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Foto nordische Landschaft

21. September 2011

Rubik oder: Wir irrlichtern trotz Offenbacher Ignoranz

Es gibt viele Unterschiede zwischen Helsinki und Offenbach, aber einer davon besteht in der Tatsache, dass in der finnischen Hauptstadt an die 500 Besucher beim Flow Festival die Experimental-Indierocker Rubik sehen wollen und in Offenbach nur 15. Schade, Offenbach. Oder Frankfurt auf der anderen Mainseite. Ihr habt Aufregendes, Anregendes verpasst. Denn die vielköpfige Truppe um Mastermind und Sänger Artturi Taira ist eine der wenigen finnischen Bands, die in den vergangenen Jahren konsequent über Grenzen gegangen ist, sich weiterentwickelt hat und auf beste Weise unberechenbar ist.

Es mag am Montag liegen. Oder an der plötzlichen nächtlichen Endseptemberkälte. Oder daran, dass der wunderbare, todgeweihte Hafen2 so weit ab vom Schuss liegt. Man kann weiter munter mutmaßen, aber dadurch wird der Publikumszuspruch auch nicht besser. Rubik passen an diesem Abend zu siebt (oder acht) kaum auf die kleine Bühne des Hafens. Und reagieren wunderbarerweise so, wie jede Band mit Charaker auf diese Situation reagieren muss: Sie spielen vor 15 Leute ebenso leidenschaftlich wie vor 500. Artturi Taira, der Chef-Waldschrat dieser Frisuren-und-Bärte-Alptraum-Truppe, er schließt die Augen und singt sich die Seele aus dem Leib. Und verschwindet nach dem Gig spurlos in den Gemächern des abrissreifen Offenbacher Lokschuppens, so dass man ihm noch nicht mal danke für den Gig sagen kann.

Vom Konzept radiokompatibler Songverträglichkeit wollten Rubik seit ihrem wunderbaren ersten Album »BAD CONSCIENCE PATROL« nichts wissen. Zu sperrig, zu eigenwillig kommen sie daher, was nun bitte nicht heißen soll, dass das Endergebnis nicht auf unerwartete Weise schön klingt. In der weitesten Interpretation von schön. Mit ihrem jüngsten Album »SOLAR« entziehen sich die Finnen sowieso eigensinnigen allen Verortungen. Braver Indierock ist es sicher nicht, was diese Acht zelebrieren, die ausscheren und ins Irgendwo abdriften, wo die Bläser und Gitarren plötzlich eine Liebesheirat eingehen, die gleichermaßen feierlich und groovy klingt. Wo das Glockenspiel zum Hauptakteuer wird und sowieso sämtliche Beteiligten alle Instrumente spielen. Wo Psychedelik und Vaudeville Bruderschaft trinken und Artturi Tairas irrlichternde Stimme Moritaten in Cinemascope singt und die einzige Konstante bildet. Und aus der kollektiven Energie entstehen ganze Melodramen, unerwartet, flüchtig, merkwürdig, großartig. Was kann man Besseres über eine Band sagen, als nach Worten zu ringen, um das Gehörte zu beschreiben und natürlich scheitern, weil die Übertreibung und Überraschung von dem, was Rubik in ausugfernden Songs wie »The Dark Continent« beim Hören auslösen, einfach überwältigen.

Rubik bringen zum Nachdenken. Über das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens etwa. Ist es vorstellbar, dass diese wunderbare, herausfordernde Musik acht bis zwölf Leute finanziert, ernährt und kleidet? Eher nicht. Soll es Bands wie Rubik aus diesem Grund nicht geben? Grauenvoller Gedanke, bitte weiter experimentieren, ihr Verrückten! Bitte weiter zum Staunen bringen! Und ach ja, Rubik sind diese Woche noch auf Tour, unter anderem beim Reeperbahn-Festival in Hamburg, zu dem sich die Polarbloggerin morgen aufmacht. Bitte hingehn!

Rubik – World Around You (official video) from Fullsteam Records on Vimeo.

28. August 2011

Tv-Resistori: Oder Überraschungen, Enttäuschungen und Hoffnungen

Abends um neun ist es so gut wie dunkel hierzulande. Eine Ahnung von Herbst liegt in der Luft. Man denkt sich so dies und das. Dass es in Helsinki um diese Zeit noch hell war. Und dass für das städtebauliche Entwicklungsgebiet am alten Fischereihafen Kalasatama zwar für die Zukunft ehrgeizige Hochhäuser geplant sind, aber heute mitten in der Brache improvisierte Gigs und Kunstaktionen im Bauwagen stattfinden. Unbedingt hingehen! Einfach U-Bahnhof Kalasatama aussteigen samstagabends und Richtung Meer schlendern. Nicht zu verfehlen!

