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Foto nordische Landschaft

02. Juli 2017

Tuska 2017, Freitag: Zum 20. gratulieren ST, Mayhem, Sabaton – und Pekko Käppi

Punktlandung in Suvilahti: Exakt zu den ersten Takten von Suicidal Tendencies’ »You Can’t Bring Me Down« betrete ich das Gelände des Tuska-Open-Airs. Die Kalifornier liefern auf der Haupt-/RadioRock-Bühne ein gewohnt soldides, sauberes Set – und Fronter Mike Muir wirkt als hätte er nach stolzen 36 Jahren immer noch Spaß daran.

Dagegen ist Gitarrist Dean Pleasants (seit 1996 dabei) nahezu ein Bandküken, ganz zu schweigen von den letztjährig dazu Gestoßenen, alias Basser Ra Díaz, Ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo sowie Gitarrist Jeff Pogan. Apropos dazu stoßen: Gegen Ende des Sets spielen die Crossover-Thrash-Veteranen wie immer, so auch in Helsinki, das wie-viele-Menschen-passen-auf-die-Bühne-Spiel, und lassen so viele Fans wie möglich zu sich hoch klettern – und jetzt alle: »Pledge Your Allegiance«.

Von den Urgesteinen ziehe ich weiter zu einem für mich bis dato unbekannten Künstler – zumindest live. Auf Alben ist der Finne Pekko Käppi für nordische-musik ein alter Bekannter, sowohl gemeinsam mit K:H:H:L als auch mit dem Jouhiorkesteri. Die Folk-Blues-Rocker auf der Inferno-Bühne sind die positive Überraschung des Tages. Sie sind nicht nur erstaunlich laut und mächtig, sondern haben auch einen satten Groove – und das zu dritt: Ein Basser, ein Gitarrist der gleichzeitig Schlagzeug spielt (zugegeben: nur die Hi Hat) und natürlich Pekko Käppi an der Jouhikko. Wer die Chance hat diese Truppe live zu erleben: Hingehen!

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26. Juni 2017

Wir nehmen das Schlauchboot mit den Pole Siblings

Wir nehmen das Schlauchboot und lassen uns gemächlich den Fluss heruntertreiben. Mit den Pole Siblings geht das ganz entspannt! Das Geschwister-Duo aus Finnland mit derzeitigem Wohnsitz in Schweden hat in diesen Tagen seine Debüt-EP »IT MIGHT GROW« vorgelegt und liefert damit den perfekten Soundtrack für schwerelose Ferienwochen. Das ist Pastellpop mit folkigen Untertönen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt. Sofia & Johan Stolpe schwelgen in sanften Harmoniegesängen. Durchaus möglich, dass man die Stimmen der beiden kaum auseinanderhalten kann! Ums Träumen geht es hier. Und um kleine und große Sehnsüchte. Eine leise Melancholie flirrt durch diese vier angenehm zurückhaltendem Songs. Der schönste Track ist vielleicht das verspielte »Nog Va He Bra«, das mit einer Besonderheit aufwartet: Die Geschwister Stolpe singen hier in einem finnisch-schwedischen Dialekt, der zart exotisch klingt. Darauf hat die Welt gewartet! Wer nach Referenzbands sucht, wird bei Vasas Flora Och Fauna fündig. Via Bandcamp kann ausführlich in die Debüt-EP hereinhören!

Foto: Fredrik Diffner

01. Juni 2017

Aéropop mit Alexander von Mehren

Wenn der norwegische Troubadour Sondre Lerche Anfang Juni sein einziges Deutschlandkonzert in Berlin spielt, dann hat er einen jungen Landsmann als Vorband dabei: Alexander von Mehren. Bei der Nachwuchskraft aus Bergen könnte man glatt auf die Idee kommen, dass er sich vom Montmartre an den Fjord verirrt hat: Denn der Pianist, Sänger und Produzent singt hier in lupenreinem Französisch Sein Debütalbum trägt den schönen Namen »AÉROPOP« und kommt genauso luftig daher. Herr von Mehren outet sich hier als Verehrer des klassischen Francopop mit schmachtenden Streicherklängen, aber er ist klug genug, nicht zu dick aufzutragen. Und ist ein kleiner Schelm dazu: Im 60ies-affinen Eröffnungstrack »Chanson De Douche« geht es offenbar um ein Alltagsritual, aber auf smarte und frühlingshafte Weise so!. Und vam Mehren tollt dazugehörigen Video auf Wiesen, im Wald und im Wohnzimmer herum. Umgeben von lauter Nippes. Das muss man sich auch erst mal trauen! Englisch singen kann der Mann natürlich auch, wenn er sich lächelnd auf die Spuren der Beatles begibt, und seinen Spieltrieb auf fast schon klassische Weise auslebt. Dass das Album »AÉROPOP« in den legendären Abbey Road Studios in London entstanden ist, muss uns nicht wirklich überraschen! Die Gastmusikerliste kann sich auch sehen lassen: Mitglieder von Tortoise, The High Llamas und Modular. Der sehr feine Song »Winter Comes« passt zwar überhaupt nicht zur Jahreszeit, aber da wir noch im kalendarischen Frühling sind, garantierte ich, dass zu diesem perfekt arrangierten Track Krokusse in allen Farben sprießen! Diese Sounds streicheln die Seele bei Kälte und Hitze!

