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Foto nordische Landschaft

03. Juli 2017

Tuska 2017, Samstag: Ausverkauft – HIM sei Dank

Da ich sowohl Impaled Nazarene (FIN) als auch Mokoma (FIN) mehrfach live gesehen habe, beginnt der zweite Tuska-Tag für mich mit den wieder vereinigten Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus: Eine Band, die bereits auf dem allerersten Tuska anno 1998 (damals noch im Tavastia/Semifinal) spielte und deren Alben ich fast so lange höre.

Vor der RadioRock-Bühne ist es bereits unglaublich voll, kein Vergleich zum gestrigen Tag um diese Zeit. Ob das an Timo und Co liegt, oder an den heutigen Headlinern? Egal, soll es im Publikum von HIM-Devotionalien wimmeln, Rautiainen und seine Mannen rocken, als seien sie keinen Tag getrennt gewesen. Sie feiern mit ihren Fans alte Gassenhauer wie »Rajaton Rakkaus«, »Rajatila« und natürlich »Nyt on mies!«.

Vom düsten Rock/Metal geht’s weiter ins Zelt zu den jungen Thrashern Lost Society aus Jyväskylä. Diese Hochgeschwindigkeits- Jungspunde in nahezu pefekter 1980er-Optik machen mächtig Spaß – und mächtig Druck. Leider nur 45 Minuten lang, die mit Krachern von »Braindead« über »Kill (Those Who Oppose Me)« und »Rage Me Up« bis zu »Riot« wie im Flug vergehen. Wer Lost Society noch nie live gesehen hat, sollte das schleunigst ändern und zur Band um Front-Rampensau Samy Elbanna gnadenlos mitmoshen!

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02. Juli 2017

Tuska 2017, Freitag: Zum 20. gratulieren ST, Mayhem, Sabaton – und Pekko Käppi

Punktlandung in Suvilahti: Exakt zu den ersten Takten von Suicidal Tendencies’ »You Can’t Bring Me Down« betrete ich das Gelände des Tuska-Open-Airs. Die Kalifornier liefern auf der Haupt-/RadioRock-Bühne ein gewohnt soldides, sauberes Set – und Fronter Mike Muir wirkt als hätte er nach stolzen 36 Jahren immer noch Spaß daran.

Dagegen ist Gitarrist Dean Pleasants (seit 1996 dabei) nahezu ein Bandküken, ganz zu schweigen von den letztjährig dazu Gestoßenen, alias Basser Ra Díaz, Ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo sowie Gitarrist Jeff Pogan. Apropos dazu stoßen: Gegen Ende des Sets spielen die Crossover-Thrash-Veteranen wie immer, so auch in Helsinki, das wie-viele-Menschen-passen-auf-die-Bühne-Spiel, und lassen so viele Fans wie möglich zu sich hoch klettern – und jetzt alle: »Pledge Your Allegiance«.

Von den Urgesteinen ziehe ich weiter zu einem für mich bis dato unbekannten Künstler – zumindest live. Auf Alben ist der Finne Pekko Käppi für nordische-musik ein alter Bekannter, sowohl gemeinsam mit K:H:H:L als auch mit dem Jouhiorkesteri. Die Folk-Blues-Rocker auf der Inferno-Bühne sind die positive Überraschung des Tages. Sie sind nicht nur erstaunlich laut und mächtig, sondern haben auch einen satten Groove – und das zu dritt: Ein Basser, ein Gitarrist der gleichzeitig Schlagzeug spielt (zugegeben: nur die Hi Hat) und natürlich Pekko Käppi an der Jouhikko. Wer die Chance hat diese Truppe live zu erleben: Hingehen!

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26. Juni 2017

Wir nehmen das Schlauchboot mit den Pole Siblings

Wir nehmen das Schlauchboot und lassen uns gemächlich den Fluss heruntertreiben. Mit den Pole Siblings geht das ganz entspannt! Das Geschwister-Duo aus Finnland mit derzeitigem Wohnsitz in Schweden hat in diesen Tagen seine Debüt-EP »IT MIGHT GROW« vorgelegt und liefert damit den perfekten Soundtrack für schwerelose Ferienwochen. Das ist Pastellpop mit folkigen Untertönen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt. Sofia & Johan Stolpe schwelgen in sanften Harmoniegesängen. Durchaus möglich, dass man die Stimmen der beiden kaum auseinanderhalten kann! Ums Träumen geht es hier. Und um kleine und große Sehnsüchte. Eine leise Melancholie flirrt durch diese vier angenehm zurückhaltendem Songs. Der schönste Track ist vielleicht das verspielte »Nog Va He Bra«, das mit einer Besonderheit aufwartet: Die Geschwister Stolpe singen hier in einem finnisch-schwedischen Dialekt, der zart exotisch klingt. Darauf hat die Welt gewartet! Wer nach Referenzbands sucht, wird bei Vasas Flora Och Fauna fündig. Via Bandcamp kann ausführlich in die Debüt-EP hereinhören!