Man denkt an Plattenläden, die in Helsinki und Turku trotzig weiter existieren, obwohl der Tod des Tonträgermarktes schon vor fünf Jahren ausgerufen wurde. An den tapferen Stupido Shop in Helsinki und den wunderbar kruscheligen 8raita in Turku, den man doch nicht ohne Käufe verlassen kann. Wobei sich der eine Kauf als Enttäuschung und der andere als Freude erweist. Die Enttäuschung heißt Siinai: Das Album »OLYMPIC GAMES« der finnischen Vangelis-Jünger kann die eigenen Ansprüche nicht mehr als ein, zwei Songs halten und versinkt dann in Mittelmaß, gar Beliebigkeit. Schade, von einem Album, an den zwei von drei Mitgliedern der wunderbaren Neo-Krautrocker Joensuu 1685 mitwirken, hätte man sich mehr erwartet. Überhaupt: Was ist aus Joensuu 1685 geworden? Letztes Lebenszeichen: Das Eurosonic-Festival in Groningen vor anderthalb Jahren, oder so ähnlich.

Die Überraschung heißt Tv-Resistori. Das schrullige Lo-Fi-Pop-Quartett aus Turku war lange in der Versenkung verschwunden und ist jetzt endlich mit einem selbst betitelten Album wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Mit charmantem, zurückgenommenen Alltagspop, aus dem die Funken stieben wie aus dem Ende von Dumblodores Zauberstab. Es ist Gebrauchspop, notwendig wie der dicke Schal an kalten Wintertagen. So selbstverständlich, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, sondern ihn einfach entschieden nochmals um den Hals schlingt bei Der lebt von den feinen Girl-Boy-Harmonien von Yka und Päivi. Die sich viel Raum lassen. Fünf Jahre lang haben die vier gewerkelt, sich hörbar von südlichem Geflirre beeinflussen lassen, denn ein blasser Bossa-Nova-Takt steppt durch die taubengrau sanften Songs. Die fein gewebt und geradezu elegant daherkommen und trotzdem selbstbewussten Eigensinn verströmen. Die eine unterschwellige Traurigkeit pflegen, die sich am ehesten noch in Kopotan Puuta manifestiert, dem vielleicht schönsten Song des Albums. Zu dem man lächeln, tanzen und gleichzeitig eine kleine Träne verdrücken möchte.

Tv-resistori: Koputan puuta by Fonal Records

Man sitzt zuhause am Schreibtisch, schaut aus dem Fenster und freut sich, dass der Turm auf der Ludwigshöhe so schön erleuchtet ist. Und man denkt an die besten finnischen Bands, die man auf dem Flow Festival in Helsinki gehört hat. Und dass man eine davon demnächst auf Deutschlandtour live auf erleben kann, nämlich Rubik, die immer besser werden, in dem sie sich in eine Richtung wandeln, die die Grenzen des traditionellen Indierocks souverän sprengen. Ob sie beim Konzert in Offenbacher Hafen 2 auch mit zwölf Mann und allerlei Blaswerk auf der Bühne stehen werden, bleibt abzuwarten. Als sicher kann gelten, dass Sänger Artturi Taira immer mehr zum Waldschrat mutiert, fein!

Und man denkt an die Bands, die man wohl auf absehbare Zeit hierzulande nicht hören wird. Wie die Melodrama-Träumer Magenta Skycode, die beim Flow auf der Hauptbühne spielen und mit den großen Gesten der üppigen Gefühlswelt von Sänger Jori Sjöroos punkten. Herzschmerzpop in Cinemascope, balladig, himmelhoch jauchzend, ebenso überwältigend wie massenkompatibel. Wobei massenkompatibel durchaus als Kompliment gemeint ist. Und man wundert sich doch sehr, warum es Magenta Skycode noch nicht über den finnischen Markt hinaus ins restliche Europa hinunter geschafft haben. Nur weil ihre beiden Platten noch nicht hier unten erschienen sind?

Und man denkt ganz zuletzt an Nightsatan und ihren ersten Auftritt auf dem Festival – die vier sympathischen Synthie-Dunkelmänner, die eifrigen Jünger von John Carpenter, Vangelis und Goblin. Die wüste Weltuntergegangs-Szenarien entfachen, aber überaus lächelnd, selbstironisch, dickmäuilig und sehr tanzbar. Bitte irgendwann auch mal den Rest der Welt beglücken!

