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Foto nordische Landschaft

28. Oktober 2016

Die spinnen die Finnen: »hydraulic press channel«

Am 31. Oktober 2016 feiert der »hydraulic press channel« (HPC) sein einjähriges Jubiläum. Der HPC ist ein YouTube-Kanal des finnischen Fabrikanten Lauri Vuohensilta und seiner Frau Anni. Gestartet im Oktober 2015, veröffentlichen sie dort Videos von verschiedenen Objekten, die sie in einer hydraulischen Presse zerquetschen.

Am 31. Oktober 2015 veröffentlichten sie den erfolglosen Versuch ein Stück Papier mehr als sieben Mal mit der hydraulischen Presse zu falten – inzwischen wurde das Video mehr als 11 Millionen mal angeschaut.Der unerwartete Erfolg des Kanals veranlasste Lauri Vuohensilta weitere Videos für den hydraulic press channel zu produzieren.

Hier könnt ihr Euch selbst ein Bild des HPC machen:

24. Oktober 2016

Unter Wasser ist alles besser: I Wish I Was A Fish

In einer Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät, könnte die Flucht in tiefe Wasser helfen. Dachte sich Frida Teresia Svensson, als sie ihr musikalisches Projekt I Wish I Was A Fish startete. Ihr neues Unterwasser-Refugium ist ein Rückzugsraum vor der immerwährend fordernden Erwachsenenwelt. Es muss doch möglich sein, anders zu leben, auch wenn man dafür zum Schuppentier werden muss! Frida Teresia Svensson ist eine Multiinstrumentalistin, die ihren Lebensmittelpunkt zwischen Stockholm, Berlin und anderswo hat. Die eben herausgekommene, selbst betitelte Debüt-EP ist in San Francisco unter tätiger Mithilfe von Elliott Peltzman, dem Keyboarder der Stone Foxes, als Produzenten entstanden. I Wish I Was A Fish wirbelt hier die Wasser auf, bis uns schier schwindelig wird. Die schwedische Chanteuse zeigt sich als eigenwillige, verspielte Meerjungfrau, die auf reichlich Unterwasser-Schabernack aus ist. Sie säuselt, sie fleht,sie kiekst und schauerballadet, bis sie vor unserem geistigen Auge als Mischung zwischen Seeräuber-Jenny und garstiger Melusine aufleuchtet. Man möchte Frida Teresia die nasse Schwester von Amanda Palmer nennen, wenn sie Miniatur-Melodramen im weiten Feld zwischen Bänkel- und Kabarettgesang und experimentellem Chanson entwirft und sich trotz aller aufmüpfigen Protesthaltung einen feinen Rest kindlicher Unschuld bewahrt. Am Piano ist diese Frau übrigens eine Naturgewalt, wie unschwer zu überhören ist, wenn sie im ausufernden Track »Emma« eine komplizierte Frauenfreundschaft besingt. Einfache Töne sind das nicht, aber zu gerne würde man mit I Wish I Was A Fish in unbekannten Tiefen abtauchen. Einige Tracks der Debüt-EP sind via Soundcloud verfügbar. Sich ins Meer verliebnen? Guter Gedanke!

09. Oktober 2016

Schöner leiden mit Erik Jonasson

Dem jungen Mann muss jemand gehörig das Herz gebrochen haben. Denkt man, wenn man »Like A Funeral« hört, die Debütsingle des Göteborger Singer-Songwriters Erik Jonasson. Und fast möchte man sagen: Gut so, grausame Schöne! Denn ohne die im Übermaß verwundeten Gefühle wären wohl nie solch zarte, tiefgründige und berührende Sounds entstanden. Die sehr fein arrangiert ist, aber nie zu dick auftragen. Jonasson ist einer, der mit seiner falsettaffinen Stimme lieber zu wenig als zu viel sagt. Und mit Singer-Songwriter ist hier die klassische Variante des Genres gemeint, und nicht die simple Klampferei plus Mond-Anheulerei. Gerade mal 23 Jahre alt ist Erik Jonasson, der hier zur zarter Pianobegleitung den Schmerz aufs Schönste sublimiert und die Synthies erfreulicherweise wohldosiert einsetzt. Melancholie wird hier zur Kunstform. Leiden wird hier ganz still. Das sind Klänge, die wir nachts auf einer langen Autofahrt nach Hause hören, um uns Herz und Seele zu wärmen. Irgendwann mal hast Du meine Hand gehalten, singt er. So war das, in einem anderen Leben. Ach, seufzt man.

