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Foto nordische Landschaft

07. August 2016

Hel(l) aktuell XXI: Tuska 2016, Freitag: Takk, Kvelertak!

Ein warmer, sonniger Freitagnachmittag auf dem Gelände des alten Gaswerks in Helsinki. Auf der Hauptbühne (Radio Rock Stage) spielen gerade Cattle Decapitation (USA) mit denen unser erster Tuska-Tag beginnt. Viel bekommen wir nicht mit, da wir direkt zu den finnischen Frosttide in Richtung Inferno-Stage gehen.

Auf dem Weg in die Halle fällt uns die neu gestaltete Helsinki-Stage auf: sie ist nun leicht nach rechts gedreht, Bühne und Vorplatz sind mit einem großen Zelt überdacht. Frosttide erinnern etwas an ihre Landsmänner Ensiferum. Leider ist nicht allzu viel los in der kleinen Halle. Liegt womöglich an der sehr frühen Spielzeit. Allgemein sind am frühen Nachmittag wenig Besucher auf dem Gelände.

Laut Aussage der Sängerin zum ersten Mal in Finnland: Delain aus den Niederlanden.  Vor der Zeltbühne (Helsinki Stage) haben sich die schon anwesenden Fans versammelt, um den ersten Auftritt Delains in Helsinki zu sehen. Mir ist die Musik zu beliebig, auch die Stimme der Sängerin, Charlotte Wessels, gefällt mir nicht so recht. Dafür den anwesenden Zuhörern umso mehr.

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06. August 2016

Die Schönheit organischer Suppe: Hanna von Bergen

Wer einen eigenwilligen und leise ironischen Song über die Vorteile organischer Suppe für Gemüt und Geldbeutel schreibt, hat meine volle Aufmerksamkeit. Denn darauf muss man erstmal kommen! Und wer dann noch die simbabwische Mbira wählt, um seine leisen kleinen Songs zu instrumentieren, erhält sowieso Pluspunkte. Also einen kleinen Tusch für Hanna von Bergen! Die Musikerin aus Oslo hat bislang nur wenige Songs vorzuweisen, zeigt sich aber bereits als gereifte Arrangeurin der eigenen Töne. Probiert behutsam Dinge aus. Changiert souverän zwischen großäugiger Naivität und leiser Melancholie. Schwelgt in zärtlichen Alltagsbeobachtungen. Und nimmt sich erfreulicherweise selbst bloß nicht zu ernst. Nichts da berufsbedröppelte Singer-Songwriterin, die von den wilden Winden des Schicksals durchgerüttelt wird! Lieber macht sie sich darüber lustig, dass man sie mit Lilly Allen verwechselt! Hanna von Bergen steht dazu viel zu sehr mit beiden Beinen im Alltag! Die schrullige Liebeserklärung »Spraypainted Love« mit ihren überraschenden Tempowechseln ist alles andere als Kleinkunst! Und allein, wie sie bei Auftritten auf dem Boden sitzt und ihre Mbira spielt, das ist ein Genuss. Da wollen wir ihr gnädig verzeihen, dass sie letztens ihr Glück bei »The Voice Of Norway« versucht hat und dabei die Jury im Sturm eroberte! Leider gibt ihre Homepage keinerlei Auskunft darüber, wie sie zur Mbira gekommen ist. Diese Geschichte hätte ich gerne gehört! Wer Seele und Herz erfreuen will, jetzt, wo die Tage bereits wieder kürzer werden, dem seien die Soundcloud-Songs der Chanteuse entschieden ans Herz gelegt. Und ich poste hier jetzt den Song über die organische Suppe, weil er der erste ist, der mir jemals zu diesem Sujet untergekommen ist!

29. Juli 2016

Sløtface schnüren die Tanzstiefelchen

Es ist Freitagabend, also höchste Zeit, die Tanzstiefelchen zu schnüren! Endlich wieder Drama und emotionale Wallungen! Und dieses Gefühl des absoluten Lebendigseins! Das sind die funkenlnden Fixsterne jeder ordentlichen Teenagerzeit. Ein bisschen unbekümmert sein, ein bisschen überschwänglich sein und überkandidelt sowieso: Willkommen in der Welt der norwegischen Powerpopsters Sløtface, die mit »Take Me Dancing« den Soundtrack für das leicht angetrashte Wochenendvergnügen schreiben. Sängerin Haley Shea will unbedingt ausgehen und angenehm angetütert durch die zwei freien Tage hüpfen. Die Gitarren stechen dazu wie angepunkte Wespen und die Stimmung erinnert irgendwie an die 70er, als Bands wie Clout zu Hochform aufliefen. Nur dass diese jungen Norweger aus der Erdöl-Stadt Stavanger sehr viel weniger brav sind! Den bisherigen Bandnamen Slutface mussten sie ändern, wegen »Social Media Censorship«, wie es ominös heißt. Hat sich Herr Zuckerberg etwa wieder als Moralwächter aufgespielt? Die Youngsters haben kürzlich ihre erste EP »SPONGE STATE« vorgelegt, die dahergaloppiert kommt wie eine durchgebrannte Schafherde. Bei aller Dynamik liefern die Vier aber superpräzise Töne ab. Sløtface sind ein wenig kratzbürstig, ziemlich leidenschaftlich und ungeheuer lebendig! Wer wollte sich ihnen in den Weg stellen?