Nightsatan – Karelian Starmaster (Evil Lucifer) by antonbeschekov

11. März 2009

MEDEIA: Metalband mit Tanzvideo (Teil I)

»Wie viele Metalbands haben je ein Tanzvideo gemacht?!«


Medeia sind auf Europatour mit The Ocean, Burst und Bison B.C. Als eröffnende Band haben sie bereits ab 21 Uhr frei – und am 8. März in Karlsruhe Zeit für ein Interview. Sänger Keijo und Bassist Samuli Kuusinen beantworten ganz entspannt zwischen Speis und Trank die ersten Fragen, kurz darauf stoßen auch Gitarrist Samuli Peltola und Schlagzeuger Janne Putkisaari dazu. Die Finnen plaudern über die Vorteile von Nightlinern, über Immortal, finnischen Schlager – und verwöhnte Deutsche.

Medeia: Zum ersten Mal außerhalb Finnlands

Ihr macht eure Interviews freiwillig nach der Show? Da wollen die Bands doch normalerweise nur noch trinken und feiern…
Keijo (grinst): Ach, als zuerst spielende Band ist das kein Problem; heute waren wir ja wirklich früh dran…
Samuli K.: …ja, in Italien haben wir mal erst um 22 Uhr angefangen…
Keijo: …also haben wir noch jede Menge Zeit. Und wir sind mit Nightlinern unterwegs, das ist alles wirklich so entspannt…
Samuli K.: Ja, es ist großartig nicht selbst fahren zu müssen: Heute wären das 850 km gewesen, von Brescia an der italienischen Ostküste bis hierher.
Keijo: Und das hier (wedelt mit der noch vollen Flasche) ist übrigens mein erster Drink heute.

…das ist aber nicht sehr finnisch
Keijo (grinsend): Ich bin ja auch Halbschwede.

Wie kamt ihr als Metalband zum Fullsteam-Label? Dort sind ja eher (Indie)Rockbands wie Lapko oder Rubik
Keijo: Wir wollten ein finnisches Label. Und Fullsteam hat ja auch eine Booking Agentur, dort ist meine andere Band: Rotten Sound, also… (Pause)
Wir finden es gut, über ein Indie-Label zu veröffentlichen. Zudem haben Fullsteam gute Kontakte ins Ausland, zu Promo-Agenturen, und so weiter. (grinst) Und jetzt hoffen wir, dass sich bald auch ein deutsches Label für uns interessiert


Keijo, du singst in zwei Bands – gab’s da schon mal Terminprobleme?

Keijo: Nein, wir haben ja die gleiche Booking Agentur für beide Bands, so kann ich ja alle Termine überblicken. Und natürlich achtet auch die Agentur darauf, dass sich nichts überschneidet. Außerdem haben ein paar von uns Familie…
Samuli K.: …ich habe zwei Kinder…
Keijo: … also können wir gar nicht so viel und so lange am Stück touren.

Das ist ja eure erste Tour in Deutschland…
Keijo: Das ist überhaupt unsere erste Tour außerhalb Finnlands!

…und wie kamt ihr an diese doch recht große erste Tour?
Keijo: The Ocean war mal mit Rotten Sound auf Tour, ich hab dann Robin (AdR: Gitarrist Robin Staps) kontaktiert und gefragt wie’s mit einer Tour wäre – und er meint »why not«. Aber wir hatten natürlich auch Glück…
Samuli K.: …sie haben gerade nach einer Band für die Tour gesucht.

Und, seid ihr zufrieden?
Samuli K.: Mehr als zufrieden!
Keijo: Ich hatte ja überhaupt keine Erwartungen (grinst) um nicht enttäuscht zu werden, aber ich bin so positiv überrascht! Meistens waren mehr als hundert Leute da. Selbst wenn wir die ersten Takte vor 20 Leuten angefangen spielten….
Samuli K.: …strömten kurz drauf die Leute rein.

Wie ist die Stimmung unter den Bands?
Keijo: Die Kanadier (AdR: Bison B.C. …mit Medeia Shirts, siehe Foto) sind super! Die Stimmung ist gut,…
Samuli K.: … die Schweden sind nett und höflich
(AdR: das ist ja schon klischeehaft) und die Ocean Jungs sind auch nett.
Keijo und Samuli K. vereint: Es ist eine perfekte Tour!
Keijo: Es hätte nicht besser anfangen können.


