25. Juni 2006
Adjagas
Als ich Mari Boine beim Interview vor wenigen Wochen nach ihren Vorbildern fragte, nannte sie viele Namen, die ich erwartet hatte und die ich ihr durch meine Frage bereits in den Mund gelegt hatte: Valkeapää, Sara, Wimme. Mir völlig unbekannt war jedoch ein Duo namens Adjagas. O-Ton Boine:
»Natürlich hörte ich viel Nils-Aslak Valkeapää. Er war der Erste, der Joiks bekannt machte. Selbstverständlich beeinflusste er mich – sowohl seine Texte als auch seine Musik. Ebenso Johan Sara. Und Wimme Saari natürlich auch. Und es gibt eine weibliche Joikerin Inga Juuso, die mir viel bedeutet; ich lernte viel von ihr. Und ich bin sehr glücklich, dass wir nun eine neue Gruppe haben namens Adjagas, bestehend aus zwei jungen Leuten: Lawra Somby und Sara-Marielle Gaup. Sie können sich glücklich schätzen, mit Joiks aufgewachsen zu sein, denn ihre Eltern joikten auch.«
Ich war neugierig geworden. Ich mailte die Plattenfirma Trust Me Records an, bzw. deren Betreiberin Marit Karlsen. Sie verwies mich auf die Firma Ever Records/K7, die die aktuelle CD (2005) in Deutschland veröffentlichen werde, allerdings erst im September. Verbunden mit einer kleinen Tournee in Deutschland und einem WOMEX-Auftritt in Sevilla. Da ich zeitgleich auch ans Management Bureau Storm geschrieben hatte, erhielt ich von dort ebenfalls Antwort, netter und verbindlicher: Erlend schickte mir die CD.
Und nun rotiert sie also im Player, ich lausche den Stimmen der 21jährigen Sara Marielle Gaup und des 24järigen Lawra Somby und frage mich: Ist das wirklich der kommende Sápmi-Sound?
Natürlich können die beiden für ihr Alter schon enorm viel und bekamen von ihren Eltern eine fundierte Joik-Ausbildung mit auf den Weg; die bisweilen untypisch-modernen Zutaten wie Banjo, Ukulele oder Slidegitarre lassen in der Tat einen unvorbelasteten Umgang mit dem alten Erbe erkennen. Gern hätte ich den Joik-Nachwuchs aus dem nordnorwegischen Guovdageaidnu/Kautokeino, einer meiner Lieblingssiedlungen, als CD des Monats bei www.nordische-musik.de ins Rennen gebracht, aber …
… von der vokalen Intensität eines Johan Sara, der Experimentierfreude eines Frode Fjellheim und den phantasievollen Arrangements eines Wimme Saari sind sie noch meilenweit entfernt: Die Zukunft des Joik hatte ich nicht gehört. Aber man sollte Adjagas noch etwas Zeit geben und sie im Auge behalten.


Sommer. Schäfchenwattewolken überfahren einen, während nebenan der Schmetterlingslandeanflugbeobachter im satten, duftenden Gras mit den Marienkäfern flirtet. Die Sonne belacht, die karamellgebräunten Beine im sanft umspülenden Meerwasser gedippt, unermüdlich die Sandburg vor der Flut beschützt, sich einbuddeln lassen aber dann doch lieber ein Buddelschiff gekauft. Sich von den Grashalmen unter den Füßen kitzeln lassen und abends unter freiem Himmel mit Lagerfeuer-Westerngitarrenklassikern den glutroten Feuerball hinter den Horizont verabschiedet. Abends, wenn die Luft schon etwas kühler ist, was sie noch viel reiner und erfrischender schmecken lässt. Das Ganze wahlweise in selbstvergessener Abgeschiedenheit in nordischen Wäldern oder mit den besten Freunden in entspannter Urlaubs-Atmosphäre direkt am Fjord.
Tobias Sjögrens neue CD im Player gehabt: »UNSPOKEN SONGS«, eine Duo-CD zusammen mit dem Sänger und Trompeter Per Jørgensen, ist eine feine, leise, lyrische Jazz-Platte, die an Pat Methenys Zusammenspiel mit Nana Vasconcelos, bzw. in jüngerer Zeit mit Cuong Vu erinnert.
Also mailte ich ihm mein Anliegen: Ob er mir wohl die bei uns noch nicht besprochenen CDs seiner Discografie für eine Rezension zur Verfügung stellen könne? Klar könne er mir sie schicken, mailte er freundlich zurück.