29. Juni 2006
Wo ist Erlend Øye?
Ein bisschen aus dem Blickfeld verschwunden ist der verwuschelte Rotschopf, der nachdenkliche Hornbrillenträger und introvertierte
Berlin-Freund. Das Aushängeschild der Bergener Quiet-Is-The-New-Loud- Proklamation. Dabei dürfte ihm weniger langweilig sein, als man gemeinhin annehmen würde. Folgen wir also mal ein bisschen Erlends letzten Spuren. Die sind nämlich viel frischer als das letzte Kings Of Convenience-Album, was vor genau zwei Jahren Geburtstag feierte. Oder seine Homepage, die Brachland in der Mongolei in nichts nachsteht. Wo also ist der musikalische Tausendsassa?
Aufschluss gibt seine Leidenschaft für pluckernde Beats, die er mit dem Remixalbum »Versus«, seinem Soloalbum »Unrest« (2003) und dem DJ-Set für die DJ-Kicks-Reihe des !K7 Labels auch öffentlich unter Beweis stellte. Berlin mag er. Und Elektro. Eine Gleichung, die unweigerlich zu dem Projekt The Whitest Boy Alive führt. Noch nie was von gehört? Logisch, denn das elektropoppige Debüt soll erst im September hier in Deutschland veröffentlicht werden – mit Erlend an den nerdigen Vocals. Reinhören ist
hier gestattet, kaufen geht bereits günstig an dieser Stelle. Was immer dieser Mann anpackt oder seine Stimme drüber bettet – es wird eine Ohrenschmaus! Live erleben kann man diese deutsch-norwegische Kollaboration übrigens unter anderem Mitte Juli auf dem Dour-Festival in Belgien, was mit einem fairen Eintrittspreis und vier Tagen feinster musikalischer Untermalung aufwarten kann.
Aber hey! Ein Projekt, das kann doch nicht sein Ernst sein? Natürlich nicht. So zupft Erlend ein bisschen
Gitarre auf dem aktuellen Album von Schneider TM »Škoda Mluvit« (lohnt alleine wegen »Caplets«, einem der besten Songs des Jahres) und trällert ein wenig auf dem neuen Album von Jimmy Tamborello (DNTEL, The Postal Service), der unter der Drittidentität James Figurine (leidet der gute Herr eigentlich unter Verfolgungswahn?) gerade mit »Mistake Mistake Mistake Mistake« ein leicht technoides, aber wunderbares Tanzalbum abgeliefert hat.
Man wittert förmlich den Angstschweiß der Verehrer der folkigen Ditties, der schmachtenden Akustikverehrung. Macht
Mr. Øye jetzt nur noch in elektronisch? Aber keine Angst: die Kings Of Convenience sind noch nicht in der Ablage mit dem Altpapier gelandet. Schließlich braucht jeder Ausgleich irgendwann mal einen Ausgleich. Wer allerdings nicht ins Baltikum fährt oder nach Norwegen, der hat schlechte Chancen, die Kings in diesem Sommer live zu erleben. Aber irgendwann gibt es ganz sicher auch wieder eine Deutschlandtour. Beim dritten Album. Man munkelt schon: es tut sich was!


Die Schweden sind ein missgünstiges Volk. Hat der Bruder Erfolg, versucht der gelbe Widerpart alles daran zu setzen, um ihm ebenbürtig zu begegnen. Carl und Viktor heißen die beiden schlacksigen Anfangszwanziger, die genau dahin wollen, wo Bruder Gustav bereits ist: ganz nach oben auf den skandinavischen Rockthron, um den sich scharenweise blutjunge Mädchen tummeln. Mando Diao heißt die Band des ältesten der drei Norén-Brüder, die binnen zwei Alben europaweit an die Spitze preschen konnte und als etablierte Rockgröße im September mit »Ode To Ochrasy« ihre Position festigen werden. Carl und Viktor bleibt vorerst also nur das Aufschauen, denn ihre ganz eigene Band
Normalerweise sind wir ja aufs Hören spezialisiert, aber damit unsere anderen Sinne nicht vollends verkümmern, gibt es hier einen kurzen visuellen Ausflug in die Kälte Grönlands und zu den dort lebenden Inuit, die