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19. Oktober 2008

Der Herbst unseres Missvergnügens: Popkomm-Nachlese

Wird die Musikbranche, die wie ein angezählter Boxer taumelt, nochmal auf die Füße kommen und zurückschlagen? Antworten auf diese Frage gab es auf der diesjährigen Berliner Popkomm nicht. Nur Beobachtungen, Schlussfolgerungen. In den beiden Messehallen unterm Funkturm, wo der offizielle Teil des Spektakels stattfindet, schienen in diesem Jahr noch weniger Aussteller als sonst ihre Produkte und Künstler anpreisen zu wollen. Das ist ein gefühlter Eindruck. Aber offenkundig bleibt: Das große Geld sitzt hier nicht mehr. Es wird gespart. Vieles wirkt billig. Aber trotzdemwird eifrig genetzwerkt rund um die Stände der Skandinavier, die selbstbewusst auftreten.

Kommen wir zur Musik, zu den Bands. Irgendwie der Eindruck, dass der große Knall ganz anderswo stattfindet. Dass das Mittelmaß vorherrscht. Oder vielleicht einfach Pech gehabt und zu den falschen Konzerten gegangen? Wir können nur mutmaßen.

Die Schweden sind viel zu stylish. Sagen die Finnen. Legen viel zu viel Wert auf ihr Äußeres. In den finnischen Äußerungen schwingt ein nicht geringer Minderwertigkeits- und Neidfaktor mit, weil man die Moden des Nachbarn gerne erst fünf Jahre später übernimmt. Aber die Beobachtung ist ansonsten völlig korrekt. Äußerlichkeiten zählen in Schweden sehr viel mehr als bei den eher rustikalen Finnen. Was hat das mit Musik zu tun? Sehr viel! Wie auf der Swedish Night im Roten Salon zu beobachten war.

Denn wie es es anders erklärbar, dass bei dem Auftritt einer Band mehrere Ventilatoren die Hauptrolle spielen? Mit Hilfe derer melodramatisch ein weißes Leintuch gebläht wird, vor dem ein Duo mit dem Namen Zeigeist sich zum Narren macht? Instrumente? Sind wir viel zu cool dazu, brauchen wir nicht. Die Beats kommen aus der Konserve. Dazu singt das grotesk gekleidete Pärchen mit dünnen Stimmchen und hampelt theatralisch herum. Er in kurzen Hosen, und das sieht nicht wirklich gut aus. Sie mit einem ihr wenig schmeichelnden 80er-Jahre-Ungetüm von Kleidchen mit Puffärmel. Mit viel gutem Willen kann man den Stil dieser talentfreien Dilettanten als Elektropop bezeichnen. Der Tag, an dem die Musik stirbt, könnte mit einem Song von Zeigeist beginnen. Grauenvoll gruselig.

Auf stylishes Auftreten legt auch ein dem Schminken nicht abgeneigter Herr mit Namen Moto Boy einigen Wert. Im Gegensatz zu den unsäglichen Zeigeists aber verfügt Oscar Humlebo zumindest über eine gewisse Fähigkeit zur Selbstironie. Inszeniert sich als den Bikerboy mit nicht eindeutigen sexuellen Präferenzen und legt einen gekonnten Spagat zwischen Glam Rocker und großäugig-poppigem Singer-Songwriter hin. Ola Salo von The Ark muss ein großes Vorbild für Humlebo sein. Bei Moto Boy ist die Musik noch akustisch – und allein für die Tatsache, dass er sich allein mit seiner Gitarre vors Publikum traut und auch noch Spaß dabei hat, gibts Extra-Symapathiepunkte.

Dass die 80er derzeit das Leitjahrzehnt für schwedische Nachwuchskünstler sind, ist nichts wirklich bahnbrechend Neues. Juvelen haben sich eine Ecke zwischen Prince und Police gesucht und pflegen den Falsettgesang. Sänger Jonas Pettersson gefällt sich in der Rolle des coolen Dandys. Endlich kann man tanzen, ohne sich schämen zu müssen! Wer unter den Hörern in den 80ern allerdings nicht in den Windeln lag oder mit Bauklötzen auf die anderen Kinder warf, dem wird so manches aus dem Juvelen-Fundus sehr, sehr bekannt vorkommen. Es lebe das Recycling!

Endgültig die Flucht ergreifen wir bei Apollo Drives wenig inspirierenden klassischen Powerrock. Gähn. Tausend Mal so oder ähnlich gehört. Wenigstens sitzen die Frisuren bei den Herren, wie es sich für richtige Schweden gehört. Äußerlichkeiten zählen eben. Und sehr viel mehr gibt es hier auch nicht zu sehen und zu hören. Wenn das die Zukunft von Rock und Pop sein soll, kann einem  bange werden.