03. Oktober 2016

Enslaved im Club Cann: Geil war’s!

Tatort: Club Cann – Bad Cannstatt, Stuttgart
Tatverdächtige: Extreme Metal Urgesteine
Tatzeit
: 30.09.2016
Tatzeugen: keine Trachtentrottel

Als wir ankommen spielt gerade Enslaveds australische Vorband Ne Oblivicaris. Da wir sie schon auf Tuska gehört und gesehen haben, widmen wir uns lieber dem goldenen Gerstensaft und sehen uns die Show von weiter hinten an. Wobei hinten immer noch ziemlich nahe an der Bühne ist: Der Konzertsaal hat doch recht schnuckelige Ausmaße.

Nach einer kurzen Umbaupause beginnen Enslaved fulminant mit »Roots oft he Mountain« vom Album »RIITIR«. Das richtige Stück um sich auf das Set einzustimmen. Kompletten Beitrag lesen …

01. Oktober 2016

Ein wenig Nostalgie mit Tiger Lou: Reeperbahn Festival 2016

Letzens war ich im Angeber-Architektur-Areal am Offenbacher Hafen unterwegs. Das Grauen! Wo früher der verwilderte Charme einer vergessenen Industriebrache lebte, gibt es heute eine profitmaximierte städtebauliche Verdichtung plus einfallsloser Gestaltung zu bestaunen. Aber hier leben, nein danke! Leicht melancholisch wurde mir ums Herz, als ich den Ort zumindest grob wiedererkennen wollte, wo sich früher der alte Lokschuppen des Hafen2 befand. Damals wie heute einer der sympathischsten Veranstaltungsorte im ganzen Rhein-Main-Gebiet! Der alte Lokschuppen, mein zweites Wohnzimmer, ist längst abgerissen. Der Hafen2 ist rund 500 Meter weiter flußabwärts als Neubau wiedererstanden. Aber die unvergesslichen Konzerte damals im alten Hafen! Vielleicht sind die Gigs von Tiger Lou am meisten aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben: Mitreißender, intensiver, hingebungsvoller schwedischer Indierock. Die Songs der beiden ersten Tiger-Lou-Alben kann ich bis heute textsicher mitsingen. Und Schnitt. Verlassen wir Offenbach, düsen wir nach Hamburg zum Reeperbahn Festival. Auch an der Amüsiermeile hat sich die Gentrifizierung plus mittelmäßiger Architektur leider ausgebreitet wie Algen bei Hitze. Aber eine Konstante ist geblieben: Das deutsche Publikum hat Tiger Lou nicht vergessen. Nach jahrelangem Schweigen hat sich der Schwede wieder mit seiner alten Band zusammengetan und legt mit »THE WOUND DRESSER« ein neues Album vor. Das Uebel & Gefährlich ist bis auf das letzte Eckchen voll. Tiger Lou und seine Mitmusiker treten in Berufsschwarz auf, natürlich. Aber wie Rasmus Kellerman leuchtet! Wieder an dem Ort zu sein, an dem er hingehört: Auf die Bühne. Und er tut uns nicht den Gefallen, die alten Stücke zu spielen, oh nein. Die neuen Tracks stehen im Mittelpunkt, allen voran das wunderbar berührende »Homecoming«. Blödnasen werden nun kritteln, dass Tiger Lou genau dort weitermacht, wo er aufgehört hat: Beim gehobenen Indierock. Klappe halten, ihr krawalljournalistischen Intro-Idioten! Schreibt erstmal einen so stimmigen, hymnischen Track über die Selbstfindung! Sich selbst treu bleiben, ist das so uncool? Und eine Geste ans deutsche Publikum macht Rasmus Kellerman natürlich zum Schluss und spielt das wunderbare »Nixon«. »Is this is how it feels to be special? I wanted to kill you the next day«. Ja, so wird es wohl sein.

Tiger Lou Homecoming Music Video from Mike McMillin on Vimeo.

 
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