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Foto nordische Landschaft

09. Februar 2014

Zu viel der Bescheidenheit! Petit Zeus

Zu den finnischen Nationaltugenden gehört demonstrative Bescheidenheit. Sich in irgendeiner Form in den Vordergrund schieben und vielleicht gar noch selbstbewusst von den eigenen Erfolgen erzählen, wie es die Amerikaner so gerne markig tun: In einem Land, in dem das Schweigen eine Kunstform bildet, stellt jegliche Art von übertriebener Selbstinszenierung einen Fauxpas dar. So erfahren wir folgerichtig nicht, wer denn genau hinter dem feinen Elektronikprojekt Petit Zeus aus Pori steckt. Die Fotos auf der Facebook-Seite zeigen einen blassen, bebrillten Nerd, der zuhause in der karierten Schlafanzughose an seinen technischen Gerätschaften vor sich hinwerkelt. Der Namenlose aus der südfinnischen Hafenstadt charakterisiert seine eigene Musik als »elektronisch, menschenfeindlich und katatonisch«. Junger Mann, lass mal nach! Du magst ein Eigenbrötler sein, aber Du verstehst Dich doch bestens auf die feinen Zwischentöne und das Erzählen von luftigen Geschichten! Und mitunter geht es in Songs wie »There’s Such A Lot Of World To See« fast schon fröhlich und ansatzweise übermütig zu, bevor dieses schlauen Synthies einsetzen, die das ganze dann doch wieder ins Sensibelchen-Land tragen.

Petit Zeus liebt es minimalistisch. Flirtet verhalten mit Dark-Ambient-Tönen. Lässt sich alle Zeit der Welt, damit sich die Dinge in ihrem eigenen Tempo entwickeln und eine verhaltene Schönheit entfalten können. Man muss Geduld haben mit diesen Songs, die sich nicht für hastiges Hineinhören eignen. Hier wird mitunter mit langem Atem erzählt und fast schon postrockig hart an der Zehn-Minuten-Grenze ausgeufert. Dies ist vor allem in den etwas älteren Tracks der Fall, wie im raumgreifenden Klanggedicht »January Embers 1«, in dem experimentellere Töne angeschlagen werden. Vielleicht eine kleine Verbeugung vor der Tradition der Postrock-Hochburg Pori, die von stilbildenen Bands wie Circle geprägt wurde? Aber wenden wir uns lieber dem Heute zu, denn Petit Zeus ist in den vergangenen Monaten sehr aktiv, um nicht zu sagen: fleißig! gewesen. So hat er Ende November die EP »Windy City Soul« vorgelegt, der man zur Gänze via Bandcamp lauschen kann. Bereits jetzt, Anfang Febuar, folgt das Album »WENDY VOID«. Auf keiner dieser Veröffentlichungen findet sich allerdings das feine »Floodgates«, durch das man sich mühelos in intelligent verträumte Zustände versetzen lassen kann. Und irgendwann dringt sogar die Sonne in diese abgedunkelten Räume. Und zwar just in dem Moment, in dem man »hach, Vangelis!« seufzt.

Petit Zeus – Floodgates from Lauri Hannus on Vimeo.

Foto und Video: Lauri Hannus. Danke Lauri, ich bin Dein Fan!

27. Dezember 2013

Tiefe Wasser: Virta

Wie sich Töne tiefer Wasser anhören? Ein wenig jazzig vielleicht? Oder auch postrockig? Wenn es nach Virta ginge, käme auch noch eine experimentelle Note hinzu. Die teils bebrillten, teils betollten Jünglinge aus Helsinki spielen mit Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Elektronikkram auf. Sehr selten wird gesungen. Die EP »TALES FROM THE DEEP WATERS« ist schon vor rund einem Jahr herausgekommen, aber beginnt erst jetzt allmählich, auch in Resteuropa Wellen zu schlagen. Diese Jungspunde lieben es vertrackt, kompliziert und vielschichtig. Und strahlen dabei eine selbstverständliche Souveränität aus, so dass der ganze Überbau überhaupt nicht wuchtig, sondern leicht und luftig daherkommt. Die Trompete von Antti Hevosmaa steht selbstbewusst im Mittelpunkt, ohne die anderen Mitspieler zu erschlagen. Dass hier sofort Miles Davis in den Sinn kommt, dürfte der Musiker als Kompliment auffassen. Auf der Debüt-EP gefällt besonders der (post-)rockigere Track »Traffic«, der wunderbar zwischen den Stilen galoppiert, aber sich nirgendwo anbiedert. Und der immer wieder für überraschende Schlenker gut ist. Das ist sicherlich nicht beim ersten Hören zugänglich, aber passt bestens zu späteren Nachtstunden, wenn der Wind ums Haus fährt und es endlich kälter wird. Und zumindest ein Teil des buntblinkenden Weihnachtslichtschmucks endlich erlischt.

In »TALES FROM THE DEEP WATERS« kann man zur Gänze via Bandcamp hereinhören. Und sich daran erfreuen, dass das Trio ausführliche Blicke in Richtung experimentellen Psychedelikrock wirft, was kein Wunder ist, kommen doch so stilbildende Bands wie Circle oder Magyar Posse aus der nicht zu weit entfernten Küstenstadt Pori. Und während die Bloggerkollegen von Lie In The Sound superfleißig waren und sogar schon ihre Lieblingsalben des Jahres 2013 gekürt haben, gönne ich mir lieber den Luxus des Unentschlossenseins und lasse mich stattdessen lieber von dieser wendigen Trompete auf »Afrikan Tähti« davontragen. Die so völlig unberechenbar ist wie eine Springmaus. Und mitunter tatsächlich so strahlt wie der titelgebende afrikanische Stern.

Foto: Tero Ahonen