Aber zum Abschluss doch ein versöhnender Auftritt. Nein, nicht der Schweden. Der Finnen! Rubik aus Helsinki, die mit BAD CONSCIENCE PATROL bereits ein überragendes Debüt hingelegt haben, überzeugen live am nächsten Abend in der Kulturbrauerei mit unbändiger Spielfreude, ungewöhnlichen Ideen und einem unwiderstehlich vielseititigen Sänger Artturi Taira. Dessen wandlungsfähiger Stimme und reinem Spaß an der Sache man noch Stunden hätte lauschen und zuschauen können. Artturi Taira würde in niemals in einem stylishen schwedischen Musikmagazinabgebildet werden. Dazu schert er sich viel zu wenig um sein Äußeres. Und das ist in diesem Fall auch gut so.

03. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [4/4]

Natürlich hätten wir diese Liste noch viel länger machen können. Und müssen! In Norwegen tummeln sich in Oslo und in der Bergen-Szene noch exzellente Künstler (beispielsweise die genialen Avantgardeure von Shining und Italo-Beatmeister Lindstrøm ), in Schweden reißt die Serie an wunderbaren Folkpop-Musikern nicht ab und Finnlands Bands haben 2007 schon dominiert. Man nenne an dieser Stelle Rubik und Sister Flo. Nach Teil eins und zwei und drei gibt es hier nun weitere Exemplare aus der spannenden skandinavischen Musikszene.

LAU NAU (FIN)

 Der Wodkaverbrauch in den düsteren Monaten steigt in Finnland gen unendlich. So lautet ein weitverbreitetes Klischee. Bei Lau Nau dürfte neben Patchouli eher das ein oder andere Kraut die Lebensadern weiten und so für den passenden Singsang sorgen. Man stellt sich quasi automatisch vor, die Frau hinter diesem Projekt haust mit zerzausten Haaren in irgendeinem Märchenwald und lässt einmal pro Tag schleppend ihre geränderten Fingernägel über die Harfe sausen. Das ist avantgardistisch und weird, aber so was muss es eben auch geben. Es geht hier eher um Sounds als Songs, allerdings muss Laura mit ihren rekrutierten Waldschraten die gerade eingespielten für ihr neues Album auswählen. Mit Glück erscheint es 2008. Zum Weiterhören empfehlen wir den Komplettkatalog des spannenden Labels Fonal, z.B. Valojuopot oder Shogun Kunitoki. Aber Achtung: Circa 96% der zufällig befragten Passanten verneinten die Frage, ob es sich dabei um Musik handele…

Homepage: myspace.com/launau

BLOODGROUP (ISL)

 Wenn hier im ersten Satz etwas wie »blutrünstig«, »brachial« oder »todesmetallisch« stehen würde, wären die Erwartungen wohl passend erfüllt. Aber ein paar Isländische Scherzkekse spielen mit Assoziationen (wie z.B. auch der Kanadier von Destroyer) und lassen danach bunte Luftblasen folgen. Die Mischung ist undefinierbar. Hier wird sich zwischen Elektro, Pop, Soul und Funk bewegt – bunter bemalt als ein Keith Haring-Bild. Stillstehen ist unmöglich, ebenso weitere Informationen über diese Band zu erhalten. Schüttelt Extremitäten zu dieser frischen Band aus eisi Iceland!

Homepage: myspace.com/bloodgroup

BARR (SWE)

 »Barr is Swedish for pine needle. And a seven piece making acoustic mayhem.« So steht es zumindest auf ihrer myspace-Homepage. Bisher gibt es nur wenige Songs, die eingespielt dort ihren Platz finden. An eine offizielle Präsenz oder gar mehr Infos ist nicht zu denken. Aber ihre Folkpop gefällt durchaus mit einer reichhaltigen Instrumentierung und guten Ideen. Dass das Umfeld aus Jenny Wilson und Moneybrother besteht, dürfte da auch nicht gerade hinderlich sein. Ein Label ist allerdings noch nicht gefunden, so dass Zeit genug bleibt, dem Baum beim wachsen der Band beim Werdegang zuzugucken. Würde übrigens super auf Imperial Recordings passen, wo z.B. auch Promise And The Monster (auch total neu), José Gonzalez und Co drauf sind.

Homepage: myspace.com/barrmusic

Es gibt viel zu entdecken. Freuen wir uns also auf 2008!

 
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