21. Mai 2017

Wir stoßen in die Marktlücke: Remington Super 60

Von der Popmusik kann man heutzutage kaum mehr leben. Oder doch? Vielleicht braucht es einfach kreative Ideen und die Offenheit, Marktlücken zu suchen und zu finden. Und darüber nachsinnen, wofür die Menschen heute noch Geld ausgeben. Denken wir doch mal an die heutigen Helikopter-Eltern: Die öffenen Herzen und Börsen doch gerne, wenn der Nachwuchs gefördert wird! Und die musikalische Früherziehung ist doch ein unbedingt pädagogisch wertvolles Unterfangen! Schönen Indiepop für Kinder und andere Menschen spielen: Das machen Remington Super 60 aus dem norwegischen Fredrikstad! Sie haben jetzt die EP »INDIEPOP FOR KIDS VOL. 1« vorgelegt, deren elektronischen Bliepereien so sympathisch, verschwurbelt und eigenwillig daherkommen, dass auch Erwachsene ihre Freude daran haben. Zugegeben: Das ist Blümchenpop! Der aber mit naiver Großäugigkeit und ungebremstem Spieltrieb überzeugt. Die Band um Mastermind Christoffer Schou existiert seit fast 20 Jahren, hat zahlreiche Besetzungswechsel hinter sich, aber macht unverdrossen weiter Musik. Auf ihrem Kinderalbum geht es zwar vordergründig um all die Dinge, die kleinen Menschen gefallen: Pfeifende Roboter, allerliebste Plastikentchen, glänzende neue Fahrräder, den schönsten Geburtstag aller Zeiten und träumende Androiden (ist ja nie zu früh, den Nachwuchs in kleinen Schritten auf Blade Runner vorzubereiten!) Aber klammheimlich schmuggeln die Norweger hier eine feine 60ies-Ästhetik ein, die mit einer Mini-Prise Melancholie einhergeht. Kann man nie zu früh lernen, dass die schönste Freude die mit dem winzigsten Trauerflor am Ärmel ist! Stillvergnügt ist diese EP, wie fein! Reinhören macht Spaß! Bliep Bliep!

30. April 2017

Schwer verliebt mit 16: The Ludvig

In den knapp 14 Tagen vor dem Eurovision Song Contest muss auf dem Polarblog natürlich Musik mit viel Gefühl her! Und um Liebe muss es gehen, was wäre sonst der Sinn und Zweck eines Sangeswettstreits? Das war ja schon beim Sängerkrieg der Heidehasen so! Ich schummele jetzt geographisch ein ganz klein bisschen und bin auf der Suche nach einem eurovisionsaffinen skandinavischen Song auf der baltischen Seite der Ostsee fündig geworden, nämlich in Lettland. In Riga hat sich der gerade mal 16jährige Jekabs Ludvigs Kalmanis alias The Ludvig aufgemacht, um mit souliger Stimme und viel Herzschmerz um seine Angebete zu werben. Und da wir das Jahr 2017 schreiben und nicht jeder Musiker als stilechter Crooner mit Anzug und Krawattennadel herumlaufen will wie der Schwede AstroMike Gordon letzte Woche beim sehr gelungenen Konzert im Darmstädter HoffART Theater, genau deshalb spielt The Ludvig hier mit gefühligen Elektronica und himmelhohen Synthies. Der junge Man mit der Harry-Potter-Nickelbrille hat keine Scheu davor, dick aufzutragen. Aber er tut es mit Stil! Bislang hat der Rigaer Musikstudent nur das sehr feine Liebeslied »I´m In Love With You« vorgelegt. Dazu kann man wunderbar schmachten und sich gehaltvoll auf das Spektakel in Kiew einstimmen. The Ludvig wird Lettland übrigens nicht vertreten, sondern die stylishen Disco-Popster Triana Park.. Aber sehr gut möglich, dass wir von The Ludvig mit oder ohne Song Contest noch hören werden!

 
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