24. Juli 2016

Hoch lebe die Euphorie! Ludvig Moon

Ein lebenspraktischer Rat zu Beginn: Nicht bei aufziehendem Gewitter mit voller Einkaufstasche am Fahrradlenker versuchen, im Turbotempo noch nach Hause zu kommen: Dann passiert es nämlich, dass man über eine Kante holpert, die Balance verliert, mit dem Kopf voraus über den Lenker fliegt und sich die Schulter bricht. Aus diesem Grund herrschte die vergangenen Tage Schweigen im Polarblog und wird dieser Post wohl nicht episch. Wenn die nette Physiotherapeutin mitkriegt, dass ich schon wieder am Computer sitze, dann schimpft sie bestimmt mit mir! :)

Aufmuntern kann man sich mit den hoch euphorisierenden Klängen der norwegischen Band Ludvig Moon. Die Sechs um Sänger Anders Magnor Killerud lassen mit ihrem hymnischen (böse Zungen würden sagen: Grey´s-Anatomy-affinen) Indiepop aufhorchen. Die Musiker aus Oslo sind beim Trondheimer Qualitätslabel Riot Factory unter Vertrag, haben bislang eine selbst betitelte EP vorgelegt (reinhören lohnt!) und bringen demnächst ihr Debütalbum heraus. Dass die EP in ihren besten Passagen an die grandiosen Anathallo erinnern, kann nur als Empfehlung dienen! Inspirieren lässt sich das Sextett im Übrigen von so unterschiedlichen Bands wie den Smashing Pumpkins, den Landleuten von Motorpsycho und den Flaming Lips. Hochrangige Vorbilder, das! Klein-Klein ist jedenfalls nichts für die Norweger, wenn sie das Träumen und die großen Gefühle hochhalten und sich an der epischen, aber dennoch leichten Geste üben! Das ist Gefühlswirrwar im besten Sinne, wenn Ludvig Moon auf gefühlige Indie-Gitarren und glitzernde Synthies setzen und dennoch poppig verspielt klingen! Als erster Vorgeschmack liegt die Single »Cult Baby« vor, wo im dazugehörigen Video mächtig geknutscht werden darf. Zu dick aufgetragen? Von wegen, wenn die Emotionen im besten Sinne ims Schwimmen geraten und man prompt nur noch die Sterne am Himmel zählen will!

05. Juli 2016

Die Frau für Sonntagmorgen um fünf: Elin Ivarsson

Schon merkwürdig, über welche Umwege man manchmal über neue Musikerinnen stolpert: Im Fall der schwedischen Chanteuse Elin Ivarsson war es der Newsletter des Frankfurter Yellowstage Sound System, die immer mal interessante Veranstaltungen im Programm haben, auch wenn sie leider, leider, den schönen alten Standort in Rödelheim verlassen mussten. Für mich war das ein historischer Ort, weil ich dort zum ersten Mal die von mir sehr geschätzten isländischen Postrocker For A Minor Reflection hörte, die mir nach dem Konzert schwer ans Herz legten, doch unbedingt mal nach Reykjavík zum Iceland Airwaves Festival zu kommen: Einer der besten Empfehlungen meines Lebens, diesen Herbst fahre ich das achte Mal hin! Ich schweife ab und komme zurück zu Miss Elin: Sie spielt Ende des Monats in Frankfurt in einer mir völlig neuen Location namens Lotte Lindenberg. Ein Tonstudio in Sachsenhausen, ab und zu umfunktioniert zu einer Live-Location. Da sollte man doch mal hin! Und da sage mal einer, Frankfurt sei langweilig!

Natürlich in die Musik der jungen Schwedin mit derzeitigem Wohnsitz in Brighton hereingehört und sehr angetan! Denn Elin Ivarsson ist eine klassisch ausgebildete Gitarristin, die erst spät zur Singer-Songwriterei gefunden hat. Und sie unterscheidet sich von der Masse der langweiligen Klampfenliesen dadurch, dass sie eine begabte Geschichtenerzählerin ist. Und mehr als nur einen Funken Temperament besitzt! Die schrullige kleine Ballade »Sunday 5 AM« a hebt nach gemächlichem Beginn langsam ab und fängt das hochlebendige Maunzen an. Und dann geht doch tatsächlich die Sonne auf! Stimmlich erinnert Elin Ivarsson mitunter ein wenig an die leider aus den Augen geratene Edie Brickell.

Immer nur die gleiche Mär von Herz- und Seelenschmerz, den diese Liedermache(Innen) inszenieren wie eine Kleinstadt-Beerdigung, puuh, wie ist das öde! Lieber auf Alltags-Abenteuerfahrt gehen wie im sehr feinen »No Name«, in dem das Cello die zweite Hauptperson ist. Oder folkig schwelgen in »Laurels«, die Fiedeln auf die Bühne rufen und in Lagerfeuer-Chorgesänge ausbrechen! Elin Ivarssons selbst betiteltes Debütalbum ist im April beim Brightoner Qualitätslabel Hidden Trail Records herausgekommen, wo auch Musiker wie die fabehafte Troubadeuse Roxanne de Bastion vertreten ist. In das Album kann man zur Gänze via Bandcamp hereinhören. Für lange, faule Sommerabende auf dem Balkon zu empfehlen! Und am 22. Juli werde ich mich wohl abends in das geheimnisvolle Lotte Lindenberg aufmachen, um Miss Elin live zu lauschen!

 
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