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Foto nordische Landschaft

08. November 2009

Lady & Bird: Die Sinfonie des kleinen Popsongs

Was wärmt uns im November? Es kann nur das ganz große Gefühl sein. Und das gelungene Experiment. Dazu gehören: Eine französische Chanteuse, ein eigenwilliger isländischer Nerd und ein 8o-köpfiges Sinfonieorchester. Eine live eingespielte Aufnahme. Voilà die Protagonisten: Die französische Sängerin Keren Ann, der isländische Pop-Weirdo Bardi Johannsson und das Icelandic Symphonic Orchestra. »LA BALLADE Of LADY & BIRD« lautete das Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

Keren Ann und Bardi Johannsson arbeiten als Duo Lady & Bird bereits seit einigen Jahren regelmäßig zusammen und haben ein gemeinsames Album vorgelegt. Keren Ann ist in Frankreich eine der bekanntesten Vetreterinnen des Nouvelle Chanson Johannsson hat mit seinem Projekt Bang Gang und dem Debüt »GHOSTS FROM THE PAST« ein episches Herz-Schmerz-Album vorgelegt.

Am 5. Juni 2008 haben beide Musiker, ladybegleitet vom Icelandic Symphony Orchestra unter Leitung von Daniel Kawka, das Abschlusskonzert des Kunstfestivals Reykjavik bestritten. Mit ihren eigenen und ihren gemeinsamen Songs, opulent und einfühlsam neu arrangiert von Thorvaldur Bjarni Thordvaldson. Ein Experiment, das auch hätte danebengehen können - denn lassen sich fragile Popsongs in die symphonische Form übertragen? Funktioniert das?

Die Antwort kann nur lauten: Ja, ja ja! Denn das kleine, das private Gefühl intimer Seelenzustände in den Songs der beiden Musiker läuft in der symphonischen Form zum großen Melodrama auf, das Herzen auf die wunderbarste Weise bricht. Ohne dasss die Zartheit auf der Strecke bliebe. Mit wunderbarem Sinn für den Aufbau von Spannungsbögen kulminiert die Aufnahme im Lady & Bird-Song »Run In The Morning Sun« , gesungen von einem Mädchenchor. Wer danach nicht glaubt, dass das reine Glück auf Erden möglich ist, dem ist auf dieser Welt nicht mehr zu helfen.

31. Oktober 2009

2:1 für Finnland: Ensiferum, Tracedawn, Metsatöll im Substage

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Zwei finnische und eine estnische Kapelle finden am heutigen Donnerstag, 29. Oktober 2009, ihren Weg ins ausverkaufte Karlsruher Substage. Die Mischung reicht von Death (Tracedawn), über Folk (Metsatöll) bis zu Viking Metal (Ensiferum). Dementsprechend trägt der durchschnittliche Besucher den obligatorischen Thorshammer am Halskettchen, wagemutigere haben Trinkhörner an die Hüfte geschnallt – die sie mehr oder weniger gekonnt handhaben, die Bierpfützen sprechen Bände.

TRACEDAWN

Im gut gefüllten Club beginnen Tracedawn kurioserweise zehn Minuten früher als geplant (d.h. ich komme zu spät für den Fotograben). Was sofort auffällt: Der grottenschlechte Sound. Der Bass bollert wie die Sau, den Sänger Antti Lappalainen kann man noch halbwegs hören, das Schlagzeug Perttu Kurttilas schon weniger. Die Gitarren? Fehlanzeige. In den ersten Reihen scheint der Sound besser zu sein, zumindest klatscht das Publikum enthusiastisch.

Weiter hinten kann man immerhin die Gitarristen als Pantomimen bewundern: Bei perfekt inszenierter Helikopter-Rotation der Haare.  Plötzlich Gitarrentöne. »Kerry King für Arme«, sagt meine Begleitung zum Solo-Versuch des Gitarristen. Na immerhin hört man ihn. Kurzzeitig. Schade um den schlechten Sound. Dennoch ist das Publikum nach der halben Stunde mit den finnischen Jungspunden mächtig aufgeheizt.

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30. Oktober 2009

September Malevolence: Wie man in Frankfurt durchfällt

Der echte Charakter einer Band erweist sich genau in der Situation, in der sich die schwedischen Postrocker September Malevolence in dieser Woche im kleinen Frankfurter Club Ponyhof befinden: Es ist zehn Uhr und der Veranstalter drängelt schon und es sind drei Konzertgänger da. Oder vier. Am Ende werden es sechs sein. Selbst in diesem kleinen Rahmen ist das wenig. Was nutzt es, sich ein größeres Publikum herzuwünschen? Es kommen nicht mehr Leute zur Tür hereingeströmt. Aus welchen Gründen auch immer.

