischen Popmusik fällt aber auf, das genau dieses Genre hier fehlt. Passt wohl nicht in das Bild der finnischen Musikszene als entweder tiefschwarz gewandeter Deathrocker oder liebenswerter Kauze. Dabei gibt es in Finnland so großartige Bands wie The Latebirds, Viola, Sister Flo, Wojciech, Magenta Skycode, Matti Johannes Koivu, Astrid Swan, Goodnight Monsters, Since November, The Crash, Ultramariini, Boomhauer, Daisy, Kevin oder Ultrasport. Die nächste finnische Popstunde sollte ich gestalten, liebe HR3-Macher! Ich warte noch auf Euren Anruf!

Und danke, Lordi! Ihr habt einen Ball ins Rollen gebracht!

22. Mai 2006

Das Phänomen Lordi

Nicht dass ich Lordi nun für besonders spannend oder gar genial hielte. Wir haben sie in unseren Rezensionen immer als das gewürdigt, das sie darstellten: eine grundsolide, konservative Metal/Rock’n'Roll-Band, die die von Kiss und Alice Cooper etablierten Schockrock-Grenzen ein wenig weiter ausdehnte. Musikalisch eroberte ihr heiserer Rock’n'Roll weder Neuland noch hob er sich – ohne die visuelle Komponente – aus der Masse sonderlich heraus:
http://www.nordische-musik.de/musiker.php?id_musiker=258

Lordi Daher passen ihre Mainstream-Melodien, wenn man mal den ganzen optischen Budenzauber, das Riff-Geklopfe und Lordis Röchelstimme abzieht, sehr wohl in einen Eurovision Song Contest. Nummern wie »Blood Red Sandman« oder »The Children Of The Night« könnten – anders arrangiert und instrumentiert – durchaus auch im Dudelfunk eines Altersheims Anklang finden. Wer also nun Gift und Galle spuckt angesichts der finnischen Sieger, hat folgendes nicht kapiert:

  1. Von Schlager erwartet man Entertainment, Zerstreuung, Show, kurz: Spaß. Kein diesjähriger Teilnehmer konnte den so konsequent liefern wie Lordi.
  2. Es stellt sich natürlich zu Recht die Frage, ob man bei einem Schlagerwettbewerb eine passgenau in der Metal-Schublade steckende Band überhaupt zulassen soll. Oder andersherum gefragt: Was hätte Tokyo Hotel auf dem Montreux Jazz Festival verloren? Doch Finnland wagte … und gewann. Und damit ist die Frage hinfällig, denn wenn die Zuhörerschaft meint, dass Lordi hier nicht fehl am Platz ist, dann hat sie per definitionem recht.
  3. Eifrig wird nun darüber diskutiert, ob der Erfolg von Lordi ein Indiz für die Aufgeblasenheit und weitflächige Langeweile dieses ganzen degenerierten Schlager-Spektakels ist. Schon möglich, denn es fällt auf, dass das Publikum, das zum ersten Mal tatsächlich eine Wahl hatte (also nicht nur zwischen Gleichem, sondern zwischen Unterschiedlichem wählen konnte), dies ohne Zögern tat. Es ist jedenfalls zu vermuten, dass die Finnen die Schlagerszene zum Nachdenken brachten, und schon allein dafür gebührt ihnen unsere Anerkennung.
  4. Wer Lordis Geisterbahn-Fummel für besonders schockierend hält, lebt in einer kleinen Scheinwelt. Zur Weiterbildung empfohlen: Marilyn Manson, Dimmu Borgir, W.A.S.P., u.v.m.

Was mich nun aber doch etwas beunruhigt: Ob wir nächstes Jahr Nicole oder Sarah Connor als deutsche Kandidatinnen mit Horrormaske erleben werden?