Foto: Fredrik Diffner

01. Juni 2017

Aéropop mit Alexander von Mehren

Wenn der norwegische Troubadour Sondre Lerche Anfang Juni sein einziges Deutschlandkonzert in Berlin spielt, dann hat er einen jungen Landsmann als Vorband dabei: Alexander von Mehren. Bei der Nachwuchskraft aus Bergen könnte man glatt auf die Idee kommen, dass er sich vom Montmartre an den Fjord verirrt hat: Denn der Pianist, Sänger und Produzent singt hier in lupenreinem Französisch Sein Debütalbum trägt den schönen Namen »AÉROPOP« und kommt genauso luftig daher. Herr von Mehren outet sich hier als Verehrer des klassischen Francopop mit schmachtenden Streicherklängen, aber er ist klug genug, nicht zu dick aufzutragen. Und ist ein kleiner Schelm dazu: Im 60ies-affinen Eröffnungstrack »Chanson De Douche« geht es offenbar um ein Alltagsritual, aber auf smarte und frühlingshafte Weise so!. Und vam Mehren tollt dazugehörigen Video auf Wiesen, im Wald und im Wohnzimmer herum. Umgeben von lauter Nippes. Das muss man sich auch erst mal trauen! Englisch singen kann der Mann natürlich auch, wenn er sich lächelnd auf die Spuren der Beatles begibt, und seinen Spieltrieb auf fast schon klassische Weise auslebt. Dass das Album »AÉROPOP« in den legendären Abbey Road Studios in London entstanden ist, muss uns nicht wirklich überraschen! Die Gastmusikerliste kann sich auch sehen lassen: Mitglieder von Tortoise, The High Llamas und Modular. Der sehr feine Song »Winter Comes« passt zwar überhaupt nicht zur Jahreszeit, aber da wir noch im kalendarischen Frühling sind, garantierte ich, dass zu diesem perfekt arrangierten Track Krokusse in allen Farben sprießen! Diese Sounds streicheln die Seele bei Kälte und Hitze!

21. Mai 2017

Wir stoßen in die Marktlücke: Remington Super 60

Von der Popmusik kann man heutzutage kaum mehr leben. Oder doch? Vielleicht braucht es einfach kreative Ideen und die Offenheit, Marktlücken zu suchen und zu finden. Und darüber nachsinnen, wofür die Menschen heute noch Geld ausgeben. Denken wir doch mal an die heutigen Helikopter-Eltern: Die öffenen Herzen und Börsen doch gerne, wenn der Nachwuchs gefördert wird! Und die musikalische Früherziehung ist doch ein unbedingt pädagogisch wertvolles Unterfangen! Schönen Indiepop für Kinder und andere Menschen spielen: Das machen Remington Super 60 aus dem norwegischen Fredrikstad! Sie haben jetzt die EP »INDIEPOP FOR KIDS VOL. 1« vorgelegt, deren elektronischen Bliepereien so sympathisch, verschwurbelt und eigenwillig daherkommen, dass auch Erwachsene ihre Freude daran haben. Zugegeben: Das ist Blümchenpop! Der aber mit naiver Großäugigkeit und ungebremstem Spieltrieb überzeugt. Die Band um Mastermind Christoffer Schou existiert seit fast 20 Jahren, hat zahlreiche Besetzungswechsel hinter sich, aber macht unverdrossen weiter Musik. Auf ihrem Kinderalbum geht es zwar vordergründig um all die Dinge, die kleinen Menschen gefallen: Pfeifende Roboter, allerliebste Plastikentchen, glänzende neue Fahrräder, den schönsten Geburtstag aller Zeiten und träumende Androiden (ist ja nie zu früh, den Nachwuchs in kleinen Schritten auf Blade Runner vorzubereiten!) Aber klammheimlich schmuggeln die Norweger hier eine feine 60ies-Ästhetik ein, die mit einer Mini-Prise Melancholie einhergeht. Kann man nie zu früh lernen, dass die schönste Freude die mit dem winzigsten Trauerflor am Ärmel ist! Stillvergnügt ist diese EP, wie fein! Reinhören macht Spaß! Bliep Bliep!

 
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