Dass sie das noch nicht erlebt haben, sagt der Sänger, als die Band auf die Bühne kommt, schon deutlich nach zehn. Das Publikum ist nett genug und rückt geschlossen vor. Verhalten legen sie los, die vier Schweden.septmber-male1 Spielen mit den klassischen Versatzstücken des Postrock, den endlosen repetitiven Schleifen und dem Spiel mit den kleinsten Variationen großer Muster und dem dosierten Hereinsteigern in hochemotionale  Gitarren- und Gefühlsausbrüche. Klingt durchaus viel versprechend. Doch irgendwie wird die Konzertgängerin das Gefühl nicht los, dass die echte Leidenschaft fehlt. Das letzte Quäntchen Hingabe, das bedingungslose Einlassen. Der Sänger macht die Sache mit den Zwischenansagen nicht besser. »Morgen die Show in Berlin ist ausverkauft«, verkündet er demonstrativ. »Wunderbar«, denkt man, »dann sind wir hier in Frankfurt die dummen Provinzbanausen fern der Hauptstadt, die nicht wissen, was wirklich gut ist«. Im Nachhinein betrachtet grenzt dies an Publikumsbeschimpfung. Die Polarbloggerin ist an diesem Abend 35 Kilometer hin und 35 Kilometer wieder nach Hause gefahren, um diese Band zu hören.

Das Konzert läuft nicht wirklich gut. Obwohl September Malevolence in kurzen Momenten abheben und sich in ihren Klanglabyrinthen verlieren. septmeb2Einer im Publikum tanzt sogar, sichtlich angetan. Aber der Band reicht das nicht. Offenkundig.

Nach noch nicht einmal einer Dreiviertelstunde ist Schluss. Der September-Malevolence-Sänger verlässt den Raum und kommt nicht wieder. Wollen wir mal wohlwollend annehmen, dass er dringend auf Toilette muss. Die Band startet die einzige Zugabe zunächst ohne ihn und der zweite Gitarrist ringt sich den öden Gemeinplatz ab, »dass alle Erfahrungen gute Erfahrungen sind«. Ach so. Das muss ich mir merken, wenn mir demnächst eine schlechte Erfahrungwiderfährt. Schließlich bequemt sich der Sänger auf die Bühne und dann ist Schluss. Die Uhren über Sachsenhausen haben noch nicht mal elf geschlagen. »Der Soundcheck hat länger gedauert als das Konzert selbst«, sagt der Ponyhof-Mitarbeiter zwischen Tür und Angel später noch. Aha. Diese Information hat uns gerade noch gefehlt.

Der wahre Charakter einer Band erweist sich dann, wenn sie vor fünf Leuten spielen muss. Und wunderbarerweise gibt es viele leidenschaftlich aufspielende Bands mit Rückgrat, die diese Hürde selbstverständlich nehmen. Wie Lily Electric, 120 Days oder die ebenso beeindruckenden Violent Years. Bleibt als Fazit nur: In Frankfurt eindeutig durchgefallen, September Malevolence. Wie übrigens kürzlich auch der Landsmann Boy Omega, der bei einem leider ebenso spärlich besuchten Gig in den Frankfurter Hazelwood-Studios einen ähnlich uninspirierten Auftritt hinlegte. Fast könnte man daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass schwedische Bands über eine ausgesprochen schwach ausgeprägte Frustrationstoleranz verfügen. Fast.

29. Oktober 2009

Hardcore Superstar im Karlsruher Substage

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Im Karlsruher Substage werden am heutigen Dienstag, 27. Oktober 2009, Schwedenhappen serviert: Als Vorspeise gibt es Avatar aus Göteborg – die live genauso klingen wie auf ihrer MySpace-Seite: Schaurig. Oder positiv ausgedrückt: Noch lernfähig. Schließlich sind die Jungs erst Anfang 20 und bieten dem weiblichen Teil des Publikums wenigstens was fürs Auge.

p09_hs04Bald ist der halbstündige Auftritt vorbei und die 400 Besucher positionieren sich schon mal strategisch günstig für Hardcore Superstar – oder pilgern an den Tresen / raus zum Rauchen. Zeit genug dafür haben sie jedenfalls, denn das Hauptgericht wird erst um 22 Uhr aufgetischt.

Endlich ist es soweit, die Umbaupausen-Musik verklingt, Nebel zischt. Obwohl der Club für einen Dienstag gut gefüllt ist und die Mehrheit die meisten Texte mitsingen kann, habe ich selten viel Platz im Fotograben. So kann ich aus näxter Nähe den taktischen Riss an der Innenseite von Fronter Joakim »Jocke« Bergs Jeans bewundern – kurz vorm linken Ei. Vermutlich hängt deswegen der »besternte Lappen« davor.

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28. Oktober 2009

Brandneues Dúné-Interview auf www.nordische-musik.de

dune_n08Dúné: Trotz ihrer jungen Jahre und ihres frühen, unerwarteten Erfolgs sind die Dänen völlig professionell - und dabei ungemein sympathisch.

Cille (Cecilie) Dyrberg und Mattias Kolstrup plaudern vor ihrem Auftritt am 10. Oktober 2009 im Stuttgarter Zapata mit Nathalie Martin  über »Dúnékratie«, ihren überraschenden Erfolg sowie die Reaktionen darauf, verrückte Japaner, ihren Einfluss auf Jacob Hansen und wieso die Ärzte die perfekte Vorband wären.

Lest das Interview hier.